• Alpenland Verlag, Schaan
    Gutenberg-Geschäftsführer Norbert Hasler erläutert den Druckvorgang.  (Tatjana Schnalzger)

Die Büchermacher aus Schaan

Der zur Gutenberg AG gehörende Alpenland Verlag begleitet private Buchprojekte von A bis Z, publiziert aber auch eigene Titel.
Schaan. 

Den meisten Liechtensteinern – der berühmte Namenspatron ist daran mit Sicherheit nicht ganz unschuldig –  dürfte die Gutenberg AG vornehmlich als Druckerei bekannt sein. Doch der 1927 gegründete Schaaner Traditionsbetrieb hat noch andere Facetten zu bieten. Den Alpenland Verlag beispielsweise. 

Mit dem primären Ziel, eigene Druckerzeugnisse publizieren zu können, hatte Gutenberg-Gründer Hans Nescher relativ schnell den Einstieg ins Verlagswesen angestrebt. 1930 entsprach die Regierung schliesslich seinem Wunsch und stellte die damals noch erforderliche staatliche Bewilligung aus. Seither hat der Alpenland Verlag seinen festen Platz in der Unternehmensstruktur und einen wesentlichen Teil zum Gedeihen des Betriebs beigetragen. Vom jährlichen Gesamtumsatz der Gutenberg AG, sagt Norbert Hasler, der die Geschäftsführung 2016 von Firmeninhaber Remi Nescher übernahm, gehen heute gut 
20 Prozent auf deren Verlagsgeschäfte zurück. Allerdings spielt die ursprüngliche Intention, eigene Bücher und Magazine zu veröffentlichen, dabei nurmehr eine Nebenrolle. Die Haupttätigkeit besteht in der Ausführung externer Aufträge. «In der Regel», so Hasler, «kommen Personen zu uns, die ein Buch machen wollen und dafür unsere Hilfe benötigen.»

Diese Hilfe umfasst – je nach Bedarf – so ziemlich alles, was im Zuge einer Buchproduktion an Arbeit anfallen kann. Es ist denn auch vor allem diese Bandbreite an angebotenen Dienstleistungen, die das Verlagswesen für die Gutenberg AG zu einem wichtigen ökonomischen Faktor gemacht hat. «Dadurch», erklärt der Geschäftsführer, «sprechen wir viele Kunden an, die ansonsten wohl nicht den Weg zu uns finden würden. Menschen, deren tägliches Business etwas anderes ist als das Herausgeben von Büchern, und die deshalb froh sind, wenn sie alles aus einer Hand geliefert bekommen und sich nicht für jeden Schritt an eine neue Stelle wenden müssen.»

Von der Finanzierungshilfe bis zur E-Book-Produktion
Durch das vieldimensionale Aufgabenspektrum eines Buchprojekts ist das Unternehmen laut Hasler meist in seiner Gesamtheit gefordert: «Am Ende war in aller Regel jeder der 35 Gutenberg-Mitarbeiter in irgendeiner Art und Weise an der Entstehung eines Buches beteiligt.» Der Verlag begutachtet Manuskripte, entwickelt gemeinsam mit den Auftragsgebern ein Konzept, unterstützt bei der Budgetplanung und der Suche nach Finanzierungsmöglichkeiten, bietet Korrektoratsdienste und Übersetzungen an, kümmert sich um die Listung der Bücher, führt – dank des intern verfügbaren technischen Equipments – den gesamten Herstellungsprozess durch,  produziert, sofern gewünscht, eine E-Book-Version des Druckerzeugnisses und kümmert sich zu guter Letzt auch um den Vertrieb. Letzteres umfasst neben der Belieferung von Buchhandlungen auch die Integration in den hauseigenen Vertriebskanal «Buchzentrum.li». Der Webshop, erklärt Norbert Hasler, beschränke sich ganz auf Bücher aus und über Liechtenstein. «Wer etwas aus diesem Bereich sucht, wird in der Regel bei uns fündig.» Gegenwärtig sind dort rund 600 Titel erhältlich.

«Der Aufwand kann gross sein»
Wird ein von einer externen Person in Auftrag gegebenes Buch, das im Alpenland Verlag erschienen ist, dann verkauft, erhält die Gutenberg AG jeweils 25 Prozent des Erlöses. Der Rest gehört dem Autor. Bis dahin, weiss Hasler, hat dieser freilich auch oft schon einiges investiert. «Die Beträge, die fällig werden, hängen selbstverständlich davon ab, was vonseiten des Auftraggebers bereits an Vorarbeit geleistet wurde. Aber man sollte die Produktion eines Buches auf jeden Fall nicht unterschätzen. Der Aufwand kann gross sein.»
Doch er ist es den Kunden offenbar wert. Das Geschäft mit externen Buchprojekten  hat sich für den Alpenland Verlag nicht umsonst so zufriedenstellend entwickelt. Trotzdem stammen die erfolgreichsten Publikationen der Verlagshistorie aus dem eigenen Haus. Vor allem mit Bildbänden habe man in der Vergangenheit punkten können, weiss Norbert Hasler. «Brauchtum Liechtenstein» sei hierfür ein Beispiel, «Panorama Liechtenstein» ein anderes. Letzteres, ergänzt er, sei mittlerweile in acht Sprachen – Deutsch, Englisch, Italienisch, Spanisch, Französisch, Japanisch, Chinesisch und Russisch – erhältlich. «Vor allem bei Firmen mit Kunden im Ausland sowie bei Touristen ist es sehr gefragt.»

Eigene Publikationen wieder stärker gewichten
Womöglich wird sich der Verlag schon in nicht allzu ferner Zukunft über einen weiteren Bestseller aus der hausinternen Projektschmiede freuen können. Die im Unternehmen angelegte Tradition eigener Veröffentlichungen soll laut Norbert Hasler jedenfalls schon bald wieder stärker mit Leben gefüllt werden. Erste Ideen seien bereits vorhanden, verrät er – unter anderem für zwei Kochbücher. «Beim einen läge der Fokus auf traditionellen Gerichten, beim anderen auf Männern als spezieller Zielgruppe.» Nicht, dass diese per se nicht kochen könnten, wie Hasler betont. «Aber ich zum Beispiel bekomme Probleme, sobald ich mehrere Dinge gleichzeitig zubereiten muss. Dass alles miteinander fertig wird, ist dann eine ziemlich grosse Herausforderung.» Ein Kochbuch inklusive rezeptbezogenem Zeitmanagement, glaubt der Geschäftsführer, hätte mitunter das Potenzial, diesem Problem entgegenwirken. Einen Versuch könnte es allemal wert sein. (bo)

26. Okt 2019 / 16:22
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