• Der Liechtenstein-Weg beinhaltet in Triesenberg eine der wenigen Bergetappen.  (Mirjam Kaiser)

«Der Weg mit der besten Aussicht»

Vor Kurzem wurde der landesweite Liechtenstein-Weg eröffnet. Im Rahmen der #näherdran-Reihe werden hier die Stationen in Triesenberg skizziert.
Triesenberg. 

Auf dem 75 Kilometer langen Liechtenstein-Weg, der anlässlich des 300-Jahr-Jubiläums realisiert wurde und durch alle Gemeinden führt, können 147 Erlebnisstationen erkundet werden. «Wir haben Orte gesucht, wo man noch etwas sieht, und wo wir etwas über die Geschichte erzählen können», erzählt Martin Knöpfel von Liechtenstein Marketing. Pro Station können in der App «LIstory» (Liechtenstein History) bis zu drei kurze Texte abgerufen werden. «In einem ersten Text wird der Bezug zum Ort hergestellt. In einem zweiten und dritten Text geht es um weiterführende Informationen», ergänzt Historikerin Martina Sochin-D’Elia vom Liechtenstein-Institut, die gemeinsam mit ihrem Kollegen Fabian Frommelt die historischen Informationen zu den einzelnen Stationen erarbeitet hat. Am Ende des Textes werden jeweils weitere Informationsquellen verlinkt, wie beispielsweise das historische Lexikon des Fürstentums Liechtenstein, wo es die Möglichkeit zur Vertiefung gibt. Interessante Punkte können in der App markiert und zu Hause nachgelesen werden. Der Weg ist sowohl für Einheimische als auch für Touristen gedacht. 

Alpwirtschaft, Wilderei und Heimarbeit
Um den «Weg mit der besten Aussicht» zu erreichen, wie Martin Knöpfel es nennt, muss zuerst der steile Aufstieg von Triesen her bewältigt werden. Im Wangerberg erwartet die Wanderfreudigen die erste Station, die sich der Alpwirtschaft und deren Entwicklung widmet. Weiter geht es am Lama- und Alpakahof vorbei Richtung Zentrum. Bei Sütigerwiis steht die Jagd und – damit verbunden – die Wilderei im Zentrum. «Früher jagte vor allem der Adel», so Martin Knöpfel. Der armen Bevölkerung blieb oftmals nur die illegale Jagd. Dass es dabei auch zu tragischen Unfällen kam, zeigt die Geschichte von Josef Schädler, der 1871 beim Wildern von einem Schuss aus dem eigenen Gewehr umgekommen ist. Dem Vitaparcours entlang führt der Weg am sogenannten «Hagsticker-Huus» vorbei, das nach dem Sticker Johann Baptist Schädler benannt ist. Bei dieser Station ist auch ein Film zu sehen, wie die Heimstickermaschinen um 1900 funktionierten. 

0230_Triesenberg_Hagstickerhaus

Die Anfänge des Tourismus
Stellvertretend für die älteren Gasthäuser wird im Zentrum Triesenbergs das Restaurant Edelweiss thematisiert. «Die Anfänge des Tourismus waren im Alpengebiet», sagt Knöpfel dazu. «Ab 1870 gab es mehrere Kurhäuser auf Silum, Masescha, Gaflei, Steg und in Malbun.» Ein wichtiger Meilenstein für den Tourismus war auch die Tatsache, dass Liechtenstein ab 1872 mit der Eisenbahn erreichbar war. Schon wenige Jahrzehnte später, 1898, wurde der Fürstensteig eröffnet, um weitere Touristen anzulocken. In den 1930er-Jahren kamen die ersten Skisportler nach Malbun, von denen in der App ein Video zu sehen ist. Weiter vorangetrieben wurde der Tourismus auch durch die Gründung der ersten lokalen Verkehrsvereine. Viel weiter zurück als der Tourismus reicht die Geschichte der Walser, die beim Walsermuseum auf dem Programm steht. «Dort geht es darum, wie die heutigen Triesenberger im 12. und 13. Jahrhundert vom Wallis eingewandert sind», so Knöpfel. Auch werden dort die Unterschiede zwischen der Berg- und der Talbevölkerung aufgezeigt. Unter anderem können dort Dialektproben in der App abgerufen werden.

Vom Findling und dem Rheingletscher
Noch weiter zurück in die Geschichte geht es beim Triesenberger Findling, der in der «Gruaba» steht. Dieser wurde vor 28 000 Jahren über den Rheingletscher ins Land transportiert und weist ein Volumen von 40 Kubikmetern auf. «Trotz seiner massigen Grösse ist dieser Findling vielen nicht bekannt», so Knöpfel. Bei dieser Station geht es nicht nur um die Landschaft Liechtensteins, die in Bewegung ist, sondern auch um die ersten Siedlungen in erhöhter Lage. Dies war in einer Zeit, in der der Bodensee noch bis nach Vaduz reichte. Weiter führt der Weg über den Rotenboden durch den Erbi-Wald hinauf nach Hinder Profatscheng, dem höchsten Punkt des Liechtenstein-Wegs. «Hinder Profatscheng ist für mich aufgrund der Ruhe und Aussicht einer der schönsten und idyllischsten Orte auf dem Weg», schwärmt Knöpfel. Dort wird erklärt, wie diese Ortschaft parallel zu den Walsersiedlungen entstanden ist. Noch im 18. Jahrhundert hätten dort mehrere Familien gewohnt, im 19. Jahrhundert waren es noch zwei. «Heute stehen die verbliebenen Häuser unter Denkmalschutz.» Durch Profatscheng führt der Weg weiter Richtung Vaduz, wo als letzte Station in Triesenberg auf die Bedeutung des Waldes als Brennholzlieferant, Schutz vor Naturgefahren und heute als Naherholungsgebiet eingegangen wird. 

Rund 500 Richtungsweiser auf elf Routen
Bereits Anfang Jahr wurden die rund 500 Richtungsweiser auf den elf Streckenabschnitten angebracht. Informationstafeln wird es auf dem ganzen Weg keine geben. «Eine App ist das ideale Medium, um das Thema Geschichte unterwegs auf dem Liechtenstein-Weg spannend zu vermitteln. Wir nutzen dabei 
gezielt Sensoren, GPS, Kamera und Audio-Funktionen», erklärt Knöpfel. Die App habe den Vorteil, dass man sich die Texte nicht nur anhören kann, sondern dass die Stationen auch laufend aktualisiert werden können. Viele Anknüpfungspunkte würden bis in die Gegenwart reichen, wodurch sich die Informationen verändern könnten. «Der Weg soll etwas sein, das es auch in fünf und mehr Jahren noch gibt.» Wenn jemand kein Smartphone hat, kann die App im Liechtenstein-Center in Vaduz getestet werden. Und es sollen auch Führungen auf dem Weg angeboten werden. (mk)

Die App «LIstory» kann im App-Store oder im Google-Play-Store kostenlos heruntergeladen werden. Eine Panorama-Karte des Liechtenstein-Wegs ist beim Liechtenstein-Center erhältlich. 

27. Jun 2019 / 11:10
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