• Petra Büchel, Triesen
    «Die Gemeinde hat sich dafür entschieden, die Sammlung professionell aufzuarbeiten», sagt Petra Büchel.  (Tatjana Schnalzger)

«Zeigen, welche Wurzeln wir haben»

Petra Büchel, Leiterin des «Gasometers», spricht im Interview über die Bedeutung der Triesner Kulturgütersammlung im 21. Jahrhundert.

Frau Büchel, was verstehen Sie unter dem Begriff «Kulturgütersammlung»?
Petra Büchel: Sie bezeichnet eine Sammlung historischer Gegenstände. In unseren Dörfern und Gemeinden hat es in den letzten sechzig Jahren viele engagierte Bürgerinnen und Bürger gegeben, die «alte» Objekte gesammelt haben. Der Begriff «alt» ist jedoch als relativ aufzufassen. 

Und was ist der Unterschied zu einem Museum?
Ein Museum hat für gewöhnlich eine eigene Sammlung, die sich sozusagen im Hintergrund befindet. Wäre das nicht der Fall, sprächen wir von einer Ausstellungs- oder Kunsthalle. Die Ausstellungsobjekte sind gemeinhin Teil einer Sammlung. Im Gasometer fanden in den vergangenen Jahren beispielsweise mehrere Ausstellungen statt, an denen Objekte der Triesner Kulturgütersammlung gezeigt wurden. 

Wo befindet sich die Triesner Kulturgütersammlung? 
Die historischen Gegenstände werden aktuell an sieben unterschiedlichen Orten in Triesen gelagert. In den vergangenen Jahrzehnten haben wir immer wieder nach Möglichkeiten gesucht, die Kulturgüter zusammenzuführen. Für die Zukunft ist geplant, dass die Sammlung – sobald sie archiviert und katalogisiert wurde – an einem guten Ort aufbewahrt wird. Dort ist sie dann vor Wettereinflüssen, Schimmel oder gar Zerfall geschützt. 

Teile der Sammlung leiden also unter den gegenwärtigen Bedingungen. 
Nein, aber es gibt einige fachliche Voraussetzungen für Kulturgüter-Lagerräume wie zum Beispiel ein gutes Raumklima. In den vergangenen Jahren haben wir einige Sicherungsarbeiten durchgeführt. Wir haben die Gegenstände observiert und darauf geachtet, dass sie zum Beispiel nicht von Ungeziefer befallen sind. Der Bestand wird in regelmässigen Abständen kontrolliert, aber gewisse Grenzen sind uns einfach noch gesetzt. 

Findet Ihr Anliegen in der Gemeinde Gehör?
Ja, in den letzten drei Jahren wurden in Triesen beachtliche Fortschritte erzielt. Auch der Gemeinderat hat sich dafür entschieden, die Sammlung professionell aufzuarbeiten. Sie ist somit gesichert. Nach und nach zeigt sich, wie viel Platz für die Kulturgüter effektiv benötigt wird. Zuerst müssen wir aber die Dokumentation der Güter fertigstellen: Aufnahme, Herkunftsbestimmung, Fotos, Beschriftung und letztlich auch die Digitalisierung. 

Wie wichtig ist eine Kulturgütersammlung? 
Eine Kulturgütersammlung kann zum einen einen Bildungsauftrag für die Jugend abdecken. Andererseits lernen auch wir Erwachsene etwas dazu. Die Sammlung zeigt uns, woher wir kommen. Und ganz besonders in unserem Land, das sich sehr schnell entwickelt hat, ist es wichtig, von Zeit zu Zeit innezuhalten und eine Rückschau vorzunehmen. Damit kann man der Zukunft mit einem ganz neuen Bewusstsein entgegentreten. 

Welche Besonderheiten beinhaltet die Triesner Sammlung?
Ein Gros der Gegenstände lässt sich in die Rubrik «Haus und Hof» einordnen. Damit ist unsere bäuerliche Vergangenheit , in Triesen z. B. die Heuberge sowie das Handwerk, gemeint. Andere Güter entstammen der Triesner Fabriksvergangenheit. Die ältesten und wertvollsten Gegenstände gehören einem kirchlichen Kontext an, kommen aus ehemaligen Kapellen oder der alten Triesner Kirche, die 1834 abgebrochen wurde. Wir haben auch eine Sammlung von Ölgemälden, die wertvoll ist. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass wir Gegenstände besitzen, die sich teilweise bis zum Mittelalter zurückdatieren lassen. Viele Untersuchungen stehen aber noch aus. Interessant finde ich auch eine Büchersammlung des 
Lesevereins Triesen, der im 19. Jahrhundert aktiv war. Eines dieser Bücher stammt aus dem Jahr 1782. 

Was ist das für ein Werk?
Das Buch handelt von Heiligen und Seligen des Bistums Passau. 

Wann hat man in Triesen damit begonnen, Kulturgüter zusammenzutragen?
Das war in den 1960er-Jahren. 

Welche Kriterien müssen die Gegenstände für die Aufnahme in die Sammlung erfüllen, damit nun nicht jeder seinen «Dachboden» entrümpelt? 
Die Kriterien haben sich über die Jahre gewandelt. Jede Gemeinde legt andere Massstäbe zugrunde. Auch wir haben in den vergangenen Jahren versucht, Schwerpunkte zu setzen: Wir wollen in erster Linie die Dorfgeschichte abbilden, das behalten, was die Gemeinde Triesen auszeichnet. Jeder Gegenstand, der aufgenommen wird, muss eine eigene Geschichte aufweisen. Ein Dorf wie Triesen sollte eben dorf-spezifische Gegenstände sammeln und diese der Öffentlichkeit zugänglich machen. 

Welcher der Gegenstände bedeutet Ihnen am meisten?
Die Altarbilder von Johannes Hugentobler, einem Schweizer Maler des frühen 20. Jahrhunderts, faszinieren mich. Es fällt mir aber schwer, mich auf einige wenige Objekte festlegen zu müssen. Die Sammlung stellt für mich insgesamt eine Herzensangelegenheit dar. Ich bin Kulturvermittlerin, es gefällt mir, anderen– vor allem der jüngeren Generation gegenüber – aufzuzeigen, welche Wurzeln wir besitzen, woher wir stammen. 

Wie viele Gegenstände befinden sich in der Sammlung? 
Es dürften mehr als 14 000 Gegenstände sein. 

Besteht die Gefahr, dass eine solche Sammlung irgendwann ausufert? 
Eine Sammlung lebt davon, dass sie wächst. Wir müssen aber schon überlegen, wie wir damit umgehen. Man muss sorgfältig sammeln, nicht alles unkoordiniert aufnehmen. Das wäre kaum die Idee einer Dorfsammlung. 

Wie sind grundsätzlich die Besitzverhältnisse bei den Objekten geregelt?
Die Triesner Sammlung beinhaltet vor allem Schenkungen, die dadurch in den Besitz der Gemeinde gelangten. Daneben gibt es vereinzelt noch Leihgaben. Wir möchten in Zukunft diese Leihgaben jedoch entweder zurückgeben oder sie in Schenkungen umwandeln. 

Das hört sich nach einigen Projekten für die Zukunft an. 
Ja, so ist es.

Kulturgütersammlung in Triesen

Die Kulturgütersammlung in Triesen

 

Kulturgütersammlung in Triesen

Die Kulturgütersammlung in Triesen

Interview: Reto Mündle

14. Sep 2019 / 11:00
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