• Daniel Mathis
    Daniel Mathis in der Kleidung eines schwedischen Wikingers.

In der Freizeit auf Zeitreise

Das Frühmittelalter hat es dem Ruggeller Daniel Mathis angetan. Seine Faszination lebt er auf vielfältige Weise aus.

Nicht, dass hier der Eindruck entsteht, Daniel Mathis habe mit dem Hier und Jetzt seine liebe Mühe. Das Gegenteil ist der Fall. «Ich fühle mich in der Gegenwart sehr zu Hause», betont der gebürtige Ruggeller. Und mehr noch: «Ich freue mich auch auf die Zukunft.»

Dass der gebürtige Ruggeller diese Dinge gegenüber anderen gelegentlich geraderücken muss, kommt freilich nicht von ungefähr. Daniel Mathis hat sein Herz ein klein wenig an die Vergangenheit verloren, genauer ans Mittelalter, noch genauer ans Frühmittelalter. Jene Phase also, die den grössten Teil der gut 1000 Jahre umfassenden Epoche ausmacht. Vor allem die andere Lebensweise «ohne die heutige Hektik» fasziniere ihn, erklärt er. Aber ebenso die klaren Rollenverteilungen in Beruf und Gesellschaft sowie die vielen Handwerkskünste.

Über 1000 Jahre zurück in der Zeit
Wachgeküsst worden ist sein Faible vor gut zehn Jahren. Dabei sei es ihm gegangen wie vielen anderen, erzählt Mathis. «Ich habe erste Mittelaltermärkte und -feste besucht und sofort Gefallen an Essen, Musik und der gesamten Atmosphäre gefunden.» Allerdings merkte er schon bald, dass es ihm nicht recht gelingen wollte, zum Kern der Sache vorzustossen. «Die meisten dieser Veranstaltungen, aber auch meine damalige Gewandung waren alles andere als authentisch.»
Weil er sich mit einer oberflächlichen Annäherung nicht zufriedengeben wollte, begann er zu recherchieren. Stück für Stück tauchte er weiter ein in eine Welt, die zeitlich so weit entfernt, ihm persönlich aber ungemein nah war, und begab sich auf die Suche nach einem Platz darin. Gefunden hat er ihn in Form einer Darstellung eines schwedischen Wikingers, der um 950 n. Chr. in Birka lebte. «Mir gefallen Kleidung und Schmuck aus dieser Zeit und Region», begründet er sein Wahl. Ausserdem gebe es viele von dort stammende Grabfunde, anhand derer sich die Darstellung gut rekonstruieren lasse.

Seit 2013 Präsident des Mittelalter Vereins
Mehrere Jahre begab er sich fortan als Wikinger auf Märkte, kehrte der realen Existenz teils über Tage hinweg den Rücken und zelebrierte seine Leidenschaft mit Gleichgesinnten.  Mittlerweile tut er das nicht mehr in der gleichen Regelmässigkeit. Das Feuer jedoch lodert unverändert in ihm. «Die Zeitreise spielt sich jetzt einfach mehr in den eigenen vier Wänden ab», sagt Mathis. Dort widmet er sich dann diversen Handwerken, näht – im Sinne der Authentizität natürlich von Hand – neue Kleidung und baut seine Darstellung immer weiter aus.

Parallel dazu engagiert er sich im 2013 gegründeten Mittelalter Verein Liechtenstein, dem er nicht nur als Mitglied angehört, sondern auch als Präsident vorsteht. «Immer wieder mal gehen Mitglieder gemeinsam zu Veranstaltungen oder treffen sich, um sich auszutauschen und ihren Handwerken nachzugehen» erzählt der 34-Jährige. Auch das Wälzen von Büchern und Museumsbesuche sind ihm und seinen Kolleginnen und Kollegen wohlvertraute Aktivitäten.

Das Hauptaugenmerk des Vereins aber liegt auf der Organisation des «Heerlagers zu Schellenberg», das alljährlich zahlreiche Menschen auf die Obere Burg Schellenberg lockt. «Die Veranstaltung ist weit und breit die einzige ihrer Art und mittlerweile für die Mittelalter-Szene wie für die Bevölkerung nicht mehr wegzudenken», weiss Mathis. Aber auch dem Verein selbst liege sie sehr am Herzen.
Dementsprechend werden die mit der Organisation und Durchführung verbundenen Mühen nur zu gerne in Kauf genommen. Für die OK-Mitglieder sei die Arbeit immens und beginne jeweils schon direkt nach Abschluss des Heerlagers. «Aber auch unsere Leute, die für den Auf- und Abbau zuständig sind, leisten jeweils Grossartiges, und das oft schon lange im Vorfeld des Anlasses.» Ebenso wie die vielen freiwilligen Helfer, die den Verein unterstützen: «Ohne sie wäre die Veranstaltung gar nicht mehr durchführbar.»

Es ist noch lange nicht Schluss 
2022 wird das Heerlager zu Schellenberg seine zehnte Auflage erleben. Daniel Mathis wird auch dann noch als Präsident an Bord sein. Er mache sich jetzt schon Gedanken, wie das Jubiläum begangen werden könnte, sagt er. Doch auch abseits davon wird ihn das Mittelalter nicht so schnell loslassen. «Ich werde noch einige Zeit an meiner aktuellen Darstellung zu tun haben», ist sich der Ruggeller sicher. Ausserdem biete das Mittelalter noch viele weitere reizvolle Möglichkeiten. Irgendwann, hofft er, wird er eine komplette Darstellung auf Museums-Niveau sein Eigen nennen und präsentieren können. Das, so Mathis, sei sein grosses persönliches Ziel. Kein Wun­der, freut sich da einer auf die Zukunft. (bo)

30. Aug 2019 / 10:54
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