• Hansjörg Büchel, Schellenberg
    Nur ein Haus steht im Rietle in Schellenberg – und das ist Hansjörg Büchels Zuhause.  (Tatjana Schnalzger)

«Rietle Buur»: Liebenswerter Sturkopf

Hansjörg Büchel – besser bekannt als «Rietle Buur» – ist ein echtes Schellenberger Original. Vormachen braucht man diesem Mann nichts.
 
Ein bisschen Zeit braucht er schon, bis er aufgetaut ist. Doch wenn er einmal losgelegt hat mit seinen Geschichten, ist er kaum mehr zu stoppen. Und das will man eigentlich auch gar nicht. Man will ihm zuhören. Denn Hansjörg Büchel, in Schellenberg besser bekannt als «Rietle-Buur», hat Spannendes aus allen Lebensbereichen zu erzählen. Kein Wun­der. Der 64-Jährige ist vielfältig interessiert und gut gebildet. Als studierter Vermessungsingenieur kann er auf ein breites Spektrum seiner Ausbildung zurückgreifen. Als LKW-Aufsichtsrat ist er in die Wirtschaftswelt eingetaucht. Als Stiftungsrat hat er sich auch für den Liechtensteinischen Entwicklungsdienst (LED) engagiert. Und als «Erbe» eines Bauernhofs kennt er sich auch im Landwirtschaftsbereich bestens aus und hat als Kontrollorgan des Landverbandes St. Gallen Verbindungen in die ganze Welt geknüpft. Wenn man also zu Besuch beim «Rietle Buur» ist, trifft man – anders als es der Name vermuten lässt – auf weit mehr als einen «gewöhnlichen» Bauern …
 
Verwechslung mit dem Balzner Vorsteher?
 
Büchel wundert sich über den Besuch des «Medienhauses» und fragt sich, was es denn so Interessantes über ihn zu berichten gebe. Ob man ihn aufgrund seines Namens nicht vielleicht doch mit dem Balzner Vorsteher verwechselt habe. Und so beantwortet er manche Frage achselzuckend, kurz und knapp, immer aber schmunzelnd. «Rietle Buur» nenne man ihn, weil schon sein Grossvater, Oskar Büchel, so genannt worden sei. Seinen Vater habe man allerdings nicht so genannt, der habe aber auch nicht im Rietle gewohnt. In den Jahren 1982/83 habe er ein neues Haus im Rietle gebaut, da das Alte in einem desolaten und baufälligen Zustand und nicht mehr zu renovieren war. Nach dem Tod seines Grossvaters wurde das alte Haus dann abgebrochen. Heute wohnt Büchel mit seiner Frau Annemarie hier an diesem schönen Flecken Erde. Auf dem ein schönes und gemütliches Haus steht. Ein Bauernhof. Und zahlreiche Tiere.
 
«Für die Jugend gibt es hier keine Zukunft»
 
«Eigentlich wollte ich immer Bauer sein und werden», erinnert er sich an seine Kindheit zurück. Schliesslich sei er mit Tieren aufgewachsen. Doch früher sei das nicht als richtiger Beruf akzeptiert worden und verpönt gewesen. Also hat er die Ingenieurschule besucht und den Beruf des Vermessungszeichners erlernt. Auf dem Bauernhof war er nebenbei, geholfen hat ihm dabei seine Frau Annemarie – übrigens eine gebürtige Matt aus Mauren, aber zeitlebens wohnhaft in Schaan. Die beiden sind stolze Eltern von sechs Kindern – vier Töchtern und zwei Söhnen. Über seine Kinder spricht der «Rietle Buur» besonders gern. Darüber, was sie beruflich machen. Und wo sie heute wohnen. Drei seiner Kinder haben in Wien studiert, eine Tochter unterrichtet heute als Lehrerin, eine als Sporttherapeutin. Allesamt wohnen sie nicht mehr in Schellenberg, teilweise auch nicht mehr in Liechtenstein. Aber das kann Hansjörg Büchel gut nachvollziehen. «Für die Jugend gibt es keine Zukunft in Schellenberg. Wer etwas lernen und weiterkommen will, den zieht es sicher über die Gemeindegrenze, oft auch über die Landesgrenze hinaus», weiss er aus eigener Erfahrung. 
Und so komme es auch, dass er selbst nicht mehr alle Einwohner in Schellenberg kenne. «Früher hat noch jeder jeden gekannt. Doch heute ziehen so viele Familien in die Gemeinde und nach ein paar Jahren wieder weg, dass er immer gut überlegen müsse, um wen es sich handle, wenn er in ein Gesicht blicke.» Daran ändert auch seine Tätigkeit als Deponiewart nichts, die er seit 2017 ausführt. Als solcher trifft er zwar viele, kennen tut er aber schon lange nicht mehr alle.
 
«Ein Sturkopf ist er –aber ein lieber»
 
Um herauszufinden, wie der «Rietle Buur» als Mensch tickt und wie er funktioniert, dafür braucht man schon etwas mehr als ein Gespräch. Auch wenn es ein langes und ausführliches Gespräch ist, bei dem er immer wieder aus sich herauskommt und sein vielfältiges Interesse zeigt. Oder aber man fragt einfach seine Frau Annemarie, die just zu diesem Zeitpunkt nach Hause kommt und aufgrund ihres preisgekrönten Mostes selbst schon Erfahrung mit den Medien machen durfte. «Ja, ein Sturkopf ist er», sagt sie prompt. «Aber ein lieber.» Und er sei an vielem interessiert. Zum Beispiel an der Ahnenforschung. Er pflege zudem sehr enge und gute Beziehungen in die Schweiz, Österreich und nach Deutschland zu den Landverbänden der Bauern. Dadurch habe er sehr interessante Kontakte geknüpft, die ihm auch so manches Mal hilfreich gewesen seien und immer noch sind. So zum Beispiel in politischen Fragen. Denn dafür interessiert sich Hansjörg Büchel ebenfalls brennend. Und er erzählt, warum er im Jahr 2001 für den Landtag kandidiert hat. Warum die heutige Parteien­situation schlecht für die Stabilität des Landes ist. Und er erinnert sich an Menschen, welche die Politik früher geprägt haben, wie es heute kaum mehr möglich ist. Er habe politisch immer eine klare Haltung an den Tag gelegt, immer seine Meinung gesagt. «Unehrlichkeit mag ich nicht», zuckt er mit den Schultern. Das stosse nunmal nicht bei allen auf Gefallen.
 
Drang nach Wissen nach wie vor ungemindert
 
Aus gesundheitlichen Gründen hat der «Rietle Buur», der früher quasi ein Hansdampf in allen Gassen war, einen Gang zurückgeschaltet. Heute ist er öfters zu Hause. Was seinem Drang nach Wissen und dem Austausch mit Menschen aber keinen Abbruch tut. Bei einem Gespräch an seinem Küchentisch erfährt man so manch interessante Episode aus seinem Leben. Nicht alle seien für die Zeitung bestimmt, lässt er wissen. Aber so nebenbei erfährt man auch, dass die im Hause Büchel wohnhafte Katze selber die Tür öffnen kann – weshalb man diese immer gut schliessen muss. Oder dass der ehemalige Kärntner Landeshauptmann, Haider – den er und seine Frau übrigens selbst einmal persönlich getroffen haben – nicht wie behauptet in Kärnten, sondern in Oberösterreich geboren ist. Der Beweis folgte prompt. Nicht weil der «Rietle Buur» stur ist. Sondern weil er recht hat. (dv)
 
12. Mär 2020 / 18:52
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