• #näher Dran mit Ursula Öhry Walter
    Ursula Oehry-Walther aus Planken stellt seit 40 Jahren Naturkosmetik her.  (Rudi Schachenhofer)

«Märchen erreichen das Herz»

Ursula Oehry-Walther lebt seit elf Jahren in Planken. Hier hat sie den richtigen Ort gefunden, den sie sich für ihr Leben und ihre Arbeit als Gestaltungstherapeutin, Bildhauerin und als Herstellerin von Naturkosmetik wünscht.

Dorothea Alber

Sie stellen seit 40 Jahren Naturkosmetik her. Wie kamen Sie auf die Idee? 
Ursula Oehry-Walther: Weil ich selbst lange mit Akne zu kämpfen hatte und mir die bekannten Mittel nicht halfen, begann ich selbst nach einer Lösung zu suchen. Ich experimentierte mit biologischen, natürlichen Zutaten und merkte schnell, dass ich meine Haut damit wieder ins Gleichgewicht bringen konnte.  

Warum bestehen Sie auf reiner Natur im Cremetopf?
Herkömmliche Kosmetikprodukte enthalten Mineralöle, Konservierungsstoffe und Substanzen, die den Hormonhaushalt beeinflussen. Sie zerstören die natürliche Schutzfunktion der Haut und verstopfen die Poren, weil die Haut darunter nicht atmen kann. In Duschgels, Cremes, Shampoos und andere Kosmetik-Produkten wurde Mikroplastik nachgewiesen. Alle diese Stoffe gelangen über Abwasser wieder in den Kreislauf der Natur und schädigen diese nachhaltig. Ich denke, wenn etwas für die Umwelt schädlich ist, kann es für unseren Körper definitiv nicht gut sein. 

Wie lässt sich die natürliche Schutzfunktion der Haut wiederherstellen?
Reinigung mit Wasser und ab und zu mit einer rückfettenden Seife auf Ölbasis. Ein Guss mit wenig Bio-Apfelessig nach dem Duschen oder eine feine Salz-Honiglotion stellt den notwendigen PH Wert der Haut augenblicklich wieder her. Nicht Wasser, sondern der natürliche Fettgehalt der Biocremen spendet die notwendige Feuchtigkeit. Durch handelsübliche Kosmetikprodukte wird die Haut meist ausgelaugt und der PH-Wert sowie die bakterielle Hautflora gerät aus dem Gleichgewicht. Nebenbei bemerkt, der Guss hilft auch gegen Kalk im Bad (lacht). Bewusste Ernährung und Bewegung an der frischen Luft sind ebenfalls wichtige Voraussetzungen für die Gesundheit der Haut. 

Was ist Ihr neuestes Produkt?
Seit ich begonnen habe, Bio-Kosmetik herzustellen, tüftle ich immer wieder an neuen Produkten. Ich probiere neue, spannende Zutaten aus. Zuletzt waren das zum Beispiel Hanföl, Babassuöl oder Sanddornmarköl, das vor Hautalterung schützt und reich an Antioxidantien ist. Ich arbeite nur mit biologischen Zutaten nach den Erkenntnissen der Phyto- und Aromatherapie und der Biochemie. Vor Jahren besuchte ich eine Heilpraktiker-Schule in Chur und spezialisierte mich auf Hautpflege. Daher sind meine Cremes zum Beispiel auch mit Bachblüten und Schüssler-Salzen angereichert. Die meisten Produkte enthalten Lanolin, das unserem Hautfett so ähnlich ist, dass es wunderbar aufgenommen werden kann und wahre Verjünungswunder bewirken. 

Wann haben Sie beschlossen, dass Ihre Kosmetik mehr ist als nur ein Hobby?
Ich habe vor 40 Jahren eine Zusatzausbildung als Kosmetikerin absolviert. Damals habe ich alle Zutaten für meine eigenen Kreationen noch teuer in der Drogerie oder in der Apotheke gekauft. Als eine Kosmetikerin in Zürich begann mit meinen Produkten zu arbeiten, habe ich meine Gewerbebewilligung beantragt. Sie ist noch heute eine meiner besten Kundinnen, die mir immer wieder ausrichten lässt, dass ich ja nie aufhören dürfe. Ich kann sie beruhigen: Ich werde meine Kosmetik herstellen, solange ich lebe. Ich bin selbst begeisterte Kundin (lacht). Inzwischen beziehe ich die Zutaten für die Cremes über Lieferanten von Bio-Rohstoffen in der Schweiz. 

