• Nur noch zwei Wildtier-Gehege gibt es in Liechtenstein: Nebst jenem in Schellenberg mit Damwild (im Bild) gibt es noch ein Gehege mit Rotwild in Schaan
    Nur noch zwei Wildtier-Gehege gibt es in Liechtenstein: Nebst jenem in Schellenberg mit Damwild (im Bild) gibt es noch ein Gehege mit Rotwild in Schaan.  (Daniel Ospelt)

«Wichtig, dass es den Tieren gut geht»

Vor fünf Jahren übernahm Ute Bargetze das Damwild-Gehege beim Stotz im Schellenberg. Das Gehege wurde vom «Gipser Goop», dem Grossvater ihres Ehemanns, erbaut. Zehn Wildtiere leben auf rund 5000 Quadratmetern direkt vor der Haustüre der Familie.

Frau Bargetze, 2014 übernahmen Sie das familieneigene Damwild in Schellenberg. Wie kam es zu diesem Entschluss? 
Ute Bargetze: Meine Schwiegermutter betreute damals noch das Wildgehege. Als es ihr dann doch zu aufwendig wurde, gelangte die Anfrage an mich, ob ich es gerne übernehmen würde. Zu dieser Zeit war ich mit unserem zweiten Kind schwanger. Weil ich doch eine Passion für Tiere habe, fuhr ich  quer durch die Schweiz, um verschiedene Kurse zu absolvieren, denn einfach so darf man keine Wildtiere halten. Es gibt bestimmte Richtlinien und Voraussetzungen, die erfüllt werden müssen. Bei den Kursen mussten die Lernenden verschiedene Module rund um die Wildtierhaltung abschliessen. Angefangen von der richtigen Ernährung, über mögliche Krankheitsbilder, bis hin zu der Gesetzeslage, wie die Tiere  fachmännisch geschossen werden, war alles beinhaltet. 


Sie persönlich schiessen nicht, sondern es kommt ein professioneller Jäger um die Tiere zu erlegen? 
Genau, das ist Hans Saxer. Er züchtet auf seinem Hof in Hinterforst Damhirsche. Er ist quasi mein Mentor und meine Ansprechperson, wenn Fragen auftauchen. In der Vergangenheit hatten wir eine Hirschkuh, die immer Laute von sich gab. Ich wusste nicht, wie diese Rufe zu verstehen waren und fragte deswegen bei Hans Saxer nach. Er riet mir zur Geduld, die Rufe der Hirschkuh würden bald aufhören – und so war es dann auch. 


Wie läuft denn die Erlegung der Tiere genau ab?
Im Normalfall schaue ich, dass meine Kinder aus dem Haus sind, bevor Hans Saxer vorbeikommt. Er muss im Vorfeld bei der Polizei Führungszeugnisse einreichen und einen Fragebogen ausfüllen, um eine polizeiliche Genehmigung zu erhalten, um die Tiere zu schiessen zu können. Dann gibt es einen Kaffee bei uns in der Küche, bevor er sich auf unserem Balkon positioniert und die Tiere mit einem Schuss erlegt. Dies alles passiert so schnell, dass das Tier bereits tot ist, bevor es den Boden berührt. Es ist ein würdevoller Tod, den wir den Tieren schuldig sind, wie ich finde. 


Wie viele Tiere werden geschossen?
Es kommt darauf an, wie viele Männchen wir haben. Wir können nicht zwei im Gehege halten, denn die Revierkämpfe könnten tödlich enden. Im kommenden Herbst werden die nächsten Tiere erlegt. 

Aktuell halten Sie zehn Tiere – wie viele davon tragen einen Rufnamen? 
Nur der Hirschbock «Nero». Alle anderen haben keinen Namen, da wir nicht wollen, dass unsere Kinder eine emotionale Beziehung zu den Tieren haben. Es sind ja keine Haus-, sondern Nutztiere.

Welche Produkte entstehen aus dem Fleisch der Tiere?
Es kommt darauf an, wie alt das Tier ist. Das Fleisch von jüngeren Tieren  verwenden wir beispielsweise für Steaks und das von den älteren für Wurst oder Fleischkäse. 

Ist es für Sie jeweils auf irgendeine Art schwer, sich von den Tieren vor dem Abschuss zu trennen?
Ich habe eine emotionale Bindung zu den Tieren in dem Sinne, dass ich sie artgerecht halten möchte. Mir ist es wichtig, dass es ihnen hier gut geht und sie gesund sind. Aber dass sie geschossen werden, gehört einfach dazu, denn ich kann sie ja nicht alle behalten. 

Gab es in der Vergangenheit Probleme mit Personen, die versucht haben, die Tiere zu füttern?
Das Wild ist scheu und würde keiner fremden Person aus der Hand fressen. Die Leute sind neugierig und beobachten die Tiere aus der Ferne. Es ist uns sehr wichtig, dass uns niemand Nahrung in das Gehege reinwirft. Brot zum Beispiel ist für die Tiere wie Schokolade für die Menschen. Es ist nur eine Süssigkeit, die aber für sie nicht gesund ist. Es gibt aber immer wieder Personen, die mit Halbwissen glänzen. 

Was meinen Sie genau damit?
Die Tiere sind jetzt zum Beispiel im Fellwechsel. Da gibt es Menschen, die denken, die Tiere seien krank oder hätten Würmer. Oder es gab eine Situation, in der sich unser Hirschbock «Nero» ein Stück Weidezaun um das Geweih gewickelt hatte. Das Seil hatte der Wind in das Gehege reingeweht. Unzählige Leute meldeten sich bei mir und machten mich auf das Offensichtliche aufmerksam. Nun ja, es ist ein Wildtier, dasman nicht einfach so kurz festhalten kann, um es von dem Weidezaun zu befreien. Es war ein aufwendiger Prozess. Er musste mit einem Narkosemittel betäubt werden, damit wir das rund 30 Meter lange Band entfernen konnten. 

Gab es unerwünschten Besuch von Raubtieren im Wildgehege?
Bisher noch nicht. Das Gehege ist stabil. Es ist uns auch nie ein Tier abhandengekommen, sprich ausgebrochen.

 

 

16. Mai 2019 / 14:56
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