• Planken
    Der Verräter Uli Mariss erhält vom eidgenössischen Hauptmann seinen «Lohn».

Planken: Gemeinde von Verbrechern und Verrätern

Wenn man den Sagen aus alten Tagen traut, haben sich früher in Planken so manche zwielichtige Gestalten aufgehalten.

In jeder Gemeinde wandern einprägsame Anekdoten von ihren Personen und Sehenswürdigkeiten in das kollektive Gedächtnis. Mit der Zeit haben sich die mündlichen Überlieferungen fortwährend zu fiktiven Erinnerungen weitergeformt. Obwohl die Gemeinde Planken am wenigsten Einwohner in Liechtenstein aufweist, sind – unter anderem in der Sammlung von Otto Seger (1965) –  doch die eine oder andere Sage auf ihrem Gebiet entstanden. Vielfach vermitteln diese eine Moral, welche Habgier bestraft und Grosszügigkeit belohnt. Bei ihren harten Strafen, die von Versteinerungen bis zu einer Enthauptung reichen, sind sowohl die Zeit ihrer Entstehung als auch Niederschrift zu berücksichtigen.

Andere Gemeinden haben zwar mehr Sagen, dafür erzählt Liechtensteins wohl bekannteste über die Entstehung eines Planker Landmerkmals. Statt am Liebfrauentag (15. August) in die Kirche zu gehen, füllten drei Schwestern oberhalb von Gafadura ihre Körbe mit Beeren. Als die Festtagsschänderinnen auf dem Rückweg einer Frau begegnen, wollten sie nicht teilen. «Euer Herz ist aus Stein, und als Stein sollt ihr ewig hier stehen», lautete ihr Urteil. Seither ragen die «Drei Schwestern» als Berggipfel über Planken. In jüngeren Versionen wird die Vollstreckerin mit der Gottesmutter Maria gleichgesetzt. Seger schreibt dies einem Gedicht zu, das angeblich aus der Hand des Priesters Johann Baptist Büchel stammt. «Diese Handlung widerspricht der Vorstellung von ihrem Wesen der Güte», argumentiert er gegen die katholische Fassung.

War Uli Mariss ein Verräter oder Hexer?

Was einem Verräter blüht, erzählt das Schicksal von Uli Mariss respektive Ulrich Maress, wie er in historischen Quellen zu finden ist. Heute erinnert die nach ihm benannte Holzhütte, gelegen auf Eschner Boden zwischen der Planker Alpzinken und dem Grenzgrat, noch daran. Wer auf seinen Wanderungen lieber keinen Geistern begegnet, sollte spätestens nach Sonnenuntergang die Uli-Mariss-Hütte meiden. Gemäss der Sage hätten die dort schlafenden Holzer nachts manchmal trampelnde Schritte gehört, als ob eine Schar von Leuten über den Grat ziehen würde. 

Was diese trostlosen Seelen noch auf der Erde hält: 1499 soll der Schaaner Bauer im Schwabenkrieg die eidgenössischen Truppen vor der entscheidenden Schlacht bei Frastanz über den Saroja-Pass in einen Hinterhalt der Österreicher geführt haben, indem er Bohnen den Weg entlang streute. Als er seinen Lohn verlangte, meinte der Schweizer Hauptmann: «Knie nieder, nimm den Hut in die Hand, und du wirst ihn erhalten.» Ein Schwerthieb später landeten keine Goldmünzen in dem Hut, sondern der abgetrennte Kopf des scheinbar habgierigen Bauers.

Bei der Bittprozession in Frastanz sei Ulrich Maress über Jahre hinweg als Verräter beschimpft worden. In seiner Abhandlung über den Wahrheitsgehalt der Sage, erschienen im Jahrbuch 1962 des Historischen Vereins, möchte Alexander Frick kein Urteil über ihn fällen: «Ich will [...] nur dartun, dass das Motiv, dass zur Tat führte, sowie die Todesart dieses Unglücklichen [...] ungeklärt geblieben sind.» Andere Quellen weisen darauf hin, dass der Schaaner Bauer als «Wetterdämon» in den folgenden Jahrhunderten im Prozess der Hexenverfolgungen zusätzlich stigmatisiert wurde.

Grosszügigkeit und Vertrauen werden belohnt

Der «letzte Gang» eines Plankners, der aus Amerika zurückkehrte, verweist auf die Hungersnöte zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Bei der ersten Auswanderungswelle (1848–1855) suchten etwa 250 Liechtensteiner ihr Glück auf dem neuen Kontinent, was bei den Daheimgebliebenen für Neid sorgte. Dieser wird dem Heimgekehrten knapp vor dem Ziel zum Verhängnis. Bei einem Zwischenhalt im Nendler Gasthaus bemerkte ein anderer Gast seine «vollgespickte Geldbörse». Noch bevor er einen Fuss in Planken setzten konnte, wurde er im Wald erschossen und ausgeraubt.

Nicht alle Sagen enden zwingend nach dem blutigen Muster eines Shakespeare-Dramas. Manche heben das tugendhafte Verhalten der Einwohner hervor. Zum Beispiel sei die Gemeinde an die Alpzinka gelangt, weil Plankner einen an der Pest erkrankten Siedler bis zu seinem Tod gepflegt haben. Mehr Vertrauen hätte ein armer Mann haben sollen, nachdem man ihm ein Stück Brot reichte. «Nümm d’Äxt und gib äm’s», sagte der angefragte Plankner daraufhin zu seiner Frau. Wäre der arme Mann nicht vor Angst weggesprungen, hätte er noch eine Käsescheibe dazu erhalten. Denn das Werkzeug war dafür gedacht, um den harten Plankner Käse zu schneiden. (gk)

 

 

07. Jun 2019 / 10:33
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