• Norman Wohlwend in Vaduz
    Nach wie vor mit Freude bei der Arbeit: Norman Wohlwend.  (Daniel Schwendener)

Wachsende Wohngemeinde

Vorsteher Norman Wohlwend rechnet mit bis zu 1500 Einwohnern für Schellenberg in 2040. Es wird daher an der Ortsplanung gearbeitet.
Schellenberg. 

Schellenberg in 20 Jahren – mit dieser Vision wird sich die Gemeinde im Rahmen des Projekts «Gemeindeentwicklung 2040» demnächst beschäftigen. Wann ist Start, wer ist involviert und wie sieht das Konzept aus? 

Norman Wohlwend: Start ist in zwei Wochen. Das Konzept ist noch nicht finalisiert, das heisst wir führen eine Startsitzung durch, an der wir die Ziele definieren. Dann wird man sehen, in welche Richtung es geht. Der Auftrag kommt vom Gemeinderat. Es gibt zum Beispiel laufend Probleme mit Räumen, sprich Doppelnutzungen. Deshalb wollen wir uns frühzeitig mit der Zukunft beschäftigen: Wie soll die Gemeinde in 20 Jahren ausgerichtet sein? Ein interessantes Projekt.

Der Gemeinderat hat sich am Mittwoch für die Mobilfunkantenne entschieden. 80 Personen haben letztes Jahr eine Petition gegen die Antenne eingereicht. Das würde für eine Volksabstimmung nicht reichen, dazu braucht es rund 110 Unterschriften. Wird Ihrer Meinung nach das Referendum zustande kommen? 

Das Thema ist topaktuell. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung vom 11. März 2020, nach einer sehr kontrovers geführten Debatte, mehrheitlich beschlossen, der Firma SALT Liechtenstein AG auf dem Gemeindegrundstück Nr. 180 ein selbstständiges Baurecht für den Bau und Betrieb einer Funkfeststation in Form eines Mietvertrages für 11 Jahre zu gewähren. Dieser Beschluss des Gemeinderates wird am Dienstag, 17. März 2020, zum Referendum ausgeschrieben. Nach Kundmachung des Beschlusses be­steht während 14 Tagen die Möglichkeit, das zu ergreifen. 

Aufgrund des landesweit flächendeckenden Glasfaserausbaus hat Schellenberg Ende 2019 die Eck­daten für den geplanten Verkauf des CATV-Netzes (Kabelfernsehnetz) festgelegt. Sind Sie mit der Lösung zufrieden? 

Absolut. Da die Liechtensteinischen Kraftwerke Glasfaser flächendeckend einführen, waren wir der Meinung, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, das Netz Ende 2021 an die LKW zu ver­kaufen, die dann mit dem Glasfaserausbau beginnen wird. Ende 2023 wird das CATV-Netz ausser Betrieb genommen. 

Also ein guter Schritt auch für die Bevölkerung?

Ob er gut ist, werden wir sehen. Als letzte Gemeinde des Landes konnten wir aufgrund des Netzbesitzers sehr attraktive Konditionen anbieten. Radio/TV kostet bei uns 10 Franken pro Monat, beim Internet profitieren die Kunden in Schellenberg von10 Franken Vergünstigung auf das Abo. Der Betrag, den uns die Internetbetreiber für die Nutzung des Netzes bezahlen müssten, wird den Kunden gutgeschrieben. Ob die Preisgestaltung weiterhin so kostengünstig bleiben wird, wird sich zeigen.

Das Sanierungskonzept des Gemeindehauses mit einem Kostenrahmen von 1,8 Mio. Franken ist 2020 das grösste zu stemmende Projekt. Was wird anders oder neu?

Das Gemeindehaus wurde 1984 eröffnet, ist also bald 40-jährig. Ein zentraler Punkt ist der Eingangsbereich, den wir kundenfreundlicher gestalten. Auch brandschutztechnisch und hinsichtlich behindertengerechter Zugänglichkeit wird einiges optimiert. Dazu kommen notwendige energetische Sanierungen wie z. B. die Fenster. 

Wie gestaltet sich der zeitliche Rahmen?

Geplant ist, dass der Umbau bis Ende 2020 über die Bühne ist.

Während der Umbauzeit wird die Gemeindeverwaltung in eine Containerlandschaft auf dem Mostereiparkplatz umziehen. Fast wie «Big Brother», nur ohne Kameras … Die Container stehen bereits, wann ist der Umzugstermin? 

Anfang April. Eine feudale Lösung ...

Müssen die Bürger mit Einschränkungen rechnen?

Die grössten Einschränkungen werden sein, dass der Dorfplatz wegen der Sanierung nur bedingt nutzbar ist und auch das Dorfzelt dieses Jahr nicht aufgestellt wird. 

Im Rahmen eines Verkehrsrichtplans werden demnächst Themen wie Fussgängerübergänge, Schulwegsicherheit, Tempo 30 oder öffentliche Beleuchtung konzeptionell bearbeitet. Wo liegen die Prioritäten?

