• Malbun
    Wer erinnert sich noch an diesen Anblick von Malbun?

Malbun: Das Hochtal mit der besonderen Geschichte

1600 m über dem Meer, im Sommer Zielpunkt und Ausgangsort zahlloser Wanderer, im Winter ganz im Zeichen des Skisports: Viel mehr wissen die meisten Besucher des Hochtals in der Regel nicht darüber. Obwohl es mehr gäbe …

Malbun ist seit Jahrzehnten erschlossen. Man hat sich daran gewöhnt, auf steilen Serpentinen höher und höher hinaufzufahren, hier und da einem etwas unsicheren ausländischen Automobilisten auszuweichen und sich oben bei schönem Wetter an der Natur, die dort gottlob noch immer urwüchsig ist, zu erfreuen, bevor man dem nachgeht, was einen eigentlich hinaufführte. Und so bekannt das Malbun auch ist, so sehr hat man immer noch so vieles fast ganz für sich allein, sei es auf einsamen Spaziergängen oder beim Skiwandern.

Malbun

Früher wie heute tummeln sich Einheimische wie Gäste auf den Pisten.

Name ist rätoromanischen Ursprungs

Zur Eröffnung der ersten Filiale der liechtensteinischen Fremdenverkehrszentrale war seinerzeit von Gemeindevorsteher Alfons Schädler, Dekan Engelbert Bucher und Malbunbahn-Betriebsleiter (Sesselbahn) Friedrich Beck eine Festschrift verfasst worden, die erstmals auch den Aussenstehenden einigen Einblick gewährte. Ein Jahrbuch jedoch wäre geeignet, dem Raum zu geben, was sich alles von einst bis jetzt über Malbun erzählen liesse … Der rätoromanische Name deutet auf lange Bekanntheit des Tals und wohl auch seine Bewirtschaftung. In einem Erblehensbrief von 1351 überliess der erste Graf von Vaduz Malbun der Gemeinde Schaan-Vaduz als dauerndes Lehen, und in einer Urkunde von 1355 wird ein Teil Malbuns den Triesenbergern als Erblehen überlassen. 1300 bis 1650, so wird berichtet, stöhnten die Talbewohner unter drückender Schuldenlast: Ursachen dafür waren Kriegsein­wirkungen, Brandschatzungen, Überschwemmungen und andere Folgen damals fast gängiger Unbill. Aber da kam den Triesenbergern ihre abgelegene, schwer erreichbare Lage zugute: Sie blieben wenigstens von Krieg (und Überschwemmung) so weit verschont, dass sie es sich leisten konnten, einen Teil Malbuns inklusive Gross-Steg der Gemeinde Schaan-Vaduz abzukaufen. Preis des Handels vom 26. Februar 1652: 760 Gulden. Nicht wenig Geld gerade, aber für ein Grundstück dieser Grösse und Lage heute ein Trinkgeld.

Sehr unkomfortable Lebensumstände

Da Vieh, Landwirtschaft und Jagd einzige Einnahmequellen dessen waren, der im Malbun Land besass, war alles entsprechend praktisch für damalige Verhältnisse eingerichtet. Die Bauern wohnten zum Teil in den «Schärmen», wie man die landwirtschaftlichen Gebäude nannte, in denen sie eine kleinere Sennerei eingerichtet hatten. Das Ganze war allerdings für heutige Begriffe sehr schlicht. Im Juli/August wurde die Heuernte durchgeführt, dann aber kam erst wieder auf Allerheiligen Leben in das Tal, die Wohnstätten wurden bezogen und bis Weihnachten wurde hauptsächlich das Vieh gefüttert und das Holz gerüstet. Und wenn Weihnachten nahte, gebot es der alte Brauch, das Tal zu verlassen, bevor der Heilige Abend herankam, denn, so sagte man, bis zum Frühjahr herrschten die bösen Geister im Malbun.

Malbun

Ein Blick in die Vergangenheit.

Natürlich war vielfach der Schnee ein arges Hindernis für die Rückkehr der Bauern mit ihrem Vieh und Gerät, sodass oft die männliche Bevölkerung Triesenbergs ihre Mitbürger und deren Besitz mit Schaufeln befreien musste. Von der heutigen Asphaltstrasse war noch nicht zu reden: Über den Kulmen/Steg führte der Weg nach Triesenberg.

