• näherdran in Planken
    Dass Erwin Pfeiffer mit 83 Jahren noch Auto fahren kann, macht das Leben in Planken selbstredend einfacher. Aber auch Katze «Siri» dürfte ein wichtiger Wohlfühlfaktor sein.

«Wir fühlen uns wohl in Planken»

Kein Gasthaus, keine Arztpraxis, keine Einkaufsmöglichkeit. Im Vergleich zu anderen Gemeinden kommt die Infrastruktur Plankens sehr schlank daher. Das kann für Senioren eine Herausforderung darstellen – aber eine machbare, wie Erwin Pfeiffer (83) beweist.

Sehr viel schöner als in Planken lässt es sich in Liechtenstein wohl nicht wohnen. Die Lage auf einer Lichtung oberhalb Schaans, umrahmt von dichtem Wald, macht die Gemeinde zu einem kleinen, exklusiven Fleckchen Erde, das sich durch eine atemberaubende Aussicht auf das Rheintal und eine wohltuend ruhige Atmosphäre auszeichnet. Just diese ausgeprägte Beschaulichkeit und das damit einhergehende niederpulsige Leben haben allerdings auch eine Kehrseite. Im 450-Seelen-Dorf sind die Möglichkeiten, mit anderen Einwohnern zu interagieren, eingeschränkter vorhanden als in anderen, grösseren Ortschaften. Eine richtige Dorfbeiz beispielsweise sucht man vergebens. Und auch darüber hinaus spiegeln sich die überschaubaren Dimensionen des Dorfes in dessen Infrastruktur wider. Wer einen Arzt aufsuchen oder einkaufen möchte, kommt nicht umhin, sich ins Tal zu begeben. Gerade für Senioren, steht zu vermuten, sind solche Voraussetzungen durchaus eine Herausforderung.

«Ein Stück weit ist man allein»

Erwin Pfeiffer, 83 Jahre alt, ist die einwohnerärmste Gemeinde des Landes gleichwohl ein liebgewonnenes Zuhause. «Wir nehmen am Dorfleben teil, fühlen uns hier wohl, es gefällt uns gut», sagt der pensionierte Post-Dienstchef, der 2006 mit seiner liechtensteinischen Gattin Annelies (69) vom Glarnerland nach Planken zog. Die speziellen Umstände, die sich in seiner Wohngemeinde insbesondere für die ältere Bevölkerung ergeben, will der gebürtige Glarner freilich nicht abstreiten. «So schön es in Planken ist – irgendwie ist man ein Stück weit trotzdem allein», sagt er.

Was der Gemeinde, nicht zuletzt auch ihren Senioren, fehlt, ist in seinen Augen ein Treffpunkt. «Ein Dorf braucht eine Begegnungsstätte», ist er überzeugt. Und das sei klassischerweise ein Gasthaus. «Ein Ort, an dem du gemütlich ein Bier trinken, einen Jass klopfen oder miteinander reden kannst.» Ein Ort, wie das 2007 abgerissene Hotel Saroja. Der «Hirschen», der im vergangenen Jahr seinen Betrieb einstellte, habe diese Lücke nie zu schliessen vermocht, meint Erwin Pfeiffer. Umso mehr bedauert er, dass sich das Plankner Stimmvolk 2012 gegen einen Neubau des Sarojas entschied. «Das», ist der Rentner überzeugt, «wäre eine wunderbare Sache gewesen.» Mit der «Fritigsbeiz», zu der die Gemeinde jeden Freitagabend im Dreischwesternhaus lädt, wurde zuletzt aber immerhin eine andere «tolle Idee» umgesetzt, wie er fortfährt. Schade sei lediglich, dass das Angebot nur an einem Abend pro Woche zur Verfügung stehe. «Ich möchte ja eigentlich frei wählen können, wann ich ausgehe.»

Wohl dem also, der auch mit 83 Jahren noch uneingeschränkt mobil ist – wie Erwin Pfeiffer. Von Zeit zu Zeit macht er sich in seinem Auto auf den Weg nach Schaan, um sich im «Rössle» mit anderen Senioren, darunter vereinzelt auch solche aus Planken, auf ein Bier zu treffen. Die Mobilität ist für ihn und seine Frau allerdings auch in anderer Hinsicht ein wertvolles Gut. Etwa dann, wenn ein Arztbesuch ansteht oder der Kühlschrank aufgefüllt werden möchte. «Autofahren zu können», sagt Erwin Pfeiffer, «erleichtert wirklich vieles.»

In Gedanken kann er sich aber auch mit der Situation anfreunden, irgendwann nicht mehr hinter dem Steuer zu sitzen. «Wenn es nicht mehr gehen sollte, gibt es andere Möglichkeiten», meint der rüstige Senior. Beispielsweise den Bus. «Die nächste Haltestelle liegt gerade einmal 200 Meter von unserem Haus entfernt.»

Einlassen auf die Realitäten

Dass Erwin Pfeiffer gleich das öffentliche Verkehrsmittel im Sinn hat, offenbart zwei Wesenszüge, die jedem älteren Plankner Bewohner mit Sicherheit nur zum Vorteil gereichen können. Der gebürtige Glarner versteht es, sich auf Realitäten einzulassen und sich mit ihnen zu arrangieren. Und er bevorzugt es, auf die Dinge zuzugehen, statt darauf zu warten, dass sie sich zu ihm hinbewegen. «Früher mag ein kleines Dorf wie Planken noch sein Dorflädeli gehabt haben», sagt er. «Aber gerade die Verkehrsverbindungen haben sich mittlerweile so stark verbessert, dass ein Einkaufen in Schaan problemlos möglich ist.» Hinzu komme, dass die meisten Einwohner ohnehin ausserhalb Plankens wohnten. «Da ist es doch nur logisch, dass diese dann ihre Einkäufe auch ausserhalb erledigen.»

Irgendwann ist das Pflegeheim die logische Folge

Die gleiche nüchtern-pragmatische Sicht hat Erwin Pfeiffer auf das Thema altersgerechte Wohnungen. Dass solche Einrichtungen in Planken, wie von Vorsteher Rainer Beck kürzlich nochmals unterstrichen, aktuell nicht zur Debatte stehen, kann der 83-Jährige absolut nachvollziehen: «Die Grösse der Gemeinde rechtfertigt solch grosse Investitionen einfach nicht.» Ältere Planknerinnen und Plankner, sagt er deshalb, sollen  möglichst lange in ihrem Eigenheim wohnen können. Mit den heutigen Unterstützungs- und Pflegeoptionen sei hier schliesslich vieles möglich. «Und wenn der Punkt erreicht ist, an dem es nicht mehr geht, dann wäre ein Umzug ins Alters- oder Pflegeheim die logische Folge.» Eine mit Qualität noch dazu, wie er findet: «Irgendwann bist du einfach zufrieden, wenn du dich in guten Händen weisst, eine gute Pflege geniesst und versorgt bist. Ausserdem hast du dort viele Menschen um dich herum.»

07. Jun 2019 / 17:41
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