Sie produzieren Ihre Cremes und Seren auf Bestellung?
Ja, meine Kundinnen bestellen per E-mail. Ich produziere laufend, damit die Produkte immer frisch sind. Sie enthalten ja keinerlei Konservierungsstoffe und sind daher nur beschränkt, sicher aber mehrere Monate haltbar. 

Haben Sie je daran Gedacht, daraus ein grösseres Unternehmen aufzubauen?
Ich bin keine leidenschaftliche Geschäftsfrau. Es gab zwar immer mal Stimmen, die meinten, ich könnte daraus ein grosses Geschäft aufbauen. Ich beschäftige mich lieber im Hintergrund als im Marketing.  Gerne produziere ich meine Kosmetik, experimentiere und kreiere neue Rezepte, die dann die Kundinnen direkt überzeugen. 

Sie waren über 30 Jahre lang als Kindergärtnerin und Pädagogin tätig. Sie absolvierten zudem eine berufsbegleitende Bildhauerausbildung, und Ausbildungen zur Kunst- und Gestaltungstherapeutin sowie zur Systemischen Familientherapeutin. 
Weiterbildungen waren für mich immer Energie- und Sinntankstellen. Sie ermöglichten mir neben neuem Wissen auch persönliche Weiterentwicklung. Das seelische Gleichgewicht beschäftigt mich sehr. Heute biete ich systematische Familienaufstellungen in Einzelsitzungen und Gruppen an. Kreatives Gestalten kann helfen, sich sichtbare Bilder für unsichtbare Vorgänge zu erschaffen. Die ideale Kombination sehe ich in systemischer Arbeit mit kreativem Ausdruck. Wochenend- oder Ferienseminare in dieser Art sind in Planung.  

Sie singen mit älteren Menschen mit und ohne Demenzerkrankung und erzählen Märchen. Demenz.li. hat für dieses Projekt «Senioren gemeinsam aktiv» den Chancengleichheitspreis erhalten. Wie kamen Sie dazu?
Meine Mutter ist selbst an Demenz erkrankt. Sie ist sehr musikalisch, spielt Klavier und ich Gitarre. Weil Gespräche nicht mehr einfach sind, und ich trotzdem mit ihr kommunizieren wollte währen der Zeit, die ich mit ihr verbrachte, begannen wir gemeinsam zu singen. Zu uns gesellten sich schnell andere Bewohnerinnen und Bewohner und so wurden uns die Sing- und Erzählstunden zur lieben Gewohnheit. Musik, Geschichten und Märchen umgehen den Verstand, das Herz erreichen sie trotzdem direkt. Der Psychologe Matthias Brüstle hat mich dann einmal gefragt, ob ich das nicht ausweiten möchte. Jetzt bin ich einmal monatlich auch im Haus St. Laurentius in Schaan zu Gast. Dazu eingeladen sind auch alle betagten Menschen, die daheim betreut werden. Die Sing- und Erzählstunden sind wie Tau, der sich über eine Blüte legt: Man sieht ihn zwar nicht, spürt aber die berührende, wohltuende Wirkung. 

Sie wohnen als Unterländerin seit elf Jahren in Planken. Was verbindet Sie mit der Gemeinde?
Als ich vor über dreissig Jahren an einem verschneiten Wintertag mit meinen beiden Kindern einmal in Planken war, dachte ich mir: Hier möchte ich wohnen. Mein Wunsch wurde offensichtlich gehört und erfüllt. Es ist ein absoluter Luxus mitten in der Natur zu leben, in dieser Ruhe und wunderbaren Luft. Die Plankner Bevölkerung ist sehr international und aufgeschlossen. Man ist locker, aber gut integriert in die Dorfgemeinschaft. Wenn ich mir etwas wünschen könnte, dann wäre es ein grosser Parkplatz am Anfang des Dorfes, auf dem alle Wanderfreunde und Aussichtsgeniesser ihr Fahrzeug stehen lassen und ihre Ausflüge von dort aus über die schönen Verbindungswege durchs Dorf und in die Bergwelt beginnen würden. Generell Tempo maximal 40 kmh und einen Park mit naturnahen Spielgeräten und Bänkchen, damit man sich für den nachbarschaftlichen Plausch über den Gartenhag auch mal zusammensetzen kann.
 

12. Sep 2018 / 18:24
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