• Ute Drescher-Kils, Planken
    Klangtherapeutin Ute Drescher.  (Tatjana Schnalzger)

Durch Klänge zur Ruhe finden

Töne und Schwingungen können dem Menschen Gutes tun, ist Ute Drescher überzeugt. Als Klangtherapeutin versucht sie dieses Potenzial zu nutzen und ihren Klienten entspannende Auszeiten vom Alltag.

Weil etwas das Wohlbefinden des einen fördert, muss es beim nächsten nicht zwangsläufig den gleichen Effekt zeitigen. «Jeder muss für sich selbst spüren, was ihn unterstützt, was ihm gut tut», sagt Ute Drescher. So sei das auch mit den Klangschalen. «Einige Menschen fühlen sich gleich zu einhundert Prozent dazu hingezogen, anderen hingegen sagt es gar nichts.» Die Deutsche selbst  gehörte beim ersten Kontakt 2004 ohne Frage zur ersten Kategorie. «Damals durfte ich einer Klangtherapie-Sitzung beiwohnen», erinnert sie sich. «Die Obertöne (die neben dem Grundton mitklingenden Bestandteile eines Tons, Anm. d. Red.) haben mich sofort angesprochen.»

Blockaden aufspüren und lösen
Zum Entschluss, die Faszination ins eigene Berufsleben zu integrieren, war es von dort nur noch ein kleiner Schritt. Der gelernten Lehrerin schien die Arbeit mit Klangschalen geradezu prädestiniert, um im pädagogischen Bereich eingesetzt zu werden. Das Erleben von Klängen und Schwingungen schule die Körperwahrnehmung der Kinder, die Voraussetzungen für Konzentration und Aufmerksamkeit würden gefördert, und das begünstige die erfolgreiche Aufnahme von Lerninhalten, erklärt sie. Noch im gleichen Jahr begann sie ihre Ausbildung am Schweizer Peter Hess Institut bei Elisabeth Dierlich.
Durch den beruflichen Hintergrund ihres Mannes Gunther Barty, ein Osteopath, entschied sie sich jedoch bald, den Fokus nochmals nachzujustieren und die medizinische Komponente der Klangtherapie zu akzentuieren. «Dadurch, dass unser Körper zu 70 Prozent aus Wasser besteht, werden Schwingungen wunderbar weitergeleitet», sagt Ute Drescher. Verhält es sich in der Praxis anders, deutet das meist auf vorhandene körperliche oder seelische Blockaden hin, die mit der Kraft der Physik nach und nach aufgelöst werden können. Die Klangtherapie ermöglicht es dadurch, einen balancierten Zustand tiefer Entspannung zu erreichen. Aber auch verborgene Ressourcen können auf diese Weise offengelegt werden. Bei älteren Menschen wiederum, die in ihren Bewegungsmöglichkeiten oftmals eingeschränkt sind, können Klangschalen eine stimulierende Wirkung entfalten. «Sie fühlen sich nach einer Sitzung mitunter richtig erfrischt.»

Rückkehr in den geschützten Raum
Die positiven Effekte von Klängen und Schwingungen haben ihren Grund gemäss Drescher in der frühesten Phase eines Menschenlebens. «Schwingungen und Töne sind  mit die ersten Dinge, die wir im Mutterleib wahrnehmen», erläutert sie. Mittels Klangschalen könne die Erinnerung an jenen geschützten, sicheren Raum wieder aktiviert werden. Das damit verbundene Wohlgefühl versucht Ute Drescher all jenen zu ermöglichen, die sie in Planken besuchen. In der kleinsten Gemeinde Liechtensteins hat sie nach ihrem Wegzug aus Deutschland mit ihrem Ehemann vor 16 Jahren nicht nur eine neue Heimat gefunden sondern unterhält mit diesem und zwei Physiotherapeutinnen auch eine Gemeinschaftspraxis.
Zu Beginn einer Klangsitzung geht es Drescher darum, die individuelle Bedürfnislage der Menschen kennen zu lernen. Meist sei die Suche nach einer Pause vom Alltag beziehungsweise nach Veränderungen im Leben der Grund dafür, dass Menschen zu ihr kämen, sagt sie. «Sie spüren, dass sie Entspannung brauchen, Ruhe finden müssen.» In einem zweiten Schritt fordert Drescher ihre Klienten auf, Kontakt zu den Klangschalen aufzunehmen, indem sie ihnen eine in jede Hand gibt. Der Ton, den sie daraufhin beim Anspiel der Schalen erzeugt, verrät ihr bereits viel über Blockaden und therapeutische Ansatzpunkte. «Das kommt mit der Erfahrung.» Was dann folgt, ist die eigentliche Behandlung. Personen, die eine Klangmassage wünschen, liegen zuerst in Bauch-, dann in Rückenlage. Beginnend bei den Füssen platziert Ute Drescher die aus zwölf Metallen gefertigten Gefässe an verschiedenen Körperstellen und bringt sie zum Klingen. Für die untere Körperhälfte kommen grosse Schalen zum Einsatz, mit denen sich tiefe Töne erzeugen lassen, für die obere Hälfte verhält es sich umgekehrt. Die äussere Form der Klangmassage kann je nach den Bedürfnissen variiert werden.

Alle Möglichkeiten ausschöpfen
Ein solcher alternativmedizinischer Ansatz ist nicht jedermanns Sache. Die Menschen, die sich bei ihr einfinden, haben in der Regel «sicher ein grundsätzliches Interesse an Transformationsprozessen», weiss Ute Drescher. Umgekehrt gibt es selbst in der Schulmedizin Stimmen, die der Klangschalentherapie einen gesundheitlichen Effekt zusprechen. Wenn sie mit Vertretern aus jenem Bereich in Kontakt gestanden habe, erzählt Drescher, habe sie immer Offenheit erfahren, etwa im Bereich der Onkologie. Es sind gerade die schweren Krankheiten, verbunden mit viel Leid, bei denen ihrer Ansicht nach jeder erdenkliche Versuch unternommen werden sollte, «die Selbstheilungskräfte zu stärken und die Belastung zu reduzieren».

Derzeit noch in der Pause
Gegenwärtig ertönen in Ute Dreschers «Klangzimmer» keine Klangschalen. Die 53-Jährige, die nebenberuflich auch Deutsch als Zweitsprache an der Realschule Balzers unterrichtet, hat sich selbst das verordnet, was Menschen für eine Stunde bei ihr suchen: eine Auszeit. Schon bald aber will sie ihre Arbeit wieder aufnehmen. Weil es sich lohnt. Schwingungen sind zwar unsichtbar, aber deswegen für die Gesundheit nicht unbedeutend, ist sie überzeugt: «Es gibt noch eine andere Welt, mit der wir in Resonanz treten können.» (bo)

12. Sep 2018 / 16:13
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