Das erste Kurhaus bot zuerst nur 20 Gästen eine Herberge

Das alles änderte sich 1888, damals wurde der bis anhin selbstständige Betrieb auf genossenschaftlicher Basis begründet, niemand sollte sich nun noch allein abmühen, eine effektivere Arbeit sollte gewährleistet werden. Das war nicht leicht, wie die Chronisten berichten, führte aber letztlich, auch mit sanftem Druck, zum Ziel. Alp- und Wiesenflächen waren nun getrennt: Der Weg zum Touristenziel war offen. Mit Pferdefuhrwerken wurde über den Kulmen, Sükka und Steg das Material für das erste Kurhaus im Malbuntal herangeschafft, das dann 1909 seine Pforten öffnete – mit 20 Betten! Natürlich nur von Juni bis Oktober, gar zu unwirtlich war ja damals der Winter für den Reisenden, und auch die Geister waren noch am Leben, denn die Leute glaubten noch daran.

Malbun

Was wäre Malbun ohne Gäste der Gastronomie und Hotellerie.

Erst 1934 konnte darangegangen werden, auch im Winter Gäste zu beherbergen: Der Kommerz hatte die Furcht bezwungen. Allerdings war noch immer nicht die Rede vom bequemen «Vorfahren» vor dem Eingang: Vier bis fünf Stunden anstrengenden Fussmarsches von Vaduz aus über Triesenberg waren notwendig, wollte man ins Malbun gelangen. Für die jungen Triesenberger Burschen gab sich so die Gelegenheit zu manchem Nebenverdienst: 40 bis 50 kg Gepäck auf dem Rücken für die Reisenden zu tragen, war eine harte, aber lohnende Arbeit.

Malbun

Malbun - ein Magnet für Wintersportfreunde.

Malbun im Interesse der Wintersportfreunde

1985: Die ersten liechtensteinischen Skirennfahrer trainierten in Malbun, und zum ersten Mal auch nahmen Liechtensteiner Skifahrer an den Olympischen Spielen, in Garmisch, teil. Ein grosses Ereignis für das ganze Land! Die Entwicklung stagnierte, als der 2. Weltkrieg ausbrach; der Touristenstrom, der ja mittlerweile beachtlich geworden war, versiegte. Als aber dann die Strassen Vaduz–Meierhof und Triesenberg–Malbun endlich existierten, ging es wieder aufwärts, auch der Tunnelbau 1945–47 spielte eine grosse Rolle. Auch hier allerdings nur in den schneefreien Monaten, bis internationaler Ruhm 1948 durch die ins Malbun verlegten Frühlingsskirennen den Anfang einer neuen Zeit signalisierte, die Malbun endgültig den Durchbruch zum inter­national beliebten «Touristen­mekka» bescherte: Parkplätze zunächst, dann Stromversorgung für die ersten Häuser 1945 (noch durch eine private AG) und später die auch den Winterreiseverkehr ermöglichende durchgehende Strasse. Der Triesenberger Pfarrer und Heimatforscher, Alt-Dekan Engelbert Bucher, war Ini­tiant eines noch heute als besonderer Anziehungspunkt geltenden Baues, der Friedenskapelle. Im August 1951 wurde sie zum Dank für die Verschonung des Landes vor dem Krieg und seinen Folgen eingeweiht. Als 1956 das Hotel Sareis eröffnet wurde, waren aus den meisten landwirtschaftlichen Gebäuden Ferienhäuser geworden, eine Entwicklung, die im ganzen Alpengebiet auch heute noch nicht vollständig zum Stillstand gekommen ist, wenn sie sich auch naturgemäss stark verlangsamte.

Malbun

Die Friedenskapelle erfreut sich anhaltender Beliebtheit und dient als Ort stiller Einkehr ebenso wie als Hochzeitskapelle.

Vor 60 Jahren war der Dornröschenschlaf vorbei

1959 endlich war es so weit: Die bereits erwähnte durchgehende Strasse ermöglichte die Anfahrt bis ins Malbuntal auch im Winter! Der Dornröschenschlaf war endgültig vorbei. In diesem Zusammenhang darf auch die Erwähnung des ersten Skilifts (Hocheck) nicht fehlen, der im Dezember 1962 auf 1900 m Höhe eingeweiht wurde. Die nun folgende Entwicklung war sprunghaft, es würde zu weit führen, alle Lifte und Hotels aufzuzählen, die mittlerweile hinzugekommen sind. Einige sind bereits wieder verschwunden. Von 1964 bis 1973 stieg die Zahl der Nächtigungen von 6596 auf 42 266. (vv)

 

Blick zurück

Das «Liechtensteiner Vaterland» veröffentlicht in loser Folge Berichte zu historischen Ereignissen und weiteren Besonderheiten in der Geschichte Liechtensteins.

30. Jun 2019 / 06:00
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