• Hochwasser in Liechtenstein
    Hochwasser in Liechtenstein, Bild aufgenommen beim Kanal in Triesen am 16.06.2016 - Unwetter, Hochwasser, Fluss, Bach, Überschwemmung, Regen, Pegel, Hochwasserpegel FOTO©RIGHT: DANIEL SCHWENDENER  (Daniel Schwendener)

Triesen ist die «Geburtsstätte» der Wasserwehr

Mit 15 Mitgliedern hat Triesen die grösste Wasserwehr des Landes. Und sie übernimmt im Hochwasserschutz auch eine zentrale Rolle.

Triesen kommt bezüglich der Hochwasserbewirtschaftung eine landesweite Bedeutung zu.  Denn dort befindet sich der einzig aktiv steuerbare Retentionsraum des Landes. «Dies bedeutet, dass der Zufluss aus der 
Lawena- und Badtobelrüfe gedrosselt werden kann, sobald der Abfluss im Binnenkanal eine kritische Marke übersteigt. Damit kann dank der Retentionsanlage Säga gewährleistet werden, dass mindestens 100-jährliche Hochwasserereignisse schadlos durch die Gemeinde Triesen selbst wie auch durch die unterliegenden Gemeinden abgeleitet werden können», weiss Stephan Wohlwend, stv. Leiter des Amtes für Bevölkerungsschutz. Damit trage die Gemeinde Triesen wesentlich zur Hochwassersicherheit der Unterlieger bei. Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Wasserwehr nicht nur in Triesen «geboren» wurde, sondern mit 15 Mann auch die grösste des Landes ist.  

Nach Unwetter 2005 nach Lösungen gesucht

Entscheidend beteiligt am Aufbau der Wasserwehren des Landes war Triesens Förster und Rüfemeister Martin Tschol. Bereits nach den Pfingstunwettern im Jahr 1999 hat er damit begonnen, erste Pläne zu erstellen, um für den Notfall besser gerüstet zu sein. Wie wertvoll diese Arbeit war, hat sich dann bereits im Jahr 2005 gezeigt, als starke Regenfälle die Rüfemeister des Landes sowie das Amt für Bevölkerungsschutz und zahlreiche Helfer zwei Tage lang auf Trab gehalten haben. Nach diesem Ereignis wurde schliesslich vertieft nach geeigneten Lösungen gesucht – es entstand die Idee, eine Wasserwehr aufzubauen. Das Amt für Bevölkerungsschutz hat schliesslich die Federführung übernommen und mit der Gemeinde Triesen die ersten Grundlagen ausgearbeitet: Es wurden sämtliche Rüfen und Binnenkanalabschnitte 
detailliert überprüft und die neuralgischen Punkte in einer Gefahrenkarte festgehalten. Ausserdem wurde ein Massnahmenplan mit drei Bereitschaftsgraden erstellt, von dem nun alle elf Gemeinden des Landes profitieren können. Anhand einer Checkliste wissen sie genau, was in welchem Fall zu tun ist.

Balzers und Triesen entscheidend

Dass sich das Amt für die Grundlagenerarbeitung an die Triesner gewandt hat, liegt zum einen sicher im Wissen, dass Rüfemeister Martin Tschol mit seiner grossen Erfahrung 
im Bereich des Hochwasserschutzes einen wichtigen Beitrag leisten kann. Zum anderen aber eben auch daran, dass Triesen die Gemeinde mit dem empfindlichsten Gewässersystem ist und, wie bereits erwähnt, über das grösste steuerbare Retentionsbecken verfügt, mithilfe dessen grosse Wassermassen dosiert, gedrosselt und zurückgehalten werden. Dieses künstlich angelegte Becken liegt unterhalb des Lawenatals – jenem Tal mit den grösssten Niederschlagsmengen im gesamten Alpenbogen. «Aus der Lawenarüfe kommen mehr als 50 Prozent des Wassers, das in den Kanal läuft», so Martin Tschol. Können grosse Wassermassen hier nicht mehr aufgefangen werden, fliessen sie unkontrolliert in Richtung Vaduz und überschwemmen dort die Siedlungsgebiete. «Während wir vom Raum Roxy in Balzers bis zur Säga in Triesen noch über unverbaute Landschaftsstriche und damit über Retentionsräume verfügen, kann hier ein Zuviel an Wasser auf dem gesamten Abschnitt mit künstlichen Dämmen in die Wiesen geflutet werden. Das geht in Richtung Vaduz nicht mehr. Dort befindet sich sozusagen das Nadelöhr. Kann der Binnenkanal das Wasser nicht mehr fassen, tritt es über, ohne dass wir das verhindern können», erklärt Tschol, warum die Kontrolle der Binnengewässer bei Starkregen und Gewittern in Triesen so wichtig ist. 

