•  (Eddy Risch)

Geteilte Leidenschaft

Familienbetrieb Die Familie Zacharias betreibt viel Aufwand für ihren Sport, das Bogenschiessen. In all den Jahren durfte sie dafür aber auch viele schöne Momente erleben und grosse Erfolge feiern.

Es ist mehr als nur der Familienname, der Aurelia, Fons, Anja und Stefan Zacharias miteinander verbindet. Die vier teilen sich eine grosse Leidenschaft: das Bogenschiessen. Das wird bei einem Besuch bei ihnen zu Hause in Schellenberg, wo die ganze Familie zusammenlebt, auch schnell klar. Sohn Stefan öffnet die Haustüre. Er trägt das T-Shirt der Liechtensteiner Delegation, mit welchem er vor zwei Jahren an den Kleinstaatenspielen in San Marino die Bronzemedaille gewonnen hat. Ein Blick in den Garten liefert den nächsten Hinweis. Vor einer hohen Wand sind einige Zielscheiben platziert. «Hier schiessen Stefan und Anja viel. Der Platz  eignet sich super, um die Technik zu trainieren. Hinten kann auch niemand reinlaufen, sonst wäre es zu gefährlich», versicherte Aurelia Schädler Zacharias.

Viel Aufwand für den Sport
Den Weg zum Bogenschiessen hat die Familie Zacharias über Sohn Stefan gefunden, der im Alter von sechs Jahren als Therapie zur Stärkung der Rumpfmuskulatur damit angefangen hat. Schwester Anja zog nach, als sie sieben Jahre alt war und noch einmal etwas später wurden auch die Eltern Aurelia und Fons von der Faszination des Sports gepackt. In über zehn Jahren hat die Familie viele Opfer für den Sport gebracht. «Zehn Jahre lang waren unsere Ferien eigentlich das Bogenschiessen», sagt Aurelia Schädler Zacharias. Dennoch möchte die Mutter auf keine der Erfahrungen verzichten. «Wir haben viele tolle Sachen erlebt. Und welche Mutter kann schon sagen, im Teenager-Alter noch so viel Zeit mit den Kindern zu verbringen», sagte sie.
Das Ganze war und ist aber nicht nur ein zeitlicher Aufwand, sondern auch ein finanzieller. In Liechtenstein undder näheren Umgebung fehlen Stefan und Anja die Infrastruktur und Trainingsmöglichkeiten, um ihren Sport auf hohem Niveau ausüben zu können. Eine permanente Indoor-Halle oder ein guter Clubtrainer ist zum Beispiel nicht vorhanden. Darum müssen oft weite Wege zurückgelegt werden. Anja Zacharias fährt alle zwei, drei Wochen nach Kriens zu ihrer Privat-Trainerin Nadja Strebel. «Mir wurden in der Vergangenheit einige Sachen nicht optimal beigebracht, aber Nadja bringt mich extrem weiter, und wir haben eine gute Bindung zueinander», sagte Anja Zacharias. Stefan Zacharias hat im Moment keinen festen Trainer. Im Hintergrund hat er aber die Trainerlegende Dubravko Buden aus Kroatien, der ihn schon auf die Youth Cups und die Kleinstaaten- spiele vorbereitet hat.

Stichwort Kleinstaatenspiele: Zur Vorbereitung darauf fuhr die Familie mit der FL - Bogenmannschaft alle drei Wochen nach Lausanne, um in der Halle auf die Distanz von 70 und 50 Meter schiessen zu können. Näher zu Liechtensein gibt es keine Halle. Auch die Reisen an internationale Turniere werden grössteils selber finanziert. Der ganze Aufwand war aber nicht umsonst. Neben den ganzen Erfahrungen, die gesammelt wurden, konnte die Familie Zacharias mit zahlreichen EM-, SM- und anderen Titeln grosse Erfolge feiern.

In den ganzen Jahren ist die Familie zu einem eingespielten Team geworden. Die Familie Zacharias funktioniert wie eine kleine Firma. Mama Aurelia ist die Managerin, die im Hintergrund alles organisiert. Dafür muss sie beim Abschuss weiter hinten bleiben, so die Regel. Papa Fons steht Anja und Stefan Zacharias als Coach während der meisten Wettkämpfe zur Seite. Die Familie ist auch heute noch an den meisten Wettkämpfen zusammen unterwegs. Papa Fons ist trotzdem froh, dass seine Kinder mittlerweile beide Volljährig sind. «Sie sind jetzt selbstständiger. Stefan ist zum Beispiel selbst mit dem Auto unterwegs. Das entlastet uns schon sehr», sagte er.

