• SNK im Hotel Sylva in Schaan
    «Wir erleben hier alles», erklärt Dave Leimgruber, der Gründer von SNK.  (Daniel Schwendener)

Verwahrlosung spielt oft eine Rolle

Dave Leimgruber ist Gründer der Firma SNK – sie bietet niederschwellige Sozialarbeit an und stösst damit auf grosse Nachfrage.
Schaan. 

Auf der Holzverkleidung steht in weissen Grossbruchstaben «Hotel Sylva». Ein Schriftzug, der bei vielen Erinnerungen weckt an ein Geburtstagsfest, an ein Sonntagsessen mit der Familie oder ein Abendessen mit der Freundin. Heute beherbergt das ehemalige Hotel die Firma SNK, die sich um Personen kümmert und ihnen eine Bleibe bietet, die es nicht einfach haben im Leben, die 
beispielsweise drogenabhängig sind. Ein Gespräch mit dem Gründer Dave Leimgruber. 

Was unterscheidet euch vom betreuten Wohnen?
Dave Leimgruber: Die Idee hinter der SNK ist einfach: Wir wollen Menschen in Notsituationen – egal ob selbst oder durch Dritte verschuldet – Lösungen anbieten. Der wesentliche Unterschied zu einem «klassischen» betreuten Wohnen ist vor allem, dass wir Menschen aus mehreren Generationen begleiten dürfen. Auch haben wir keine Geschlechtertrennung. Wir wollen in unserer Arbeit eine Art «Familie» sein – darin besteht die Stärke der generationenübergreifenden Arbeit. Zudem bieten wir ein niederschwelliges Angebot an. 

Können Sie den Begriff der niederschwelligen Sozialarbeit genauer ausführen?
Niederschwelligkeit bedeutet in diesem Zusammenhang, dass Menschen, die in Not geraten sind, ganz einfach Zugang zu unserer Arbeit erhalten sollen, ohne irgendwelche Hürden zu nehmen oder in enge Strukturen passen zu müssen. Der Mensch, der diese Angebote in Anspruch nimmt, muss nicht irgendwelche Kriterien erfüllen. Also, er muss nicht abstinent leben, um hier ein Zuhause zu finden. Die Wohnformen sind als Zwischenstation gedacht, die den Zugang zu anderen Fachstellen, Wohnformen und medizinischen Stellen, wie zum Beispiel einen Klinikeintritt in die Psychiatrie, erleichtern sollen. Wir bieten aber auch langfristiges Wohnen an, somit ist unser Angebot nicht ausschliesslich als niederschwellig anzusehen. Meistens kommen die Menschen, die bei uns sind, mit wenig Ressourcen und diese aufzubauen und neue zu erschliessen, ist unser Ziel. So kann anschliessend ein höherschwelliges Angebot wahrgenommen werden, wie zum Beispiel die therapeutische Wohngruppe des Vereins für betreutes Wohnen (VBW).

Sie sprechen von wenig Ressourcen.
Ich meine damit, dass die Klienten auf der einen Seite finanziell schlecht dastehen und auf der anderen Seite auch mit langjährigen Leidensgeschichten zu uns kommen. Meist sind dies psychische Erkrankungen, Suchtprobleme sowie soziale Probleme wie Verwahrlosung oder Vereinsamung. Häufig handelt es sich auch um eine Kombination von vielen «Baustellen».

Ist es schwierig, mit den Menschen zusammenzuarbeiten, oder nehmen sie die Hilfe gerne an?
Wir erleben hier alles. Es gibt Personen, die am Anfang sehr kritisch eingestellt sind oder nur wenig Hilfe annehmen. Häufig erleben wir aber, dass sie mit der Zeit gerne mit den Betreuern zusammenarbeiten. Natürlich gibt es aber auch viele schwierige Situationen in unserer Arbeit, das gehört einfach dazu. 

Wie gross ist der Bedarf für solche Wohnplätze in Liechtenstein? 
Über den exakten Bedarf in Liechtenstein kann vermutlich das Amt für Soziale Dienste besser Auskunft geben. Ich kann aber aus meiner Wahrnehmung sagen, dass der Bedarf gegeben ist. Wir haben zurzeit bis auf einen Platz alle Wohnplätze vergeben. Das bedeutet, 15 von 16 Plätzen sind belegt.

