• Leander Schädler in Triesenberg
    Rückblick: In Liechtenstein und besonders in Triesenberg hatte die Wilderei eine grosse Bedeutung.  (Daniel Schwendener)

«Aus Not und Leidenschaft nachgestellt»

Leander Schädler führt seit einigen Jahren Wanderungen in Triesenberg durch, die zu den Spuren der Wilderei führen. In der Person des «Färdi» erzählt er lustige Anekdoten und historisch belegte Geschichten über tragische Jagdunfälle.
Geschichte. 

Im Walsermuseum in Triesenberg findet das Gespräch mit dessen Leiter Leander Schädler statt. Die Sommerhitze ist bereits um 8 Uhr morgens deutlich spürbar. Er habe danach einen weiteren Interviewtermin mit dem ORF für die Dokumentationsreihe «Land der Berge», erklärt Schädler. In der Sendung werden Menschen, die in den Bergen zu Hause sind, porträtiert. Sein Wissen ist gefragt – denn Geschichten aus längst vergangenen Zeiten zu erzählen, das gehört zu Leander Schädlers Leidenschaft.

Berühmter Wilderer und Schmuggler
Alles begann mit Ferdinand «Färdi» Sele. Er wurde am 11. Mai 1829 geboren und starb im Alter von 91 Jahren. «Er gilt als der berühmteste Wilderer», erklärt Schädler. Geschmuggelt habe Färdi ebenfalls und gehört zu der Familie von Schädlers Ehefrau. Somit ist er der Urgrossvater seines Schwiegervaters. «Ganz ehrlich, als ich vor dem Traualtar meiner Frau das Jawort gab, wusste ich noch nichts über ihre Familiengeschichte», so Schädler mit einem Lächeln.

Ferdinand Sele war als Landwirt und Metzger tätig – gewohnt hat er in Triesenberg im Weiler Rotenboden. Die Jagd hat den charismatischen und besonnenen Bärger schon von klein auf fasziniert. Fleisch gab es dazumal bei den einfachen Familien nur sehr selten, so war es weit verbreitet, sich in Gruppen im dazumal noch unerschlossenen Berggebiet Triesenbergs aufzumachen, um zu jagen und den hungernden Familien eine gute Mahlzeit zu bescheren. «Teilweise aus Not und teils aus Leidenschaft wurde dem Wild nachgestellt», erzählt Schädler. Von seinem Schwiegervater erfuhr er Geschichten rund um Färdis Person, die ihn aber ein wenig stutzig machten. «Einige Anekdoten ergaben in meinen Augen wenig Sinn. Deswegen recherchierte ich, um herauszufinden, was wirklich hinter den Geschichten steckt.» Daraus sind heute geführte Wanderungen entstanden, die Leander Schädler Interessierten anbietet. Dabei erzählt er die Geschichten als «Färdi» und bringt die Zuhörer auch an einen Unglücksort.

Ein Warnschuss mit tödlichen Folgen
Auf dem Bargällasattel unter dem Alpspitz steht ein Gedenkstein am Wanderweg. «Hier wurde am 14. Oktober 1874 der Wildschütz Xaver Beck von Triesenberg im Alter von 24 Jahren erschossen», steht in Messing graviert. «Bei diesem Unglück war Färdi Sele dabei. Er war der Begleiter des noch jungen Xaver.» Da Färdi sein Jagdhandwerk verstand, suchten sich junge Bärger Männer Rat und Führung beim erfahrenen Bergmann, der schon vielfach wegen Wilderei verurteilt worden war. So auch Xaver Beck. In den frühen Morgenstunden machten sich die beiden auf die Suche nach Wild. Erfolgreich: Sie erlegten zwei Gämsen. Der damalige Jagdaufseher habe sie beim Wildern entdeckt und wollte ihnen eine Lektion erteilen. Er versteckte sich und wartete ab. «Halt, ihr Spitzbuben», soll der Jagdaufseher gerufen haben, als die Jäger sich seinem Versteck näherten. «Natürlich erschraken sie fast zu Tode, warfen ihre Beute auf den Boden und rannten davon. Dabei wurde ein Schuss vom Jagdaufseher abgegeben. Dies endete für Xaver Beck tödlich.» Der ebenfalls noch junge Jagdaufseher beteuerte seine Unschuld und gab an, dass er nur einen Warnschuss abfeuern wollte. Trotzdem erhielt er eine Haftstrafe.

Polizeieinsatz im Walsermuseum
Eine solche waschechte Wilderer-Waffe gibt es im Walsermuseum zu betrachten. Diese darf aber die Räumlichkeiten des Museums nicht verlassen. Vor zwei Jahren sorgte sie nämlich für eine Schlagzeile. Eine Meldung wegen illegaler Waffen hatte die Landespolizei dazu veranlasst, dem Walsermuseum in Triesenberg einen Besuch abzustatten. Mittlerweile ist der Fall geklärt und das Gewehr ist ordnungsgemäss registriert. (nm)

28. Jun 2019 / 10:26
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