• Hieronymus Schädler mit seiner Frau Christina Reburg.  (Klaus Schaedler)

Mit Musik positive Energien verstärkt

Der in Zürich wohnhafte Triesenberger Flötist Hieronymus Schädler zog einige positive Seiten aus der Coronakrise.

Wie viele andere Musiker wurde auch Hieronymus Schädler vom Coronavirus eher stark getroffen. Von einem Tag auf den anderen war alles anders: «An einem Tag waren wir noch mitten in den Proben, am nächsten Tag wurde das ganze Konzert abgeblasen, da befürchtet wurde, dass keine Besucher kommen werden», so Hieronymus Schädler. Viele Projekte wur­den verschoben, doch auch heute sei immer noch unklar, was nachgeholt werde und was nicht. Der Flötist hätte im Frühling Chorprojekte, Orchesteraufträge wie auch die traditionellen Triesenberger Konzerte geplant gehabt. «Und schliesslich war ein halbes Jahr gar nichts los», so Schädler. 

Während des Veranstaltungsverbots hat Hieronymus Schädler einerseits weiterhin am Konservatorium in Zürich unterrichtet und andererseits mehrere Musikaufnahmen für Youtube (hieronymusik) gemacht. «Doch es gibt so viele Selbstdarsteller auf Youtube, wo es gar nicht mehr um die Musik geht, sondern nur noch um die Personen selbst. Diese Kultur widerstrebt mir sehr», erklärt Hieronymus Schädler. Der Musikunterricht am Konservatorium sei teilweise online weitergelaufen. So mussten ihm seine Schüler Aufnahmen schicken, die er besprach und zurückschickte. «Das war sehr mühsam, aber es ging», so Schädler. Das Problem dabei sei, dass man das Wesentliche online nicht vermitteln könne. Mittlerweile laufe der Unterricht wieder mehr oder weniger normal. «Ich unterrichte jetzt halt mit Abstand», schmunzelt der Flötist. 

Legt viel Wert auf Selbstverantwortung Finanziell sei die Coronakrise für Hieronymus Schädler verkraftbar gewesen. Er habe etwas Unterstützung durch die AHV bekommen und etwas vom Schweizer Musikerverband. «Aber ich bin kein Typ, bei dem immer Ebbe ist. Ich verdiene meistens mehr als ich ausgebe», erklärt der Musiker. Er lege viel Wert auf Selbstverantwortung und habe immer ein finanzielles Polster auf der Seite. «Ich will ein Jahr lang leben können ohne Einnahmen», so Schädler. In Triesenberg hätte er sich sogar eine Möglichkeit eingerichtet, um im Notfall Selbstversorger werden zu können. Mittlerweile gäbe es im Musikbusiness immer mehr geldfreie Deals – ähnlich wie den früheren Tauschgeschäften. So arbeite er seit mehreren Jahren mit Hotels zusammen, für die er beispielsweise zwei Konzerte gäbe und dafür eine Woche gratis im Hotel wohnen dürfe. Auch habe er schon öfters für ein Kunstwerk an Vernissagen gespielt: «Wertschätzung muss bei mir nicht unbedingt durch Geld ausgedrückt werden.»

Aus Freude über die Ruhe Aufnahmen gemacht
Während den Kontakteinschränkungen ging Hieronymus Schädler oft mit seiner Frau Christina Reburg im Wald in seinem Wohnort Wetzikon spazieren. «Man spürte eine unglaubliche Ruhe und hatte das Gefühl, die ganze Natur atme auf», schwärmt der Musiker. Man habe aber auch bei den Fussgängern gespürt, dass ganz andere Dinge wichtiger wurden. «Die Leute waren sehr freundlich und total ent­stresst», so Schädler. Während die Leute auf dem Land entspannen konnten, habe die Situation den Stress in der Stadt verstärkt. «Die Gelassenheit hat viele angesteckt.» Zusammen mit seiner Frau, die ebenfalls Musikerin ist, hat Hieronymus Schädler mehrere Aufnahmen gemacht «aus Freude über die Ruhe». Sie hätten auch mehrere Konzerte ohne Publikum gespielt, zum Beispiel für Verstorbene oder solche, denen es nicht gut geht. Damit versuchen sie, positive Energien zu verstärken. «Gedanken, Musik, alles hat eine Kraft.»

Nach 3,5 Monaten Pause gab Hieronymus Schädler am vergangenen Sonntag in einem Kleintheater in Bern ein erstes Konzert, ein Mozartprogramm. Sonst sei noch nicht viel geplant. «Es ist alles ein bisschen auf Stand-by. Man weiss immer noch nicht so genau, wie es ­weitergeht», so der 64-Jährige. Was er sicher bald machen möchte, ist, zumindest eines seiner ausgefallenen Triesenberger Konzerte nach den Sommerferien nachzuholen. «Vermutlich im September.» (mk)

30. Jun 2020 / 16:55
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