• Kapuziner AG in Triesen
    André Kindle und Sohn Benjamin im Herzstück der «Kapuziner»-Produktionsstätte  (Daniel Schwendener)

Kulinarische Grüsse vom «Kapuziner»

Mit seinen herzhaften Saucen sorgt das Triesner Ehepaar André und Beatrice Kindle weit über Liechtenstein hinaus für Furore.

Einst teilten Verwandtschaften vielfach nicht nur einen Nach- sondern auch einen Hausnamen, der sie nach aussen hin als eine Sippe kennzeichnete. Heute sind die gerne mal etwas unkonventionell daherkommenden Titulierungen kaum noch gebräuchlich. André Kindle – ein gebürtiger «Kapaziner» wie es auf gut Alttriesnerisch heisst – hat sich der seinen jedoch erinnert. Was die Produktionsstätte der Kindle Gschwend AG verlässt, trägt die Aufschrift «Kapuziner». «Ich wollte schlichtweg nicht, dass dieser Name, den uns Urgrossvater Ferdinand Kindle hinterlassen hat, in Vergessenheit gerät», erklärt er.

Das Label ist indes nicht nur eine Ehrerbietung gegenüber den eigenen familiären Wurzeln. Es soll zugleich die Essenz  der Unternehmensphilosophie transportieren: traditionell, bodenständig, hausgemacht. Ob Dips, Salatsaucen oder die nur im Winter erhältlichen Knödel: «Wir arbeiten ohne Konservierungsmittel und Geschmacksverstärker. Unsere Produkte sollen so sein, als hätte sie der Kunde gerade selbst zu Hause zubereitet», so Kindle.

Erste Experimente im Lager des Gemüseladens

Mit diesem Anspruch unternahm der heute 58-Jährige 1998 seine ersten Gehversuche als «Saucenzauberer». Nach und nach mutierte das Lager des Steinhauer Gemüseladens in Triesen, den er damals zusätzlich zum Vaduzer Gemüseladen Walser betrieb, zur Experimentierküche. «Es hat mich einfach gereizt, Zutaten miteinander zu kombinieren, zu pröbeln», erinnert er sich. Am Ende eines kontinuierlichen Verfeinerungsprozesses standen schliesslich seine ersten drei Produkte, die noch heute ihren festen Platz im Sortiment haben: Kräuter-, Knoblauch- und Tartarsauce.

Schnell zeigte sich, dass das Trio nicht nur seinen persönlichen Geschmack traf. «Als ich die Produkte in den Gemüseläden anbot, merkte ich, dass sich das ja richtig gut verkaufen lässt», erzählt Kindle mit einem Schmunzeln. Die logische Konsequenz daraus war die konsequente Fortführung seiner Alchemisten-Pläne, die den Gemüsehändler André Kindle zusehends in periphere Alltagsregionen zurückdrängten – bis sich der «Kapaziner» und seine Ehefrau Beatrice letztlich entschieden, ganz auf die Saucen-Karte zu setzen.

Verkaufsstellen werden direkt beliefert

Manifestiert hat sich dieser Schritt unter anderem im Bezug einer Gewerbelokalität im Triesner Industriegebiet im Jahr 2005. Jedes einzelne Produkt aus dem schrittweise erweiterten Sortiment wird seither dort hergestellt – anfänglich noch vornehmlich durch das Ehepaar selbst, heute je nach Bedarf unter Mithilfe von bis zu fünf Teilzeitarbeiterinnen. Ausserdem greift Sohn Benjamin, eines von insgesamt vier Kindern, seinen Eltern unter die Arme, wann immer es sein Studium zulässt. «Wir hoffen natürlich, dass er unser Unternehmen irgendwann übernehmen wird», sagt Beatrice Kindle. Noch sei das aber völlig offen.

Wenn er sich dereinst entscheiden wird, soll der Sohnemann dies auf einer entsprechenden Grundlage tun können. Deshalb beschränkt sich sein Einsatzgebiet auch nicht auf die Saucenküche. Er soll Einblick in sämtliche Bereiche erhalten. Benötigt werden seine Dienste gegenwärtig allerdings zuvorderst als Fahrer, wie Vater André sagt. Die Kindle Gschwend AG verzichtet auf Zwischenhändler. Jede einzelne Verkaufsstelle wird persönlich beliefert. «Ausserdem bewirtschaften wir die Verkaufsregale selbst. So können wir unsere Lieferungen ganz gezielt auf den Bedarf vor Ort abstimmen.» Das alles geht mit einem hohen Zeitaufwand einher – zumal sich der Kundenkreis, darunter viele Metzgereien, mit den Jahren ständig erweitert hat und heute von Lenzerheide bis nach Uster reicht. «Einige von ihnen», berichtet Kindle, «kamen sogar von sich aus zu uns und fragten, ob sie unsere Produkte verkaufen könnten.»

«Selbstständig bedeutet ‹selbst› und ‹ständig›»

An sechs Tagen pro Woche ist das «Kapuziner»-Auto unterwegs. Die Routen sind dabei so konzipiert, dass jede Verkaufsstelle mindestens einmal angefahren wird. Auch die Produktion läuft an sechs Wochentagen, meist von morgens bis abends. «In der Weihnachtszeit, unserer Hochsaison, produzieren wir sogar drei Wochen lang rund um die Uhr», so André Kindle. Anders könnte das kleine Unternehmen der grossen Nachfrage nicht gerecht werden. Kein Wunder, hat Sohn Benjamin angesichts solcher Pensen die wohl wichtigste Lektion in Sachen Unternehmertum bereits verinnerlicht: «Selbstständig bedeutet ‹selbst› und ‹ständig›.»

Weit weg vom Vergessenwerden

Nach diesem Grundsatz will das Ehepaar Kindle auch in Zukunft handeln – so kräftezehrend das sein mag. «Rundum zufrieden sein darf man nie», sagt André Kindle. Klar sei er froh um jeden einzelnen Kunden, den sein Unternehmen habe. Aber das Ziel sei definitiv, den Kundenstamm sukzessive weiter zu vergrössern. «Und zwar durch Qualität», wie er nachschiebt.

Dann, so hofft Kindle, werden auch die Geschäftszahlen weiterhin stimmen. Preisgeben will er diese zwar nicht, der Umsatz, verrät er aber immerhin, sei bislang in jedem Jahr gestiegen. Und mit ihm selbstredend auch der Bekanntheitsgrad seiner Produkte. In Vergessenheit geraten, so viel ist sicher, wird der «Kapuziner» noch lange nicht. Urgrossvater Ferdinand Kindle dürfte daran seine Freude haben. (bo)

10. Sep 2019 / 20:55
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