In Rütelti wurde mal ordentlich gerodet

Wer mit dem Bus durch das Land fährt, fragt sich bei manchen Haltestellen, wieso sie so heissen, wie sie heissen. In der Serie #näherdran werden einige davon erklärt.
Bushaltestelle  Rütelti Triesenberg

Bushaltestelle Rütelti der Liemobil, Bild aufgenommen in Triesenberg am 21.08.2018 FOTO & COPYRIGHT: DANIEL SCHWENDENER

Wer vom Tal aus mit dem Bus nach Triesenberg fährt, trifft beim zweiten Halt des Bergdorfes auf die Haltestelle «Rütelti» (Betonung  auf dem Ü). Rütelti ist auch der Name des Wohnquartiers bei der Haltestelle. Rütelti ist eine Verkleinerungsform  des Flurnamens Rütti,  heisst es im Buch «Flur und Name. Ausgewählte Deutungen» von Toni Banzer, Herbert Hilbe und Hans Stricker. 

Rütti, das wissen regelmässige Busnutzer, ist auch eine Haltestelle zwischen Triesen und Vaduz. 
Rütti ist ein typischer Flurname, er taucht oft auch als Suffix an oder als Name von Ortschaften wie etwa Rüthi im St. Galler Rheintal oder Rüti im Zürcher Oberland auf. 

Hinweise auf Urbanisierung unserer Vorfahren
Rütti bedeutet Rodung oder Ort, wo gerodet wurde. Das Wort stammt vom Verb reuten. Die Aussprache ist je nach Mundart anders. In Bayern spricht man etwa von Reute. Den Ort Bayreuth kann man also als «Rodung der Bayern» verstehen. 

Trifft man in einem Orts- oder Flurnamen auf Rütti oder einen  ähnlichen Wortlaut, dann deutet das darauf hin, dass an diesem Ort unsere Vorfahren Urbanisierung betrieben haben. 
Um sich dort niederzulassen, hatten sie Bäume gerodet, um Platz für ihre Behausungen zu schaffen. 

Bushaltestelle  Rütelti Triesenberg

Bushaltestelle Rütelti der Liemobil, Bild aufgenommen in Triesenberg am 21.08.2018 FOTO & COPYRIGHT: DANIEL SCHWENDENER

Strassennamen gibt es in Triesenberg erst seit 2010
Rütelti war früher auch die Ortsangabe im Berg, als es noch keine Strassennamen gab. Diese gibt es erst seit 2010. Davor genügte als Postadresse Name, Vorname, Weiler und die Ortsangabe 9495 Triesenberg. So ist die Post jahrelang angekommen, ohne Strassenangabe.

Ausschlaggebend für die Postzustellung war vor 2010 oft auch die alte Hausnummer, die einer fortlaufenden Nummerierung der in Triesenberg erbauten Häuser entsprach. Also wenn das zweitletzt erstellte Haus die Nummer 920 trug, so bekam das nächst erstellte Haus die Nummer 921. Ältere Berger können sich noch heute besser  nach den alten Hausnummern orientieren, als nach den neuen Strassennamen, obwohl die Hausnummern nicht fortlaufend waren. 

Ambulanz nur mit Geleit der Polizei
Für Auswertige waren die fehlenden Strassennamen eine grosse Herausforderung, wenn sie ein Haus im  Berg suchten. Blöd war das, wenn es um Leben oder Tod gegangen ist. So ist die Rettung vom Spital Grabs früher nur nach Triesenberg gefahren, wenn die Polizei der Ambulanz den Weg gezeigt hat, indem sie vorausgefahren ist. Schliesslich ging es dabei um jede Sekunde. 
Die alten Flurnamen finden sich heute teilweise in Strassennamen wieder, zum Beispiel in der Chalberrütistrasse. Auch dort wurde mal gerodet.
(jeb)

 

26. Aug 2018 / 07:31
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