• Adrian Nüesch und Hündin Enya wurden bisher zu insgesamt 15 Einsätzen gerufen. Da die Hündin 13 Jahre alt ist, hofft Nüesch, dass er noch zwei Sommer mit ihr das Hobby ausführen kann.  (Daniel Schwendener)

Partner im Einsatz für Vermisste

Adrian Nüesch und Hündin Enya sind seit zehn Jahren ein Team und Mitglied der Rettungshunde-Gruppe Liechtenstein. Sie kommen dann zum Einsatz, wenn eine Person vermisst wird. Für Nüesch ist es ein zeitintensives Hobby, das er immer machen wollte.
Rettungshund. 

Enya bellt und wedelt mit dem Schwanz. Sie steht am Gartenzaun, dann verschwindet sie im Haus. Die Haustüre wird geöffnet – im Eingang steht Adrian Nüesch, neben ihm sitzt Hündin Enya. Er und seine Hündin sind seit zehn Jahren ein Team und Mitglied der Rettungshunde-Gruppe Liechtenstein. Das Duo kommt immer dann zum Einsatz, wenn eine Person vermisst wird. Ob die Hündin Adrians beste Freundin ist? «Wenn wir im Einsatz sind, dann  sind wir Partner», sagt Nüesch.

Im schwarzen Gesichtsfell der Hündin wachsen rund um die Augen weisse Härchen – sie ist 13 Jahre alt und damit für einen Hund im betagteren Alter. Doch davon merkt man dem Tier nicht viel an. Die Besucher werden beschnüffelt, dann geht es durch die Balkontür wieder nach draussen in den Garten, nur um gefühlt zwei Sekunden später wieder ins Haus zurückzukehren und nach ihrem Besitzer zu sehen. Enya ist ein Border Collie – damit erfüllt sie die perfekten Voraussetzungen für die Arbeit als Rettungshund. Denn die Rasse zeichnet sich durch ihre Schnelligkeit, Beweglichkeit sowie Ausdauer aus. Border Collies werden deswegen oft auch als Hütehunde eingesetzt.

Auch geistige Beschäftigung ist wichtig
Adrian Nüesch setzt sich an den Esszimmertisch. Sitzt man an der richtigen Stelle, kann man durch die Glasscheiben das Rheintal und das gegenüberliegende Werdenberg bewundern. Nach Planken zog es den Schaaner mit seiner Familie und Hündin Enya vor nicht allzu langer Zeit – obwohl die kleinste Gemeinde Liechtensteins nie ein Wunschwohnort von Nüesch war, hat er sich mittlerweile so gut eingelebt, dass er sich nicht vorstellen könnte, irgendwo anders zu leben. Planken mit der Nähe zum Gebirge und den vielen Wanderwegen ist sowieso von Vorteil für den Rettungshundeführer. Mit Enya wandert er von hier aus auf die Drei­schwestern oder die Alp Rütti – einer der schönsten Orte der Gemeinde, wie Nüesch sagt – das hält das Duo fit und ist eine Voraussetzung für die Ausübung des Hobbys. Das Training oder die Beschäftigung von Enya hört jedoch nie auf. Mindestens einmal pro Woche trainiert er mit ihr. An allen anderen Wochentagenbeschäftigt er sie geistig: So streut Nüesch morgens manchmal Trockenfutter in die Wiese vor dem Haus und lässt die Hündin alle Leckerli suchen. «Das macht ihr Spass und powert sie aus», erklärt er. Damit Nüesch Enya als Rettunghündin einsetzten konnte, musste er mit ihr Ausbildungen absolvieren. Es gibt unterschiedliche Ausbildungszweige, einen im Sommer und einen im Winter. Dies, weil sich die Witterungsverhältnisse sehr unterscheiden. Da Enya  und Nüesch zusammen beide Ausbildungen absolviert haben, wurden sie im Winter wie auch im Sommer eingesetzt. Aufgrund von Enyas fortgeschrittenen Alters stehen die beiden heute aber nur noch im Sommer auf Abruf bereit. Wie lange sie das zusammen noch machen können, weiss Nüesch nicht, er hofft aber, dass es noch zwei Sommer lang geht. Das Ehrenamt fordert von Nüesch, wie bei allen Rettungsdiensten, ein besonderes Mass an Feingefühl sowie Robustheit. «Man weiss nie, wie man den vermissten Menschen antreffen wird», sagt er.

Einsatz in Planken besonders in Erinnerung geblieben
Das Duo wurde bisher zu 15 Einsätzen geschickt. Die beiden blieben aber immer erfolglos. Die Rega oder auch die Bergrettung haben die vermisste Person aufgefunden. Nüesch ist ein wenig enttäuscht darüber, dass er mit Enya nie eine vermisste Person auffinden konnte, handkehrum ist er aber sehr froh darüber, dass es andere getan haben. Dass das Duo erfolglos blieb, liegt nicht etwa daran, dass sie ihr Handwerk nicht beherrschen, sondern vielmehr daran, dass es mit den technischen Mitteln, beispielweise der Wärmebildkamera, einfacher ist, Personen zu lokalisieren. Die Rettungshunde kommen oft dann zum Einsatz, wenn das Wetter schlecht ist und die Bedingungen gerade für einen Helikopterflug zu schlecht sind. Ein Einsatz, der Nüesch besonders im Gedächtnis geblieben ist, da er die betroffene Familie gut kennt, spielte sich vor mehr als einem Monat in Planken ab. Es war Abend und regnete stark. Nüesch und Enya wurden aufgeboten, um den vermissten Mann zu suchen. Den ganzen Abend bis Mitternacht durchstreiften sie das Gebiet rundum Planken, blieben aber fundlos. Der Senior wurde am Folgetag in einem anderen Gebiet unterhalb des Dorfes gefunden.

Enya liegt unten beim Hauseingang. Als Adrian Nüesch seiner Hündin pfeifft, steht sie blitzschnell auf und läuft zu ihm. Sie sind ein eingespieltes Team, das müssen sie auch sein. Nüesch betont, dass er keinen Einsatz mit einem anderen Hund durchführen könnte. «Das hat mit Vertrauen zu tun», erklärt er. Als Nüesch Enya als Welpe  zu sich holte, war es für ihn klar, dass er sich irgendwann den Rettungshundeführern anschliessen wollte. So gefällt ihm das Ehrenamt bis heute. Wie es sein wird, wenn die Hündin nicht mehr da ist, weiss Nüesch nicht. «Ich kann mir aber zum jetztigen Zeitpunkt nicht vorstellen, das Ehrenamt mit einem anderen Hund durchzuführen», sagt er. Der 43-jährige Schaaner schaut auf die Hündin hinab, die neben ihm sitzt, und ergänzt: «Ich weiss nicht, was ich an jenem Tag machen werde, an dem sie stirbt.» Denn einen Partner zu verlieren, ist nie einfach. (qus)

08. Jun 2019 / 06:00
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