•  (Tatjana Schnalzger)

Humbi-Haus: Seit 23 Jahren ungenutzt

Das Schicksal des Humbi-Hauses an der Landstrasse 271 in Triesen ist seit Jahrzehnten ungewiss. Die Gemeinde schweigt zum Thema.

Das alte, vernachlässigte Bauernhaus an der Landstrasse 271 in Triesen dürfte vielen beim Vorbeifahren schon aufgefallen sein. Das sogenannte Humbi-Haus oder auch Banzer-Haus wurde 1846 an der damals erst kürzlich entstandenen Hauptstrasse in Triesen errichtet. Damals ein Beispiel fürs moderne Bauen im klassizistischen Stil, verfällt das schon seit zwei Jahrzehnten leer stehende Haus heute immer mehr und wartet auf sein endgültiges Todesurteil. 

Die Hofstätte ist seit 1996 unbewohnt
Das Humbi-Haus unterhalb des Spoerry-Areals ist schon seit 23 Jahren unbewohnt. Zuletzt wohnten darin die Geschwister Irene und Adolf (Humbi) Banzer, die beide keine Kinder hatten. Fünf Jahre nach deren Tod, im Jahr 2001, ging das Haus in Besitz der Gemeinde Triesen. Die Gemein­de hatte das Anwesen damals gekauft, um «das Areal der Alten Weberei sinnvoll zu arrondieren», wie es im Gemeindeblatt von April 2001 heisst. Im Juli desselben Jahres beschloss der Gemeinderat, das alte Bauernhaus abzubrechen, damit man eine Verbindung zwischen der 1985 erworbenen Spoerry-Fabrik und der Landstrasse herstellen könne. Zwei Monate später fertigen die Winterthurer Bauanalytiker Peter und Helen Albertin-Eicher ein ­baugeschichtliches Gutachten, welches die nationale Bedeutung der Hofstätte hervorhob, und laut Patrik Birrer, Leiter für Denkmalpflege beim Amt für Kultur, bestimmt dazu beitrug, den Abbruchbeschluss abzulehnen und die Unterschutzstellung einzuleiten.

Denkmalschutzwürdigkeit bereits festgestellt
Im Gutachten informieren die Denkmalforscher, dass das Anwesen zu den ersten klassizistischen Doppelwohnhäusern in Liechtenstein gehört. Sie befanden das Haus an der Landstrasse 271 in Triesen für denkmalschutzwürdig, da es das einzige Haus dieser Art in Triesen ist. Im Vergleich zu den anderen Häusern dieses Stils, vereint nur das Haus in Triesen Wohnhaus und Stall unter einem gemeinsamen Walmdach. Zudem ist es raumstrukturell weitgehend original erhalten. Die Aussenfassade ist in ihrer einheitlichen Gestaltung von 1846 erhalten und auch die ursprüngliche Innenausstattung besteht zum Teil noch. Ausserdem befindet es sich «an der ‹neuen› Hauptstrasse, also an bewusst auf Repräsentation und effizienter Bewirtschaftung gewählter exponierter Stelle».

Trotz Schutzwürdigkeit nicht geschützt
Die Schutzwürdigkeit eines Hauses bewahrt es aber noch lange nicht vor einem Abriss: «Es gibt nach wie vor schutzwürdige Bauten, die von der Bildfläche verschwinden. Trotz Schutzwürdigkeit kann der Eigentümer über das Schicksal des Hauses verfügen», erklärt Dr. Marcus Büchel, Vorstandsmitglied des Vereines Pro s’Hagen-Huus z’Nendla. Obwohl die Gemeinde Triesen im Gemeindeblatt vom Januar 2002 verkündete, dass die Erhaltung des Humbi-Hauses aufgrund seiner wichtigen «Einordnung in die Geschichte Liechtensteins und in die Geschichte der Architektur» überlegenswert sei, wurde der Abriss damals nur «sistiert». 

Zukunft des Hauses bleibt vorläufig ungewiss
Es ist nach wie vor möglich, dass auch das alte Segerhaus in Triesen von der Bildfläche verschwindet und somit dem Schicksal vieler alter Häuser in Liechtenstein folgt, dessen Sanierung kostenintensiver als die Vernichtung war. Vorläufig bleibt das Projekt Humbi-Haus aber schwebend. Die Gemein­de Triesen will dazu keine Stellungnahme abgeben, wie Kommunikationsleiter Peter Kindle festhält: «Zu einem späteren Zeitpunkt wird die Gemeinde allenfalls über einen Entscheid informieren.»

Der Aufwand einer Instandsetzung hängt laut Birrer dabei von der Intensität der konkre­ten Nutzung ab. Die Denkmalpflege werde sich auch in Zukunft für den Erhalt des bedeutenden Kulturguts einsetzen und kommenden Herbst erneut mit der Gemeinde in Kontakt treten. «Mit dem entsprechenden Willen und den hohen finanziellen Beiträgen, welche der Staat bei geschützten Kulturgütern beitragen kann, lässt sich auf jeden Fall ein tragbares Projekt umsetzen, welches der Gemeinde zu einem Mehrwert verhelfen kann.» 

Architekturreihe «Seger-Haus»

Das Banzer-Haus in Triesen ist eines der sogenannten «Seger-Häuser» in Liechtenstein. Alle Häuser in diesem Stil heissen in Liechtenstein so, da der Vaduzer Baumeister Joseph Anton Seger diesen Bautyp hierherbrachte. Die im klassizistischen Baustil errichteten «Seger-Häuser» wiesen, verglichen mit den traditionellen, seit dem Spätmittelalter vorherrschenden Bauernhäusern, eine neuartige und moderne architektonische Grundrissstruktur auf. Diese zeichnet sich durch eine symmetrische Gliederung und durch den Gebrauch von geometrischen Formen aus. Da sie für mehrere Familien gedacht waren, können sie als Vorgänger der heutigen Mehrfamilienhäuser gesehen werden. In Liechtenstein gab es neben dem Humbi-Haus vier weitere Häuser dieses besonderen Haustyps: Ein bereits abgerissenes Haus im Heiligkreuz in Vaduz, das Gubser-Haus in Vaduz, das Seger-Haus in Schaan und das Hagen-Haus in Nendeln – allesamt an der Hauptstrasse. Sowohl das Gubser-Haus als auch das Hagen-Haus sind beide unter Schutz gestellt. Der Verein Pro s’Hagen-Huus z’Nendla setzt sich für Renovation bzw. Restaura­tion des Seger-Hauses in Nendeln ein. Die Exemplare in Schaan und Triesen sind jedoch nicht geschützt. (ank)

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