Einst zur Entwässerung des Talraums gebaut

Bei lang anhaltenden Regenfällen geht die Hauptgefahr also nicht vom Rhein, sondern von den Bächen und Kanälen aus. Also von Gewässern, die von Menschenhand gemacht wurden.  
Denn der Binnenkanal ist nicht natürlich entstanden, sondern wurde in den 30er-Jahren aus ganz bestimmten Gründen erbaut. Zum einen diente er der Arbeitsbeschaffung. Zum anderen ermöglichte er die dauerhafte Entwässerung des liechtensteinischen Talraums und damit dessen intensive wirtschaftliche Nutzung und Besiedlung. Die elf Liechtensteiner Talhangbäche und -rüfen sowie die Esche wurden zu einem Gewässer zusammengefasst und bei Ruggell wieder in den Rhein geleitet. Die Gesamtkosten für den am 3. April 1943 fertiggestellten Binnenkanal beliefen sich übrigens auf 4,6 Millionen Franken.

Hochwasserschutz:intensiv investiert


Hat man damals zu wenig an den Hochwasserschutz gedacht und war sich der Gefahren nicht klar, die der Binnenkanal bei Starkregen und Gewittern darstellen kann? «Diese Fragen hat man sich damals tatsächlich nicht gestellt – denn sie sind quasi in Vergessenheit geraten. Über eine grosse Zeitspanne von 100 Jahren kannte man keinen Starkniederschlag oder Extremwetter», weiss Martin Tschol. Damit sei die Bevölkerung erst Ende der 80er- bzw. Anfang der 90er-Jahre wieder konfrontiert worden. Tatsächlich gab es zwischen 1882 und 1976 eine so genannte «Katastrophenlücke». Nicht nur die Erinnerung an frühere Katastrophen verblasste, sondern auch der Respekt vor künftigen Naturgefahren schwand. 


Das änderte sich Ende der 80er- bzw. Anfang der 90-Jahre aber wieder. Und plötzlich musste rasch gehandelt werden. Deshalb wurde seit dieser Zeit intensiv in den Hochwasserschutz investiert. Mehrere bekannte Rüfezüge wurden intensiv verbaut bzw. mit Kiessammlern versehen. Diese werden laut Tschol ständig optimiert. Auch seien Bauwerke geplant, um weitere Hochwasserretentionsbecken zu schaffen. Mit dem überarbeiteten Einsatzdispositiv und dem Interventions- und Massnahmenplan, der massgeblich vom Amt für Bevölkerungsschutz gemeinsam mit der Wasserwehr Triesen erarbeitet wurde, haben zudem nun alle Wasserwehren des Landes ein wichtiges Instrument an die Hand erhalten, um bei Starkregenereignissen bestens gerüstet zu sein. «Hundertprozentige Sicherheit gibt es zwar nie. Aber wir bereiten uns so gut vor, wie es eben nur möglich ist», ist Tschol zufrieden mit dem bisher Erreichten im Bereich des Hochwasserschutzes. (dv)

12. Sep 2019 / 08:35
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