• Michele Steffen, Schellenberg
    Mit diesem Design aus Ausschüssen der Ordnerproduktion gewann Michèle Steffen bei einem Vaduzer Kunst am Bau Projekt den zweiten Rang.  (Tatjana Schnalzger)

Farbenfrohe Recycling-Kunst

Mit ihrem 2. Platz beim Kunst-am-Bau-Wettbewerb für die Bebauung Wuhrstrasse tritt Michèle Steffen erstmals als Künstlerin in Erscheinung.
Schellenberg. 

Schon als Kind hat Michèle Steffen gerne gemalt und gebastelt. Das kreative Arbeiten lag ihr, so fühlte sie sich auch im Gymnasium nicht am richtigen Platz. Deshalb schnupperte sie bei einem Grafikbüro und ab sol vier te nach Abschluss der vierten Klasse den Vorkurs an der Kunstschule in Nendeln. Danach machte sie ihre Lehre bei Beck Grafikdesign in Plan ken, wo sie noch einige Jahre weiter arbeitete. «Meiner Lehrmeisterin war es immer wich tig, zuerst auch händisch zu arbeiten», so Michèle Steffen. Dies hat die junge Grafikerin auch beibehalten, als sie vor vier Jahren in Schellenberg selbstständig wurde. «Durch das Skizzieren von Hand oder Illustrationen versuche ich immer, meine eigene gestalterische Handschrift in meine Arbeiten hineinzubringen.» So legt sie Wert darauf, dass jeder Kunde sein eigenes Erscheinungsbild erhält. Für die Preisträgerbroschüre des Förderpreises der Internationalen Bodenseekonferenz (IBK) hat sie das Cover beispielsweise mit einer Collage aus allen ausgezeichneten Werken gestaltet. Für die Internationalen Meisterkurse spannte sie mit ihrer ehemaligen Lehrmeisterin Karin Beck-Söllner zusammen, sie legten gemeinsam einen Ateliertag ein, bei dem sie mit Linolschnitt und gefärbten Seifenblasen eine neue visuelle Handschrift für die Programmflyer schufen. Um die richtige Wirkung zu erzielen, testet Michèle Steffen vieles aus. So druckt sie auch Texte aus, zerschneidet sie und setzt sie wieder neu zusammen.

Typografie-Recherche in Berlin
Vor ihrem Schritt in die Selbstständigkeit arbeitete Michèle Steffen eineinhalb Jahre für eine Agentur in St. Gallen. Der grosse Zeitdruck war sehr belastend, sodass manchmal auch Arbeiten abgegeben werden mussten, hinter denen die Grafikerin nicht stehen konnte. «Ich lasse mich gerne auf Projekte ein und setze mich intensiv mit ihnen auseinander. So entstehen auch die besseren Ergebnisse», so Steffen. Da kam es ihr sehr gelegen, dass sie bereits während ihrer Tätigkeit in St. Gallen erste eigene Grafikaufträge erhielt. Berufsbegleitend absolvierte Michèle Steffen eine CAS-Weiter bildung in «Typography and Print» an der Zürcher Hochschule der Künste. Dort hat sie sich in der Arbeit mit Typografie (Gestaltung mit Schrift) wie auch Magazin- und Buchgestaltung vertieft. «Typografie-Arbeit gehört zu einer meiner Leidenschaften», so Steffen. So hat sie sich auch mit einem solchen Projekt für einen Aufenthalt im Künstleratelier in Berlin beworben und diesen von Oktober bis Dezember 2019 auch bekommen. «Es freute mich umso mehr, dass ich diese Möglichkeit nutzen konnte, weil ich ja nicht typisch künstlerisch tätig bin.»

Tagelang klapperte sie die einzelnen Viertel ab und hielt die unterschiedlichsten Schriftproben fotografisch fest. Besonders angetan haben es ihr dabei die Hausnummern. Dabei stiess sie auf eine grosse Bandbreite an Beschriftungsvarianten. Neben den älteren Emaille-Schildern gab es auch viele Leuchtnummern. Diese basieren auf einem Gesetz, dass alle Hausnummern beleuchtet werden mussten. Einige der Nummern zeigen Verwitterungseinflüsse, sind halb heruntergefallen, teils verrostet oder wurden von Hand repariert. «Zum Teil habe ich bis zu zwei Stunden in einer Strasse verbracht.» Die daraus entstandenen Foto grafien hat Michèle Steffen zu Collagen zusammengefügt. «Wenn man eine Menge unterschiedlicher Schilder zusammenstellt, beginnen sie zur wirken», freut sich die Grafikerin. Auch hielt sie am Beispiel von Schildern «Feuerwehrzufahrt» und «Einfahrt freihalten» fest, wie die gleiche Aussage sehr unterschiedlich gestaltet werden kann. Aus diesem «Archiv von Ideen», wie sie es nennt, will sie in Zukunft eine Plakatserie gestalten. Wie diese aussehen wird, ist jedoch derzeit noch offen.

Zweiter Platz bei Kunst-am-Bau-Wettbewerb
Abgeschlossen ist derweil das Recycling-Projekt, mit dem Michèle Steffen den zweiten Preis beim Kunst-am-Bau-Wettbewerb für die Bebauung Wuhrstrasse 30 gewonnen hat. Für die Teilnahme bei diesem Wettbewerb wurde sie als eine von sieben Grafikern und Künstlern vom Architekturbüro ausgewählt und eingeladen. «Ich habe mich sehr gefreut, dass ich dazu eingeladen wurde. Ich wäre von selbst nie auf die Idee gekommen, bei einem solchen Wettbewerb mitzumachen», so Steffen. Durch Umwege stiess Michèle Steffen auf die Idee, ein Projekt aus nicht recyclebaren Materialien zu machen. Dann kamen ihr irgendwann wieder die ausgestanzten Kreise von Ordnern in den Sinn, von denen sie bereits vor Jahren zum Spass einige Kilo kaufte. «Ich kaufe mir manchmal Dinge, die ich irgendwann noch brauchen könnte», so Steffen. So auch die Reste der Ordnerproduktion. «Durch das Kunstprojekt bekommt das Abfallprodukt so einen neuen Zweck.» Zuerst testete sie verschiedene flache Anordnungen, bis sie auf die Idee kam, die Kreise aufrecht in eine Fläche zu stecken. Durch das Stecken ist es möglich, zweiseitig zu arbeiten, was Michèle Steffen auch nutzte. So wäre beim fertigen Projekt von der linken Seite her etwas anderes zu lesen gewesen als von der rechten Seite. Bereits beim 1 mal 1 Meter grossen Modell (Bild) verarbeitete die Grafikerin knapp 2000 Kreise. Insgesamt drei Monate steckte sie in die Ideenfindung und schliesslich in die Finalisierung. Herausgeschaut hat dabei für sie der zweite Platz bei insgesamt fünf Eingaben. «Es hat mich wahnsinnig gefreut, dass meine Arbeit bei der Jury ankam. Fast gleich fest, wie wenn ich gewonnen hätte», strahlt Michèle Steffen.

Auch in Zukunft möchte Michèle Steffen künstlerisch aktiv bleiben. So ist bereits eine Fortsetzung ihres Typografie-Projekts in Berlin geplant. Auch mit analogen Druckverfahren möchte sie sich in Zukunft intensiver beschäftigen. Und vielleicht hängt ja bald doch noch ein farbenfrohes Recycling-Werk von ihr in einem öffentlichen Gebäude. (mk)

14. Mär 2020 / 11:57
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