Idealisten halten die Alp am Leben

Die in Vorarlberg gelegene Alp Fahren-Ziersch war früher für die Ruggeller Bevölkerung überlebenswichtig. Heute hat sie historischen Wert.

Die Alpbewirtschaftung in Liechtenstein ist mehr als nur Tradition. Neben der heutigen Bestrebung, die Alpen zu erhalten, waren sie früher essenziell für die Bevölkerung, welche hauptsächlich von der Landwirtschaft lebte. Der nutzbare Boden zwischen Rhein und Bergen war begrenzt und reichte nicht aus. Deshalb liessen die Bauern ihr Vieh auf den Alpen weiden. Bedingt durch die historische Entstehung des Landes besitzen die Unterländer Gemeinden jedoch keine Alpen in Liechtenstein. Die Landwirte mussten Alpen in Vorarlberg erwerben. «Wie gross war wohl vor 100 und 200 Jahren die Not der Bevölkerung, dass die Landwirte in Vorarlberg Alpen gekauft haben und jedes Jahr mit dem Vieh den beschwerlichen Fussmarsch von bis zu zwei Tagen auf sich nahmen», sagt der Ruggeller Altvorsteher Ernst Büchel und Vorstandsmitglied der Alpinteressentschaft Fahren-Ziersch. Die Ruggeller Alp Fahren-Ziersch im Montafoner Rellstal, deren Geschichte bis ins 17. Jahrhundert zurückgeht, ist eine der sechs Unterländer Alpen.

Heimlich an der Tür gelauscht

Über mehrere Jahrhunderte wurden Fahren und Ziersch getrennt bewirtschaftet. Die Voralp Rells beweideten die Landwirte gemeinsam. Wie aus einem Bericht im Ruggeller Gemeindeblatt «Nordwind» hervorgeht, wird erzählt, dass die alte Hütte im Rells zwei Türen hatte. Beriet die eine Gruppe etwas, so haben die anderen heimlich an der Türe gelauscht. 1952 erfolgte nach langem 
Hin und Her der Zusammenschluss der beiden Alpen, «in der Absicht, die Nutzung und Bewirtschaftung dieser Alpen in gemeinschaftlicher Arbeit zu fördern.» Für die Ruggeller und auch einige Gampriner Landwirte war die Alp Fahren-Ziersch bis vor rund 40 Jahren von grosser Bedeutung.

Historisch wichtige Bedeutung
Auch wenn die Alpwirtschaft heute noch ein wichtiger Bestandteil der Landwirtschaft ist, hat sie an Bedeutung verloren. «Der Bezug zu den Alpen hat aus verschiedenen Gründen abgenommen. In Ruggell ha­ben wir beispielsweise noch sieben Landwirtschaftsbetriebe», erklärt Ernst Büchel. Trotzdem ist die Alp Fahren-Ziersch immer noch wichtig. «Es ist die historische Bedeutung, da die Alp für unsere Vorfahren lebenswichtig war. Deshalb soll die Alpe für kommende Generationen erhalten bleiben.»

Begeisterung für Fronarbeit lässt nach

Für den Erhalt der Alp setzt sich die Alpinteressentschaft ein, welche aus 51 Eigentümern besteht – 45 aus Ruggell und sechs aus Gamprin. Die Mitglieder sind verantwortlich, dass die Anlagen erhalten bleiben sowie die Weidegründe und die Gebäude gepflegt werden. Jedes Mitglied hat pro Weiderecht jährlich mindestens einen halben Frontag zu leisten. Werden diese Arbeitseinsätze nicht erbracht, so ist ein vom Alpausschuss bestimmter Einsatz von Geld zu leisten. Die Begeisterung, Fronarbeit zu leisten, werde aber immer geringer, so Ernst Büchel: «Die notwendigen Arbeiten auf der Alp können nur durch eine Gruppe von Idealisten verrichtet werden.»

Wegen Rinderseuche kein Liechtensteiner Vieh

Es gibt allerdings noch einen weiteren Wermutstropfen: Seit dem Ausbruch der Rinder-Tuberkulose (TBC) im Jahr 2014  in Vorarlberg wird kein Vieh mehr aus Liechtenstein und der Schweiz nach Vorarlberg gebracht. Auch wenn eine Bestossung durch Vieh aus Liechtenstein nicht verboten wäre, ist das Risiko zu gross. Denn bei einem Ausbruch der Seuche hätte der Landwirt sämtliche Kosten zu tragen. Den Alpmeistern ist es jedoch gelungen, von Bauern aus Vorarlberg Vieh zu finden. Auf der Alp Fahren-Ziersch sind dies 145 Einheiten, die aus Rindern und Kälbern bestehen. 
Die Bewirtschaftung und Betreuung der Tiere übernimmt eine Familie aus Vorarlberg. Die Käserei wurde Ende der 1950er-Jahre eingestellt. Seither wird die Alpe nur noch mit Jungvieh bestossen. 

Langer Winter: Grossprojekt verschoben

Der Alpsommer verlief laut Ernst Büchel bisher ohne Zwischenfälle. Es ist genügend Wasser und Futter für die Tiere vorhanden. Die Saison dauert normalerweise bis 20. September. Das Vieh verbringt im Durchschnitt etwa 105 Tage auf der Alp. «Es ist jedoch fraglich, ob wir diese Alptage erreichen können, da im Frühjahr der Alpauftrieb wegen des langen Winters um eine Woche verzögert wurde.» 
Doch nicht nur dem Alpauftrieb hat die langanhaltende Schneedecke in den Bergen 
einen Strich durch die Rechnung gemacht. Im Frühling sollte ein Grossprojekt auf Fahren-Ziersch starten: Die Sanierung und Erweiterung der Wasserversorgung, für welche der Ruggeller Gemeinderat 56 348 Euro gesprochen hat. Das Vorhaben musste verschoben werden. Das Projekt wird nun in zwei Etappen, eine im Herbst und eine im kommenden Frühjahr, ausgeführt. (manu)

30. Aug 2019 / 11:02
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