Ist der Bedarf steigend?
Insbesondere im Bereich der niederschwelligen Sozialarbeit und Wohnangeboten haben wir einen steigenden Bedarf. In diesem Jahr hatten wir weit mehr Anfragen als uns zur Verfügung stehende Plätze. 
Werden von euch auch Jugendliche, allenfalls Kinder und Senioren unterstützt?
Wir begleiten bei uns Jugendliche ab dem 18. Lebensjahr bis hin zu Senioren. SNK unterstützt Kinder ambulant, das heisst, in den Familien an ihrem jeweiligen Wohnort.

Wie seid ihr auf den Standort im Hotel Sylva gestossen?
Die Verbindung kam über den aktuellen Besitzer zustande. Eines Tages wurde ich von ihm kontaktiert und wir hatten ein Treffen, um uns kennenzulernen. Schnell wurde klar, dass Visionen und Ideen von beiden Seiten sehr gut zusammenpassen. Im Hotel Sylva sind wir sodann seit 2016 tätig. Zu Beginn mussten wir viel Zeit in die Bauarbeiten investieren, die wir  zusammen mit den Menschen, die wir begleiten, unter Anleitung von Fachpersonen selbst durchgeführt haben. Ein Jahr später waren die Wohnplätze bezugsbereit. Die Umnutzung konnte nun in diesem Jahr definitiv gefestigt werden.

Was musste für diese Umnutzung alles umgebaut werden?
Es war ein langer Weg. Anfänglich mussten wir den unteren Bereich des Hotels klar zum Wohnbereich im ersten Obergeschoss abgrenzen. Dies aus  Brandschutz-Gründen. Der obere Stock mit den ehemaligen Hotelzimmern wurde komplett umgebaut. Das heisst, alle Hotelzimmer wurden von den nostalgischen Tapeten, Vorhängen und Teppichen befreit. Anschliessend wurde alles neu vergipst, verputzt und gestrichen. Danach wurden die Böden erneuert sowie die Elektrik. In alle Zimmer wurde eine Kochnische eingebaut, damit alle acht Zimmer eigenständig funktionieren.

Wie lange können die Personen in den Wohnungen bleiben und inwiefern werden sie dort von der SNK unterstützt?
Die Unterstützung durch SNK ist sehr individuell auf die Bedürfnisse des Klienten angepasst. Es wird grosser Wert darauf gelegt, dass nur soviel Unterstützung geboten wird wie auch nötig ist. Meistens zeigt sich im Verlaufe einer Begleitung, dass die Problemstellungen viel komplexer sind. Dann wird die Unterstützung mehr in Anspruch genommen. Die Menschen werden beim Wohnen, in der Haushaltsführung, bei administrativen Angelegenheiten sowie bei der Freizeitgestaltung unterstützt. Auch begleiten wir, wo nötig, die Menschen zu Terminen bei Ärzten, Therapeuten, oder auch Ämtern. Es ist das Ziel, eine grösstmögliche Selbstständigkeit der Klienten zu erreichen. Es gibt aber auch jene, die langfristig von der SNK unterstützt werden.

Wird euer Angebot vom Staat unterstützt?
Es wird teilweise vom Staat unterstützt. Bis zum heutigen Zeitpunkt hat die SNK aber leider keine Leistungsvereinbarung mit dem Amt für Soziale Dienste (ASD) erhalten. Momentan werden sechs der total 15 Personen durch das ASD finanziert. Dank der Unterstützung durch Stiftungen, Privatpersonen sowie durch die Arbeitsleistungen, die ich selbst im Bereich Coaching und Supervision erbringe, ist es möglich, diese Arbeit in Liechtenstein machen zu können.

Ist eine allfällige Leistungsvereinbarung mit dem Staat in Sicht?
Wir haben Anfang Jahres leider einen negativen Bescheid erhalten, dass das Amt für Soziale Dienste (ASD) keine Leistungsvereinbarung mit uns eingehen möchte. Die Gründe dafür wurden bis heute nicht bekannt gegeben. Vor einigen Monaten fand ein weiteres Gespräch mit der Leitung des ASD statt, ohne weiteren Erfolg. Dies ist der aktuelle Stand unserer Bemühungen. Trotzdem werde ich alles daran setzen, dass unsere Arbeit weitergehen kann. Auch weil wir schon viele Erfolge in der Zusammenarbeit mit den Menschen, die wir begleiten dürfen, erzielen konnten.

Erfolge?
Einige Klienten können nach ihrer Unterstützung durch die SNK nun wieder ein geregeltes Leben führen. So musste bisher niemand nach der Begleitung noch weitere Unterstützung in Anspruch nehmen durch ein weiteres betreutes Wohnen oder therapeutische Fachstellen. (qus)

26. Okt 2019 / 16:03
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