• Norbert Wenaweser ist seit 45 Jahren leidenschaftlicher Oldtimer-Fan und Mitbegründer des MVCL.
    Norbert Wenaweser ist seit 45 Jahren leidenschaftlicher Oldtimer-Fan und Mitbegründer des MVCL.

«Zeit, Mühe und liebevolle Kleinarbeit»

Norbert Wenaweser ist ein Oldtimer-Liebhaber, Mitbegründer des MVCL, und er legt Wert darauf, von Sammlern unterschieden zu werden.

Herr Wenaweser, Sie gehören zu den Gründungsmitgliedern des Motor Veteranen Clubs Liechtenstein (MVCL).  Wann wurde der Verein aus der Taufe gehoben?

Karl Gassner und ich dachten schon in den 1980er-Jahren darüber nach, einen Liechtensteiner Oldtimerclub ins Leben zu rufen. Der Zufall wollte es, dass Karl, Olaf Gassner und ich uns 1993 an einem Oldtimer- und Teilemarkt begegneten. Dort griffen wir die Idee eines eigenen Clubs wieder auf und setzten sie in die Tat um. Noch im Herbst desselben Jahres trafen sich Karl Gassner, Roland Kieber, Elwin Hasler, Waldemar Mahlknecht, Dominik Amman und ich. Mithilfe des Telefonbuchs suchten wir Gemeinde für Gemeinde nach weiteren In­teressierten und luden diese dann zur Gründungsversammlung vom 18. Februar 1994 nach Schaan ins Restaurant Linde ein. Bis zum heutigen Tag finden monatlich unsere Treffen statt.  

Wie sehen Sie der Zukunft des Vereins entgegen? Braucht es ihn auch in 
Zukunft? 

Ja, sogar sehr dringend. Mit unseren Oldtimern müssen wir zur Motorfahrzeugkontrolle, damit sie ordnungsgemäss abgenommen werden. Wir brauchen deshalb eine Lobby, die die Bedeutung von Oldtimern versteht und hervorhebt. Ansonsten hätten wir bei manchen Autos ganz schlechte Karten, dass sie abgenommen werden, obwohl wir derart viel Arbeit in die Autos gesteckt haben. Es soll auch ein Bewusstsein dafür geweckt werden, dass das Automobil als technisches Kulturgut betrachtet, akzeptiert und als solches erhalten, gepflegt und restauriert werden muss.

Welcher Vorteil ist mit einem Oldtimer-Status verbunden? 

Der sogenannte Oldtimer-Status 180 gewährleistet, dass man nur alle sechs Jahre zur MFK-Kontrolle erscheinen muss. Aber im Gegenzug dürfen mit diesen Autos pro Jahr lediglich 3000 Kilometer gefahren werden. 

Sie sind ein leidenschaft­licher Oldtimer-Fan. Woher stammt diese Liebe? 

Vor ungefähr 45 Jahren besuchte ich meine Schwägerin in England. Ich kaufte mir vor Ort ein Oldtimer-Magazin, das auch einen Morris Minor, einen Kleinwagen aus den 1950er-Jahren, abbildete. Das Auto ist vergleichbar mit dem deutschen VW-Käfer. Ich verliebte mich sofort in das Auto und besuchte sogar Autofriedhöfe, bis ich endlich einen auf einem Automarkt entdeckte. Ich kaufte das Gefährt, fuhr damit nach Liechtenstein und restaurierte es weiter. 

Das ist jetzt 45 Jahre her. Wie viele Autos haben Sie in der Zwischenzeit restauriert? 

Das weiss ich nicht mehr ganz genau. Es dürften aber etwa zehn bis fünfzehn Wagen gewesen sein. 

Aktuell haben Sie aber «nur» noch vier Oldtimer in Ihrer Garage.  

Mir geht es nicht ums Sammeln, sondern ums Ausfahren. Ich mache Ausflüge und besuche Oldtimer-Treffen. 

Es geht also nicht ums Protzen. 

Nein, auf keinen Fall. Mir ist das Beherrschen einer Fahrtechnik wichtig. Nicht jeder versteht es, einen Oldtimer zu fahren. Heutzutage ist ja einfach alles elektronisch geregelt. Das kann man selber nicht mehr reparieren. Man braucht das elektronische Equipment dazu. Diese Autos werden somit wohl auch kaum irgendwann zu Oldtimern. 

Wie viel Zeit verbringen Sie wöchentlich in der Garage? 

Heutzutage nicht mehr viel. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, an dem ich meine Autos eben fahren kann. Jetzt bin ich pensioniert und geniesse diese Zeit.

Welchen Beruf übten Sie früher aus? 

Ich war Elektriker, Möbelverkäufer, arbeitete 20 Jahre bei Schädler Keramik und die letzten 20 Jahre war ich selbst­stän­dig als Immobilienunternehmer tätig. 

Sie haben sich am Wochenende über eine Autostatistik geärgert, die die teuersten Automarken auf den Liechtensteiner Strassen vorstellte. Warum?

Mich störten einfach die Preise, die angegeben wurden. Von den insgesamt 712 Porsches, die beispielsweise genannt wurden, sind solche dabei, die zwar dem Neupreis entsprechen, aber natürlich auch solche, die wesentlich weniger kosteten zum Zeitpunkt der Anschaffung. Zudem gehören diese Autos auch nicht ausschliesslich Privatpersonen, sondern sind oftmals im Besitz von Unternehmen.

Ihrer Meinung nach wurde also alles in einen Topf geworfen?

Auf der einen Seite gibt es diejenigen, die den Neupreis für einen Wagen bezahlen. Auf der anderen Seite sind aber all die Oldtimer-Fans, wie ich einer bin. Wir unterscheiden uns grundlegend von den Sammlern, die einfach das Geld auf den Tisch legen und dann den Wagen mitnehmen. Ich habe für die Restauration meiner Oldtimer viel Zeit, Mühe und liebevolle Kleinarbeit aufgebracht. Für manchen Oldtimer war ich viereinhalb Jahre an der Arbeit. Manchmal sind sogar die Ferien für mein Hobby draufgegangen.

Auffällig ist die hohe Dichte an Luxus-Neuwagen in Liechtenstein aber allemal. Das weckt Neider und zieht Kriminelle an. Passend zum Thema machte die Landespolizei erst kürzlich publik, dass ein gestohlener Ferrari aus Liechtenstein nach zehn Jahren in London entdeckt wurde. 

Das ist interessant, dass Sie das Thema ansprechen. Ich war es nämlich, der diesen Ferrari meldete. Der Sohn meiner in England lebenden Schwägerin ging mit wachen Augen durch die Strassen Londons und sah diesen Ferrari, der mit einer FL-Nummer zum Verkauf ausgeschrieben war. Er rief mich darauf gleich an und teilte mir alles mit. Er schickte mir ein Foto und ich leitete die Angaben an die Landespolizei weiter. Ich wurde darauf hingewiesen, nichts Weiteres zu unternehmen. Die Interpol wurde nämlich eingeschaltet. Nun hoffe ich, dass mein Neffe einen Finderlohn bekommt. (rpm)

25. Okt 2019 / 07:00
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