• Freddy Bühler und Katja Rüdisühli, Triesenberg
    Fredy Bühler und Katja Rüdisühli vom Landwirtschaftsbetrieb «Fuchsegga» stellen für ihren virtuellen Hofladen eigene Produkte her.  (Tatjana Schnalzger)

«Das Lammfleisch wird mehr geschätzt»

Die Landwirte setzen immer mehr auf Direktvermarktung. Auch Fredy Bühler und Katja Rüdisühli vom Schafbetrieb Fuchsegga in Triesenberg verkaufen ihre Fleisch- und Wollprodukte über einen virtuellen Hofladen im Internet.

Versteckt an einem steilen Hang in Triesenberg liegt der Bio-Landwirtschaftsbetrieb «Fuchsegga» von Schafbauer Fredy Bühler. 115 Mutterschafe, rund 25 Lämmer, drei Schafböcke, drei Geissen, acht Esel und drei Kühe leben auf dem Hof. Der Mutterschafbetrieb setzt auf die Fleischproduktion – seit Dezember 2017 mit Direktvermarktung über das Internet. «Wir sind über den Start positiv überrascht. Die Direktvermarktung macht bereits nach dieser kurzen Zeit zehn Prozent des Umsatzes aus», sagt Fredy Bühler, der schon länger mit dem Gedanken einer Direktvermarktung spielte. 

Doch erst als seine Partnerin Katja Rüdisühli aus Triesen in sein Leben trat, wagte er diesen Schritt. «Katja gab den Impuls und ist die Drahtzieherin unseres virtuellen Hofladens.» Die Fleisch- und weitere Produkte werden über eine Internetseite angeboten, welche Katja selbst aufgebaut hat. Für einen richtigen Hofladen sei die Lage des Betriebs wegen der schweren Zufahrt nicht ideal. «Aber es wäre auf jeden Fall einen Traum von uns. Vielleicht ergibt sich in Zukunft eine andere Möglichkeit einen Hofladen zu errichten», sagt Katja Rüdisühli.

Vom Grossvater alles über die Schafhaltung gelernt

«Fuchsegga – natürlich urchig» ist der Werbespruch des Betriebs. Auch wenn der Betrieb mit der Zeit geht, ist vieles mit Tradition verbunden. 1970 wurde der Betrieb von Eduard Bühler gegründet und lange Jahre als Nebenerwerb geführt. Schon als Kind half Fredy Bühler seinem Grossvater fleissig mit. Er lernte alles über die Schafhaltung. Trotzdem entschied er sich für den Spenglerberuf. 2002 übernahm der junge Triesenberger den Betrieb und führte ihn vier Jahre als Nebenerwerb. Der Schafbetrieb wuchs stetig und 2006 stieg Fredy Bühler voll in die Landwirtschaft ein. Vor kurzem liess er den Betrieb biozertifizieren. «Die finanzielle Unterstützung ist besser. Und mein Betrieb entsprach vorher schon den Richtlinien, so dass ich eigentlich nichts ändern musste», begründet er diesen Schritt. 

Den Schritt in die Selbstständigkeit hat er nie bereut, auch wenn die Landwirtschaft, gerade im Berggebiet, kein einfaches Pflaster ist. Insgesamt 33 Hektare von Malbun bis in die unterste Ecke Triesenbergs hat er zu bewirtschaften. Für das aufwändige Heuen im steilen Gelände ist er auf Helfer angewiesen – denn vieles muss von Hand gemacht werden. 

Trotz der harten Arbeit weiss Freddy Bühler: «Auch als Landwirt muss man man innovativ sein». Traditionelles müsse auch mit Neuem verbunden werden. Die Vision von der Direktvermarktung übers Internet hat er mit der Hilfe von Katja nun umgesetzt. Eis kann ein halbes oder ein ganzes Lamm bestellt werden, welches als Mischpaket geliefert wird. Damit wird auch das ganze Fleisch verwertet. Auch Eselfleisch können die Kunden ab Januar bestellen. «Natürlich ist es aus wirtschaftlicher Sicht interessant, aber hauptsächlich geht es uns darum, dass die Menschen das Fleisch wieder mehr schätzen, wenn sie wissen, von wo es kommt.» 

Bilder über das Hofleben auf den sozialen Medien

Aus diesem Grund ist «Fuchsegga» auch in den sozialen Medien wie Facebook und Instagram präsent. Hier werden aber nicht die Produkte angepriesen, sondern vom Leben auf dem Hof berichtet – mit vielen Bildern von den Tieren und dem Betrieb. Die Kunden sollen wissen, wie die Schafe, Esel und Co. leben. 
So wissen die User beispielsweise, dass die Schafe die Sommerzeit in Malbun verbringen dürfen. «Für die Tiere ist es angenehmer, bei der Sommerhitze in hohen Lagen sein zu dürfen», so der Landwirt.

Gesundheitskissen und «Bärger Bettdecki»

Ideenreich zeigen sich Fredy und Katja auch bei der Produktepalette. Neben Lammfleisch und Mostbröckli können auch Wollprodukte wie ein mit Schafwolle gefülltes Kissen, das die Wundheilung unterstützt oder Linderung bei Bronchitis, Gelenkschmerzen, Verspannungen, Rheuma, Magen-Darm-Beschwerden sowie Hals- Ohren- oder Rückenschmerzen bringen soll. Denn die Schafwolle sorgt für eine bessere Durchblutung der Haut und hat eine lindernde Wirkung. Sie enthält Wollwachs, sogenanntes Lanolin, welche die Tiere vor Kälte und Feuchtigkeit schützt. Die individuellen Kissenüberzüge werden von Katjas Mutter genäht. 
Das neuste Produkt im digitalen Hofladen ist die «original Bärger Bettdecki», welche zusammen mit dem Lama- und Alpakahof Triesenberg produziert wird. Die Schaf- und Lamawolle kühlt im Sommer und wärmt im Winter. «Wir haben viele positive Rückmeldungen zur Bettdecke und bereits einige Bestellungen», sagt Katja Rüdisühli.

Fehlender Kundenkontakt auf Märkten kompensieren

Ein Nachteil des virtuellen Hofladens ist der fehlende Kundenkontakt. Aus diesem Grund war «Fuchsegga» dreimal am Wochenmarkt in Balzers vertreten. «Das ist eine gute Möglichkeit, eine andere Zielgruppe anzusprechen, Menschen, die kein Internet haben», sagt sie. Aus diesem Grund will sie nächstes Jahr noch an anderen Wochenmärkten die Fuchsegga-Produkte anbieten.
Durch Gespräche am Markt gibt es auch neue Ideen. Als eine Frau nach einer Seife aus Schafmilch fragte, hat sich die Triesnerin gleich informiert. Sie fand eine Manufaktur aus Arosa, die Seife aus Kräuter und Schafmilch herstellt und erweiterte die Produktpalette. «Das Ziel ist, eine eigene Seife herstellen zu können. Aber dies ist nicht so einfach, da wir keine Milchschafe haben», sagt sie.
Doch auch dafür werden Fredy Bühler und Katja Rüdisühli eine Lösung finden und die eigenproduzierte Schafmilchseife im virtuellen Hofladen anbieten – oder wer weiss, in Zukunft vielleicht sogar im eigenen realen Hofladen. (manu)

 

17. Aug 2018 / 21:35
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