• Dietmar Nigsch
    Dietmar Nigsch zog wegen der Liebe zur Musik in die Welt hinaus. Nach mehreren Wanderjahren führte sie ihn nicht nur wieder zurück in seine Heimat Vorarlberg, sondern auch nach Ruggell.  (zvg)

Herzblutmusiker gibt in Ruggell den Takt an

Dietmar Nigsch hat Anfang dieses Jahres die Position als Dirigent des Musikvereins Frohsinn Ruggell von Wolfgang Hasler übernommen.

Schon wenige Sekunden im Gespräch mit Dietmar Nigsch wird offensichtlich, dass er für die Musik lebt. Es ist eine Leidenschaft, die als Mitglied des Musikvereins von Thüringen schon in jungen Jahren aufgeflammt ist. «Ich wollte immer der beste Posaunist werden, der ich sein kann», erzählt er. Seine Wanderjahre führten ihn nach Wien (Universität MDW), New York (Juilliard) und Rotterdam (Konservatorium). 2005 gewann er den internationalen Emory Remington Wettbewerb in New Orleans. Beruflich spielt der Blechbläser vor allem klassische Musik, gerne auch mit Originalinstrumenten aus der Renaissance und dem Barock. Als Teil von symphonischen Besetzungen ist der Vorarlberger unter anderem schon in der Wiener Staatsoper sowie an den Bregenzer Festspielen aufgetreten. 
Mittlerweile ist Dietmar Nigsch in seine Heimat zurückgekehrt und allmählich sesshaft geworden; erst kürzlich hat er mit seiner Frau die Planung für ein Haus in Zwischenwasser aufgenommen. Nachdem der Vorarlberger im Ausland so viel erlebt hatte, sei es der nächste logische Schritt gewesen, sein musikalisches Wissen weiterzugeben. Seit 2013 unterrichtet Nigsch an der Musikschule Rankweil, zudem ist er im Gymnasium Feldkirch tätig. Was ihn motiviert, ist das Streben nach einer vollständigen Musikpersönlichkeit. Deshalb sind Posaune spielen, Stücke arrangieren und Dirigieren für ihn alles Teil von ein und demselben. Als nächsten Abschnitt dieses Prozesses hat er Anfang Januar die Position als Dirigent des Musikvereins Frohsinn Rug­gell von Wolfgang Hasler übernommen, der acht Jahre im Amt war und nach dem Herbstkonzert 2019 aus beruflichen Gründen zurücktrat. «Jetzt habe ich hoffentlich die Reife für so eine verantwortungsvolle Position», lacht der 42-Jährige.  
Zum ersten Mal führt Nigsch nun einen Musikverein als Dirigent an – vorher hatte er den Stab nur für zeitbefristete Projekte in der Hand. Nichtsdestotrotz sammelte er schon früh Führungserfahrung, zum Beispiel leitete er in seiner Heimat Thüringen mit 17 Jahren die Jungmusik und absolvierte die entsprechenden Ausbildungen. Während er als Posaunist bei Konzerten eine gewisse Nervosität spürt, sei dies als Dirigent hingegen vor den Proben der Fall. Sobald ein Konzert beginnt, sollte er seine Aufgabe nämlich erfüllt haben und die Musiker müssen abliefern.

Kurz nach dem Einstieg folgte die «grosse Zäsur»
Die Mitglieder der «Frohsinn» dürfen sich geehrt fühlen. Vergangenes Jahr haben verschiedene Vereine, die auf der Suche nach einem Kapellmeister waren, bei Dietmar Nigsch angeklopft. Bei den ersten Anfragen habe er gezögert, doch der Reiz wurde immer grösser. Gaston Öhri, selber Musiklehrer und Dirigent des Musikvereins Konkordia Gamprin, machte ihn schliesslich auf die Anzeige in Ruggell aufmerksam. «Er ist ein ähnlicher Typ wie ich. Daher hatte ich ein gutes Gefühl bei der Sache», folgte Nigsch der Empfehlung seines Freundes. Nach ersten Gesprächen mit dem Vorstand und einer ersten Probe in Ruggell waren beide Seiten voneinander überzeugt: «Vom ersten Moment an war eine gegenseitige Wertschätzung da. Liechtenstein hat eine ähnliche Kultur wie Vorarlberg.» 
Gerade erst hatte er die Mitglieder des Vereins kennengelernt, schon folgte Mitte März «auf einmal die grosse Zäsur». Zwei Monate lang konnte Nigsch aufgrund des Coronavirus den Kontakt zu ihnen nur per Telefon und Chat aufrechterhalten, musiziert wurde nur noch individuell. Eine recht frustrierende Situation für den neuen Dirigenten sowie seine Schützlinge, die diesen Monat eigentlich an einem Bewertungsspiel auftreten wollten. 

Ab Freitag wird wieder geprobt
Doch die Vorfreude steigt wieder, denn mittlerweile ist «ein Licht am Horizont» erkennbar. Ab Freitag, 15. Mai, darf immerhin im reduzierten Rahmen wieder geprobt werden. Soll heissen, jeweils vier Musiker und der Dirigent. Entsprechend den Schutzvorgaben wird Nigsch, der seine für den Grenzübertritt notwendige Arbeitsbewilligung bereithält, die Vereinsmitglieder in mehrere kleinere Ensembles aufteilen. Zwar könne man sich vorerst nicht in der kompletten Besatzung treffen, dennoch erkennt der neue Dirigent auch positive Seiten darin. Gerade aus pädagogischer Sicht können die Mitglieder des Musikvereins Frohsinn davon profitieren. «Jetzt kann sich keiner in der Probe verstecken. Jeder muss die Hose runterlassen», erklärt der Vorarlberger. Gleichzeitig lernt er so die Stärken und Schwächen der einzelnen Vereinsmitglieder besser kennen, was für ein gegenseitiges Vertrauen sorgt: «Wenn ich das nächsten Mal das Programm aussuche, weiss ich, was ich ihnen zutrauen kann und worauf ich achten muss.» 
Nach dem Probestart sollen irgendwann auch wieder Auftritte stattfinden. Bei allem Verständnis für die aktuelle Situation lieber früher als später, wenn es nach dem Gusto des Vorarlbergers geht. Der bislang einzige Termin auf dem Kalender des Musikvereins Ruggell ist gleichzeitig der Höhepunkt des Vereinsjahres: das traditionelle Herbstkonzert am 21. November. Mit den Proben hierfür möchte Nigsch noch nicht beginnen, da es hierfür zu früh sei. Stattdessen wird er in den Ensembles ein Unterhaltungsprogramm für den Spätsommer einstudieren. Sollten vorher ­keine Veranstaltungen möglich sein, werden Onlinevideos in Betracht gezogen. «Ehrlich gesagt habe ich immer noch die Hoffnung, dass wir schon vor dem Herbstkonzert in der gesamten Gruppe spielen können», verrät der Dirigent. Und auch in dieser Aussage zeigt sich: Dietmar Nigsch ist Musiker mit Leib und Seele. (gk)

Serie – Teil 41
Das «Vaterland» hat sich bei freien Kulturschaffenden, die im In- und Ausland arbeiten, erkundigt, wie es ihnen derzeit geht und was die derzeitige Lage für sie konkret bedeutet. Heute mit Dietmar Nigsch, dem Dirigent des Musikvereins Frohsinn Ruggell. Weitere Kulturschaffende folgen. 

12. Mai 2020 / 20:10
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