Wir haben festgestellt, dass viele Fussgängerstreifen hinsichtlich Sichtweiten, Bremsweg etc. absolut nicht der Norm entsprechen. Man wiegt sich als Fussgänger in vermeintlicher Sicherheit. Aufgrund der niedrigen Frequentierung dürfte in Schellenberg prinzipiell nirgends ein Zebrastreifen sein bzw. ist ein solcher eher gefährlich als nützlich. Ein weiteres Thema ist die Optimierung der Strassenbeleuchtung.

Wann geht in der Gemeinde das Licht aus?

Um 0.30 – bis 5.30 Uhr morgens.

Schwimmerin Julia Hassler, die Zacharias-Geschwister (Bogenschiessen), Eiskunstläuferin Romana Kaiser oder Autorennfahrerin Fabienne Wohlwend: Das kleine Schellenberg scheint eine sport­liche Erfolgsschmiede zu sein. 

Es sieht so aus. Julia Hassler an der Weltspitze, diese Woche stellte das «Vaterland» in der «näherdran»-Serie die Judotalente Manuel und Raphael Bicker in den Fokus. Ob es die Höhenluft ist? (lacht) Sicher ist es eine Kombination aus verschiedenen Faktoren: Förderung durch das Elternhaus und Eigeninitiative. Wir sind stolz auf unsere Sportler, was jährlich bei der Sportlerehrung zum Ausdruck kommt. 

Seit November letzten Jahres besitzt Schellenberg ein neues Tanklöschfahrzeug, nachdem der Vorgänger nach 30 Jahren ausgemustert worden ist. Worauf dürfen sich die Einwohner beim Einweihungsfest am 29. März freuen? 

Die Feuerwehr musste das Fest aufgrund einer Weisung hinsichtlich der Corona-Situation auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Es wäre fatal, wenn eine ganze Feuerwehr unter Quarantäne gestellt werden müsste. Auch die Feuerwehrproben werden bis auf Weiteres ausgesetzt. 

Für 2020 hat Schellenberg mit einem budgetierten Defizit von 1,2 Mio. Franken zu rechnen, das unter anderem auf die Gemeindehaussanierung zurückzuführen ist. Macht Ihnen das Bauchweh?

Nein, das macht mir keine Sorgen. Diese Mehrausgaben können wir über die angesparten Finanzreserven stemmen. Der Gemeinderat hat sich bewusst dafür entschieden. Natürlich ist es unser Ziel, in den kommenden Jahren wieder eine ausgeglichene Rechnung präsentieren zu können.

Das Frauenkloster vom Kostbaren Blut in Schellenberg, ein Bijoux, beherbergt derzeit rund 30 Schwestern und ist nach wie vor An­ziehungspunkt für Besucher aus dem In- und Ausland. 

Früher war das Kloster für die Gesundheitsversorgung und Pflege der Bevölkerung besorgt. Bei Zerrungen, Fieber etc. ging man zu den Schwestern. War man schwer krank, kamen sie zu Hause vorbei. Auch die im Kloster hergestellten Produkte wie Salben, Tropfen auf Kräuterbasis etc. sind top. Davon konnte ich mich schon selbst überzeugen. Diese Tradition besteht seit Bestehen des Klosters. Aufgrund einer Gesetzesanpassung ist der Verkauf dieser Produkte für die Schwestern jedoch schwieriger geworden. 

Seit 2003 sind Sie Vorsteher der, wenn man so will, ältesten Gemeinde Liechtensteins (1699). Die laufende ist ihre fünfte Amtsperiode. Sind Sie mit 59 Jahren nach wie vor voller Tatendrang und noch kein bisschen (amts-)müde?

Nach wie vor ist die Aufgabe spannend, herausfordernd und macht Spass. Ob ich noch fit genug bin und noch alles passt, müssten Sie die Bevölkerung und die Kolleginnen und Kollegen vom Gemeinderat fragen. (lacht) 

Ruhig gelegen, umgeben von Natur und Wald, ist Ihre Gemeinde eine kleine Perle. Verbringen Sie Ihre freie Zeit am liebsten dort oder zieht es Sie in die Ferne?

Andere Länder sind natürlich auch ab und zu interessant – über Weihnachten war ich mit meinem Sohn in Amerika … In der Regel gehe ich, wenn möglich, frühmorgens oder abends in Schellenberg laufen. Als Ausgleich zum manchmal stressigen Büroalltag gehe ich Rad und Ski fahren.

Am 30. Juni 2019 zählte Schellenberg 1091 Einwohner. Wie viele werden es wohl im Jahr 2040 sein?

Ich bin zwar kein Prophet, aber ich schätze rund 1500 Einwohner. Die Bauzone in Schellenberg ist natürlich beschränkt und wir können als Gemeinde nur im Rahmen der bestehenden Strukturen wachsen. Deshalb arbeiten wird intensiv an der Ortsplanung – Überarbeitung der Bauordnung und des Zonenplans – um für die Zukunft gerüstet zu sein. Dazu gehören z. B. auch Baulandumlegungen, um das vorhandene Baugebiet optimal zu nutzen. (ge)

13. Mär 2020 / 22:14
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