• Johannes Inama, Ruggell
    Fühlt sich bei den Ruggellern wohl und weiss das «das Haus der Begegnung mit musealem Charakter» zu schätzen: Johannes Inama.  (Tatjana Schnalzger)

«Unser Haus ist offen für alle»

Seit 2004 ist seine museale Heimat das Küefer-Martis-Huus in Ruggell. Ein Gespräch mit Leiter Johannes Inama.

Seit 2004, nach zehn Jahren Tätigkeit im Jüdischen Museum in Hohenems, sind Sie Leiter des Küefer-Martis-Huus. Wie kam es, dass Ihr Weg Sie nach Ruggell führte?

Johannes Inama: Nach den Jahren im Jüdischen Museum, dessen Hauptaspekte durchaus auch schwierig und belastend waren, wünschte ich mir ein anderes, breiteres Themengebiet. Ich kündigte dort und habe dann zufällig das Stelleninserat von hier gelesen, kannte den Berater, der hier die Museumsentwicklung des Küefer-Martis-Huus begleitete. Er war der Meinung, ich würde gut hierher passen, ich bewarb mich und es klappte.

Welche Erfahrungen aus der Zeit im Jüdischen Museum  konnten Sie hier in Ruggell einfliessen lassen? 

Die Aufgaben während der zehn Jahre im Museumsbereich – vor allem in einem Museum, das international sehr angesehen ist, ein schwieriges Thema behandelt und stets unter Beobachtung steht – waren sehr komplex. Davon profitiere ich heute noch. 

Über welchen Ausbildungshintergrund verfügen Sie?

Studiert habe ich Germanistik und Kunstgeschichte, arbeitete aber bereits während des Studiums im Ausstellungsaufbau und bei Tischlern. Hier im Küefer-Martis-Huus liegt mein Aufgabengebiet sowohl im inhaltlichen und organisatorischen Bereich als auch beim Ausstellungsaufbau, wo ich selbst Hand anlege und zupacke – für mich die perfekte Kombination

Ihr Lieblingsplatz im Haus? Oder gibt es mehrere?
Ja, es gibt mehrere. Gerne bin ich bei Veranstaltungen draussen in der Werkstatt. Der Raum ist sehr karg eingerichtet und es gibt dort von Kunstinstallationen bis zu Apéros – im Winter sogar Zusammenkünfte in der Kälte (lacht), wie z. B. das «Adventslicht» – so ziemlich alles. Und es ist ein Raum, der sich je nach Nutzung anders anfühlt. 

Ist das Haus im Winter ordentlich warm? Wie wird geheizt?
Das Gebäude ist 2000 saniert und gedämmt worden. Wir haben eine Zentralheizung und auch der Kachelofen wird möglichst oft angefeuert. Vom Raumklima her ist das Haus sehr angenehm: Im Sommer kühl, im Winter gut warm.

Neben Ihrer 50 %–Tätigkeit im Küefer-Martis-Huus sind Sie freiberuflich als Redakteur, Autor und Ausstellungskurator für diverse Institutionen und Projekte tätig ...

Ja, meine freiberufliche Tätigkeit ist ein zusätzliches Einkommensfeld und sehr projektabhängig. Seit langem arbeite ich mit unterschiedlichen Institutionen und Partnerbüros zusammen – manchmal intensiver, manchmal weniger. Um dieses Standbein hier in Ruggell bin ich sehr froh, die Kombination ist für mich ein Glücksfall. 

Gibt es, Vorarlberg und Liechtenstein verglichen, im musealen Bereich Unterschiede hinsichtlich der Verwaltung, Arbeits- und Herangehensweise, bzw. in welcher Weise unterscheidet sich die Kulturlandschaft?

Grundsätzliche Unterschiede existieren eher nicht. Höchstens, dass es in Vorarlberg einige grössere Städte bzw. Einrichtungen gibt, die schon länger bestehen, ein breiteres Einzugsgebiet aufweisen und insofern vielleicht grössere Herausforderungen darstellen. Man arbeitet hier genauso professionell und wenn notwendig kreativ improvisierend wie in Vorarlberg, jedoch hat sich Liechtensteins Museumslandschaft in den letzten Jahren stark verdichtet, weitere ähnliche Einrichtungen wie das Küefer-Martis-Huus sind entstanden. In der Arbeitsgruppe der «Museen und Kulturhäuser» arbeiten wir, sprich die Vertreter dieser Kultureinrichtungen, sehr eng zusammen, treffen uns regelmässig.

Das Küefer-Martis-Huus ist gemäss Webseite ein «Haus der Begegnung mit musealem Charakter» ... 

Diese Beschreibung versuchen wir immer wieder zu erfüllen.  Da ich den Anspruch habe, Themen auch grenzübergreifend zu bearbeiten, sprich, nicht nur Ruggeller, sondern auch die Bewohner des angrenzenden Rheintals anzulocken, ist es sozusagen eine Gratwanderung, die jedoch recht gut funktioniert.

Mit volksnahen, verständlichen Ausstellungen zu Themen wie dem Wolf oder dem Biber hat sich das Haus einen Namen gemacht. Auch die laufende, «Begrenztes Land», kommt gut an. 
Dieses Gefühl bestätige ich gerne und meine, dass diese Wahrnehmung inzwischen auch von aussen so ist. Wir versuchen, die aktuellen Debatten im Land aufzugreifen, diese für ein breites Publikum verständlich aufzubereiten und ansprechend zu präsentieren. 

Schülergruppen besuchen das Haus, monatlich treffen sich die Senioren zum Jassen. Setzen Sie sich auch mal dazu? 

Bei Seniorenanlässen setze ich mich gerne mal dazu. Bei den Jassern würde ich wohl eher stören, da ich nicht gut jassen kann und es deshalb auch nicht gerne tue (lacht). 

Wie sieht Ihr kommendes Jahr im Küfer-Martis-Huus aus? 

Das Programm 2020 steht im Grossen und Ganzen. Die erste Ausstellung zum Thema «Verdingkinder», die wir ab Januar zeigen, ist bereits seit längerem in Vorbereitung, aufbauend auf einer bestehenden Ausstellung des international tätigen Fotografen Peter Klaunzer, welche eine Fotoserie mit Porträts von ehemaligen Verdingkindern umfasst. In der zweiten Jahreshälfte stehen die Wildbienen im Mittelpunkt – eine Ausstellung, bei der wir mit dem Naturmuseum Chur zusammenarbeiten. Wie man sieht, gehen uns die Themen – sie werden teilweise von aussen an uns herangetragen oder entwickeln sich gemeinsam mit der Kulturkommission – nicht aus. 

Und die weitere Zukunft?
Was die Entwicklung des Hauses anbelangt, sind wir daran, ein Gremium zu schaffen, das mit über die Zukunft nachdenkt und so längerfristig die Ausrichtung des Hauses begleitet – eine spannende Sache. Persönlich kann ich mir gut vorstellen, noch ein paar Jährchen zu bleiben – vorausgesetzt, die Ruggeller sind einverstanden (lacht).  

Interview: Gabi Eberle

Zur Person

Johannes Inama, geboren 1961, studierte Germanistik und Kunstgeschichte. Von 1993 bis 2004 war er im Jüdischen Museum Hohenems tätig, davon die letzten beiden Jahre als Leiter. Im Anschluss übernahm er die Leitung des Küefer-Martis-Huus in Ruggell. (ge)

 

29. Aug 2019 / 11:52
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