• 20180903 Gespräch mit Manfred Wanger, PlankenGemeindeserie Planken
    Manfred Wanger hat sich über 40 Jahre mit der Plankner Geschichte beschäftigt.  (Nils Vollmar)

«Die Plankner sind einfach Originale»

Manfred Wanger hat sich über vierzig Jahre mit der Geschichte der Gemeinde Planken auseinandergesetzt. Dabei ist er unter anderem auch dem Gerücht nachgegangen, dass Planken einen Walserursprung hat – eine historische Spurensuche beginnt.
Walsergemeinde. 

Die Überlieferung bezeichnet Planken als Walserdorf. Im Gegensatz zu Triesenberg gibt aber über die Gründung durch eingewanderte Walser keine Urkunde Auskunft. Der liechtensteinische Historiker Johann Baptist Büchel schrieb in seiner Geschichte der Pfarrei Schaan 1927: «Planken, diese kleine Gemeinde ist eine Walliser-Kolonie; die Einwanderung wird vor 1300 erfolgt sein.» Eine Quelle für diese Aussage wird nicht angeführt. Manfred Wanger lebt seit über 40 Jahren in Planken. Der ehemalige Lehrer interessiert sich sehr für Geschichte und seit er oberhalb von Schaan wohnt, auch besonders für die Plankner Geschichte. Wenn man ihn fragt, ob die Plankner auch Walser sind, antwortet er: «Ganz sicher kann ich das nicht sagen, aber wahrscheinlich Ja».

Was macht die Walser aus?
Bei der Betrachtung muss zuerst geklärt werden, was die Walser ausmacht. In der heutigen Zeit vor allem die Sprache, erklärt Manfred Wanger. Wer sich mit einem Triesenberger unterhält, merkt schon bei den ersten Worten, aus welcher Liechtensteiner Gemeinde diese Person ursprünglich kommt. Bei Planken ist das heute nicht mehr der Fall. Und trotzdem gibt es einige Fragmente in der Geschichte von Planken, die auf das Walsertum schlies­sen lassen. Beispielsweise – nicht wissenschaftlich, aber interessant – in der Spottgeschichte «Das Plankner Fülle» die wörtliche Aussage «Itscha, ha, ha, i bin Ätti», was für einen Talbewohner bergerisch klingt. Es könnte ein Hinweis darauf sein, dass in Planken früher anders als heute gesprochen wurde. Dass der ursprünglich gesprochene Dialekt in Planken verloren gegangen ist, liegt vielleicht daran, dass Planken früher nur von wenigen Familien bewohnt wurde. Durch Heirat mit Menschen aus dem Tal hat der Dialekt eine Durchmischung erfahren und ist schliesslich verloren gegangen.
Aber auch in anderen Bereichen finden sich Hinweise auf die Walser in Planken. Die Siedlung Planken war früher, wie auch andere Walser Gemeinden, eine klassische Streusiedlung ohne Zentrum und Hauptstrasse. Erst im 18. Jahrhundert wurde die erste Dorfstrasse durch Planken gebaut. Und bei der bäuerlichen Viehwirtschaft betrieben die Plankner wie die Triesenberger bis ins 20.Jahrhundert in Einzelställen nach der Alpzeit das «Nahifahra». Erst 1875 wurde eine gemeinschaftliche Alpbewirtschaftung auf Gafadura eingerichtet.

Eine Leidenschaft über Jahrzehnte
Die Auseinandersetzung mit der Geschichte hat für Manfred Wanger einige Jahrzehnte gedauert. Einiges fand er im Gemeindearchiv, vieles hat er selbst andernorts recherchiert und ausgeforscht. «Das wenige Material im Archiv war ein in einem katastrophalen Zustand. Es war unordentlich, dreckig und feucht. Ich habe versucht zu retten, was zu retten war, und mich immer mehr in die Geschichte von Planken eingearbeitet», erklärt Manfred Wanger. Über Jahrzehnte hat er das Material geordnet und Notizen verfasst. Als die Kulturkommission vor einigen Jahren an ihn herantrat, liess er sich dazu überreden, seine Notizen in einem Buch zusammenzufassen. 2006 erschien «Spurensuche in Planken – Eine Dorfchronik» mit dem gesammelten Material. Es ist eine Art Zeittafel mit vielen Fragmenten, Texten, Notizen aus der Geschichte von Planken.
Ein urkundlicher Hinweis auf Walser aus Planken findet sich in einem Schriftstück aus dem 16. Jahrhundert. Dort steht von einem Weg geschrieben, «wo die Walser von Planken nach Feldkirch gegangen sind». Eine direkte Wegverbindung zwischen Triesenberg und Planken scheint es gegeben zu haben. Vor einigen Jahrzehnten entdeckte der ehemalige Regierungschef Alexander Frick Teile dieses Wegs zwischen den beiden Berggemeinden. Dieser Weg kann auch eine Erklärung für die enge Verbindung zwischen Triesenberg und Planken geben, die bis ins 17. Jahrhundert zwischen den beiden Gemeinden bestand und verwandtschaftliche Verbindungen förderte.

Und das Fazit lautet
«Es gibt also viele kleine Hinweise, die dafür sprechen, dass Walser in Planken waren. Jeder Hinweis für sich sagt nicht viel aus, aber zusammen ergeben sie ein Bild davon», fasst Manfred Wanger seine Spurensuche zusammen.

Und was macht die Plankner heute aus?
«Die Plankner sind Originale», meint Manfred Wanger. Eine nette Anekdote beschreibt laut Wanger gut die Plankner Mentalität: Ein Plankner musste einmal an einem Sommertag ins Regierungsgebäude nach Vaduz. Es war heiss und so kehrte er im Gasthof Engel ein und bestellte sich einen Most. Damals galt Planken neben Triesen als die Mostgemeinde in Liechtenstein. Der Wirt setzte sich zum Plank­ner und kam mit ihm ins Gespräch. Auf die Frage, wie viel Most er pro Jahr produziere, antwortet der Plankner: «2000 Liter.» «Und das reicht dir für das ganze Jahr?», fragt der Wirt ungläubig. Der Plankner antwortet: «Nein, natürlich nicht. Aber wenn die Fässer nur noch halbvoll sind, fülle ich sie mit Wasser wieder auf». «Und das reicht dann ?», fragt der Wirt weiter. «Nein, immer noch nicht. Ich trinke sehr gerne Most. Wenn die Fässer wieder halb leer sind, fülle ich sie eben wieder mit Wasser auf». «Und wie schmeckt der Most dann, mit so viel Wasser?», fragt der Wirt. «Genauso wie das, was du mir hier hingestellt hast!»  So sind die Plankner – schlagfertig und einfach originell. (lat)

11. Sep 2018 / 12:02
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