Keine internationalen Wettkämpfe
Vor kurzem haben die Zacharias’ die Indoor-Saison beendet – mit grossem Erfolg. Zum krönenden Abschluss konnte Anja in Wil den Schweizer Meistertitel in der «Young Adult»-Kategorie holen und dabei einen Schweizer Rekord erzielen. «Es lief mir am Vortag schon gut, dass es dann aber so rauskam, damit habe ich nicht gerechnet. Ich habe meine Trainingsleistungen übertroffen». In Magglingen bei den Swiss-Archery-Meisterschaften holte sie zudem Bronze und fand sich auf Augenhöhe mit den Schweizer Kaderschützen sagte sie. Stefan Zacharias holte sich in Magglingen den Swiss-Archery-Schweizer -Meistertitel.

Nun stünde eigentlich die bereits angelaufene Outdoor-Saison bevor, doch die Familie ist im Moment mehr oder weniger ausser Gefecht gesetzt. Mama Aurelia hat sich während der Indoor-Saison an der Schulter verletzt und kann, wenn alles gut läuft, erst im Winter wieder an Wettkämpfen teilnehmen. Tochter Anja hat sich im Schulsport den Mittelfuss gebrochen und wird voraussichtlich für etwa zwei Monate ausfallen. Papa Fons schlägt sich mit einem Fingersehnen-Riss und einem kaputten Meniskus herum, Sohn Stefan hat im Moment einen anderen Fokus: Er steckt mitten in den Abschlussprüfungen seiner Lehre. «Ich lege den Fokus auf meine Ausbildung», sagte er. Und die wichtigen internationalen Turniere, wie der Youth Cup, fallen genau in die Zeit der Prüfungen. «Ich habe mich darum entschieden, dieses Jahr nur an nationalen Wettkämpfen teilzunehmen.» Anja muss aufgrund ihrer Verletzung eben schauen, was in diesem Jahr noch möglich ist.

Wegen dem Stress um die Abschlussprüfung und einer geplanten Weiterbildung, die Stefan Zacharias nach der Lehre in Angriff nehmen möchte, ist er von der Disziplin «Olympisch Recurve» wieder zum «Compound»-Schiessen gewechselt. «Für mich liegt da mit weniger Trainingsaufwand einfach mehr drin», erklärte er. Auch nach einem Jahr, in dem er kaum mit dem «Compound»-Bogen schoss, habe er den Anschluss direkt wiedergefunden. Sein Traum, irgendwann an Olympischen Spielen zu schiessen, hat er damit erst einmal hinten angestellt – die Disziplin «Compound» ist nämlich nicht Olympisch, steht allerdings schon seit längerem zur Diskussion. «Wer weiss, was in den nächsten Jahren passiert. Vielleicht ist nach meiner Zusatzausbildung ‹Compound› schon Olympisch», sagte er.

Anja Zacharias schiesst nach wie vor in der Olympischen Disziplin. Eine Olympia-Teilnahme ist auch ihr grosser Traum. Die Beiden verfolgen kurzfristig  aber andere Ziele. Sie wollen die Punktelimiten erreichen, um als Kaderschützen mehr von Sportförderbeiträgen zu profitieren. Ein Ziel, sollte es dazu kommen, auf dass die ganze Familie noch einmal hinarbeiten würde, wären die Kleinstaatenspiele. «Dafür würde ich, wenn es die Gesundheit zulässt, noch einmal alles geben», sagte Aurelia Schädler Zacharias. Papa Fons ist da etwas kritischer: «Ich weiss nicht, ob ich da als Opa noch einmal rumhüpfen müsste, ich war in San Marino schon der älteste Teilnehmer», sagte er mit einem Lachen. Für die Kinder wären Kleinstaatenspiele, sobald Bogenschiessen von einer organisierenden Nation wieder ins Programm aufgenommen wird, sowieso ein grosses Thema. Denn die Spiele vor zwei Jahren in San Marino war eines der grossen Highlights, dass die Zacharias’ zusammen erleben durften. (sb)

17. Mai 2019 / 05:32
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
13. Oktober 2019 / 21:30
12. Oktober 2019 / 20:13
13. Oktober 2019 / 06:25
Meistkommentiert
24. September 2019 / 09:51
05. Oktober 2019 / 07:00
03. Oktober 2019 / 09:36
Aktuell
14. Oktober 2019 / 06:00
14. Oktober 2019 / 06:00
14. Oktober 2019 / 04:05
14. Oktober 2019 / 03:14
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
puzzle ravensburger
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
23.09.2019
Facebook
Top