24-Stunden-Kita in Ruggell: Die Bilanz nach vier Jahren

Vier Jahre ist es her, seit die 24-Stunden-Kita in Ruggell eröffnet wurde. Die Leiterinnen ziehen Bilanz und erzählen vom Kita-Alltag.

Flink tapst ein kleiner Junge durch die Gänge der Kita, die Erzieherin läuft ihm hinterher. Zwei andere Kinder putzen im Badezimmer die Zähne, während im Nebenzimmer ein Baby in seiner Wiege selig ein Mittagsschläfchen macht. Ein ganz normaler Tag in der 24-Stunden-Kita im Kokon in Ruggell. Man könnte fast meinen, es sei ein Tag wie in einer grossen Familie. Genau so sollen sich die Kinder auch fühlen, erklären die Kita-Leiterinnen Daniela Cantaffa und Nicole Feger: «Wir sind nichts anderes als eine zweite Familie für die Kinder, wo sie ganz viele Geschwister haben.» Dass es so ruhig zu- und hergeht, wie an diesem Tag, ist eher die Ausnahme als die Regel, wissen die Kita-Leiterinnen.

Nachdem sie ihre letzte Stelle verlassen hatte, fasste Da­niela Cantaffa den Entschluss, selbst eine Kita zu eröffnen. Zusammen mit ihrer Kollegin Nicole Feger entschied sie sich aufgrund der Nähe zur Industrie für den Standort Ruggell. In dieser Branche besteht der grösste Bedarf nach einer ganztägigen Betreuung: «Viele Eltern arbeiten schichtweise. Damals fehlte im Land noch ein Angebot zur 24-Stunden-Betreuung.»
Derzeit betreuen die beiden 20 Kinder, teilweise bereits frühmorgens oder auch bis in den späteren Abend. In der Nacht werden fünf Schlafplätze angeboten; jedoch sind die Plätze derzeit nicht belegt. «Wir würden uns freuen, würden mehr Eltern, die während der Nacht arbeiten müssen, dieses Angebot nutzen», so Feger. Derzeit gebe es aber zu wenige Nachfragen, sodass es der Kita finanziell nicht möglich ist, auch während der Nacht eine Betreuerin zu beschäftigen.

Bereits mit 18 Monaten  in die Kita

Von wenigen Monaten bis sechs Jahre alt sind die Kinder, welche die Kita besuchen. «Erstaunlicherweise kriegen wir am meisten Anfragen von Eltern mit Babys», so Cantaffa. Viele seien sogar unter 18 Monaten. «Meines Erachtens, gerade weil ich selbst Mama bin, ist das viel zu früh», so Nicole Feger. Es sei sowohl für das Kind, welches erst die tiefe Beziehung zu den Eltern aufbaut, als auch für die Mutter, die sich schon wieder von ihrem Neugeborenen trennen muss, eine schwere Situa­tion. Meistens sei es anders aber gar nicht möglich: «Die Karenzzeit ist nach vier Monaten vorbei, unbezahlten Urlaub können sich nur wenige leisten», ergänzt Cantaffa.

Kita-Rettung in letzter Not

Finanziell gesehen ist es aber auch für die Kita teilweise schwierig. «Glücklicherweise bekommen wir nun auch Subventionen vom Land», so Cantaffa. Das sei nicht immer so gewesen, lange hätten sie dafür gekämpft. Jedoch können sie von den Subventionen nur teilweise profitieren: «Wir befinden uns in grenznahem Gebiet. Entsprechend besuchen uns auch Kinder aus dem nahen Ausland», erklärt Feger. Nur durch die Unterstützung von den Investoren des Kokons sei es möglich gewesen, dass die Kita bis jetzt überlebt hat. «Darüber sind wir unglaublich dankbar», erklären sie.

Denn mit der Kita haben sie sich einen Traum erfüllt. Je­doch sei die Anfangsphase, in der sie mit ungewohnten Dingen wie der Gründung einer Firma und der neuen Verantwortung als Arbeitgeber konfrontiert waren, sehr intensiv und anstrengend gewesen. Trotz dieser schweren Momente hätte sie die Motivation aber nie verloren: «Die Kinder geben einem unglaublich viel zurück. Und auch die Dankbarkeit der Eltern ist motivie­rend», so Cantaffa.

Keinen Nachtplatz für einen Kinobesuch

Mit den Eltern versuchen die Kita-Leiterinnen stets das Gespräch zu suchen. «Für uns ist wichtig, dass wir stets miteinander kommunizieren. Gerade in Erziehungsfragen gibt es nämlich unterschiedliche Ansichten.» Es gebe aber auch Dinge, die nicht zur Diskussion stehen würden: «Wir wurden einmal für einen Kita-Platz angefragt, damit die Eltern in die Ferien oder ins Kino gehen können.» Die Kita-Plätze in der Nacht seien aber nur für Eltern vorgesehen, denen es aufgrund von Schichtarbeit nicht möglich ist, während der Nacht zu Hause zu sein. Zur Weihnachtszeit gebe es aber ein «Zückerli»: «Die Kinder können eine Nacht bei uns bleiben, sodass die Eltern zu zweit einen schönen Abend geniessen können.» Am nächsten Morgen würden dann alle gemeinsam brunchen. Beide Kita-Leiterinnen wissen, wie wichtig eine Balance zwischen Familie, Arbeit und Partner ist.

Besuch in der Kita als Bereicherung für das Kind

Ihre eigenen Kinder können die Kita-Leiterinnen glücklicherweise mit zur Arbeit nehmen. Probleme gebe es da meistens keine: «Es braucht natürlich eine gewisse Distanz zu den eigenen Kindern.» So würden sie darauf achten, die Einteilung so vorzunehmen, dass die Kinder nicht in der jeweiligen Gruppe sind, die von der Mama geleitet wird.

Für die Kinder sei die Zeit in der Kita eher eine Bereicherung als eine Last: «Sie haben hier ihre Gspänli und wir sind wie eine grosse Familie», so Cantaffa. Zudem würden sie lernen, sich selbst einmal zurückzunehmen und zu teilen. Das sei auch ein wichtiger Punkt, den Kita-Kinder bereits früh lernen: «Das Kind weiss, dass es Momente gibt, wo es nicht der Mittelpunkt des Geschehens ist. ­Eigentlich als Vorbereitung auf die Schule», so Feger. Schwerwiegende Nachteile für Kita-Kinder gebe es ihres Erachtens nicht: «Einzig der Lärmpegel und das Tagesprogramm kann für die Kinder etwas ermüdend sein.» Deshalb würden sie stets darauf achten, auch genügend Ruhepausen einzuplanen. Gehe es einem Kind beispielsweise nicht gut, versuchen die Kita-Leiterinnen mit den Eltern  zu arrangieren, dass es früher abgeholt wird. Stets würden sie versuchen, das Kind entsprechend seiner Bedürfnisse abzuholen. «Deshalb sind wir nicht nur Erzieherinnen und Päda­goginnen, sondern oft auch ­Köchinnen, Haushälterinnen, Seelsorgerinnen und Psychologinnen – und manchmal, wenn nötig, sogar Coiffeusen», meinen die beiden lachend.

28. Aug 2019 / 09:42
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