• Markus Jehle, Planken
    Auf seinen Fahrten macht Markus Jehle täglich neue Begegnungen mit Fahrgästen.  (Tatjana Schnalzger)

Busfahrer, Guide und Psychologe zugleich

Seit über 30 Jahren fährt Markus Jehle beinahe jeden Tag mit seinem Bus die Strecke von Schaan nach Planken und wieder runter. In dieser Zeit hat der Plankner Buschauffeur viel erlebt, interessante Menschen getroffen und einen grossen Wandel mitgemacht.
Planken. 

1987 hat er das Geschäft von seinem Vater übernommen – es habe sich so ergeben, sagt Markus Jehle aus Planken. Seither fährt er mit dem Bus täglich 10 Mal die Strecke zwischen Schaan und Planken. In der kleinsten Gemeinde Liechtensteins kennt ihn jeder und wahrscheinlich waren sie alle schon einmal Fahrgast von Markus Jehle.  Der 55-Jährige ist in Planken geboren, aufgewachsen und lebt auch heute noch dort. Unweit von seinem Haus entfernt in einer Garage steht der limegrüne Bus. Seit rund viereinhalb Jahren ist Markus Jehle bei der LieMobil angestellt. «Das ist eine der besten Entscheidungen, die ich in meinem Leben getroffen habe», sagt er. Denn während seiner 26-jährigen Selbstständigkeit sei es nicht immer einfach gewesen. 

Busfahrer kann kurzerhand zum Psychologen werden
«Das Privatleben hat oft gelitten, als ich noch selbstständig war. Ich musste häufig arbeiten und hatte kaum Freizeit», so der Plankner. Rückblickend habe er sich viel zu viel aufgehalst, doch es sei nicht anders möglich gewesen: «Ich hatte selten einen zweiten Fahrer und trotzdem musste die Strecke bedient werden.» Diese Tage gehören nun aber der Vergangenheit an. In seiner Freizeit geniesst Markus Jehle nun die gemeinsamen Stunden mit seinem Hund Jamie. Ausserdem geht der Plankner gerne wandern - wenn man ihn nicht auf Gafadura antrifft, dann ist er im Zillertal unterwegs. 
Auch die Arbeit selbst bereitet dem Plankner heute mehr Freude als noch vor ein paar Jahren. «Die Zusammenarbeit mit der LieMobil ist grossartig», sagt er. Markus Jehle kann weiterhin seine Strecke fahren, von der er jede Kurve bereits im Schlaf kennt. «Mit geschlossenen Augen bin ich die Strasse aber doch noch nie hinaufgefahren», erzählt er und schmunzelt. Als Angestellter der LieMobil hat der passionierte Busfahrer weniger Verantwortung und ist abgesichert, falls etwas mit dem Bus nicht in Ordnung wäre. «Dieser Druck lastet nun nicht mehr auf meinen Schultern.» 
Stattdessen kann er sich viel mehr auf das Fahren sowie die Begegnungen mit den Fahrgästen konzentrieren – und von denen gibt es einige: «Als Busfahrer komme ich mir manchmal wie ein Psychologe vor. Viele Fahrgäste haben keine Scheu, sich mir zu öffnen und erzählen während der Fahrt von ihren Problemen, Sorgen oder Glücksmomenten», so der 55-Jährige. 
Das Publikum von Markus Jehle ist buntgemischt. Am morgen sässen viele Schüler im Bus. «Meistens findet dann kaum eine Kommunikation statt. Sie setzten sich mit ihren Kopfhörern im Ohr auf die Plätze und wollen von A nach B gelangen», sagt der Plankner. Auch wenn ihn die Schüler  nicht grüssen, ist das für den routinierten Chauffeur kein Problem: «Sie stammen eben aus einer anderen Generation. Trotzdem sind die Plankner Schüler tiptop.» Immer gut gelaunt zu sein, fällt selbst  dem 55-jährigen manchmal  schwer. «Obwohl ich das müsste, gelingt es mir nicht immer. Ich bin auch nur ein Mensch. Jemand, der das ein oder andere Mal mit dem falschen Fuss aufgestanden ist.» 
Um einiges kontaktfreudiger als die Jugendlichen sind meistens die Wanderer. Oft kennen sie sich in Liechtensteins Bergebieten nicht gut aus, weshalb ihnen der Plankner wertvolle Tipps und Wanderrouten zeigt. «Für mich ist das eine Kleinigkeit. Dennoch haben die Fahrgäste eine grosse Freude und wissen meine Ratschläge wertzuschätzen.» Nebst diesen kleinen Glücksmomenten ist Markus Jehle vor allem eine Begegnung in Erinnerung geblieben: Als er vor einigen Jahren mit dem Bus bis nach Vaduz fuhr, kam er an einem stehengebliebenen Auto vorbei. «Ich sah die Verzweiflung der Fahrerin ins Gesicht geschrieben. Während alle anderen Autos an ihr vorbeifuhren, habe ich angehalten und ihr geholfen, das Auto bei Seite zu schieben.» Ihre Dankesworte an Markus Jehle hat sie in der Liewo veröffentlicht.

Der Verkehr und Planken haben sich verändert
Der Plankner gehört zu den erfahrensten Buschauffeuren Liechtensteins. In seinen über 30 Jahren hat er so einige Entwicklungen und Veränderungen miterlebt. An die erste Uniform könne er sich noch gut erinnern. «Sie kam in einem Lederkoffer zu mir nachhause. Das Hemd war grau, die Hose blau und die Krawatte rot», erklärt Markus Jehle. Abgesehen davon, dass er nun schwarze Hosen und ein limegrünes Hemd trägt, hat sich auch in Planken selbst einiges verändert. Früher gab es noch die ein oder andere Beiz in der kleinsten Gemeinde Liechtensteins. Doch diese sind mittlerweile alle ausgestorben. «Ich finde es sehr schade, dass wir keine Gastwirtschaft und auch keine Einkaufsmöglichkeit mehr im Dorf haben», sagt der gebürtige Plankner. Dadurch, so habe er das Gefühl, sei die Dorfgemeinschaft etwas flöten gegangen: «Heute ist jeder mehr für sich.» Markus Jehle könne es auf der einen Seite aber auch verstehen, dass es nicht die Aufgabe der Gemeinde sei, eine Beiz zu betreiben. «Im Hirschen sassen beispielsweise immer die gleichen Leute. Da es eine Raucherbeiz war, blieben ihr viele Plankner fern. Ein funktionierendes Gastgewerbe aufzuziehen ist auch so schon schwer genug», gibt der passionierte Buschauffeur zu bedenken. Und auch er sei manchmal stur: «Die Gemeinde führt viele Veranstaltungen für ihre Bewohner durch. Und trotzdem gehe auch ich nicht immer hin.» 
Neben dem Leben und den Angeboten im Dorf selbst hat sich auch auf den Strassen einiges getan. Der Verkehr hat laut dem Busfahrer beispielsweise extrem zugenommen. Und da auch das Angebot an Strecken sowie die Häufigkeit der Fahrten ausgebaut wurden, gibt es viel mehr Fahrgäste. «Die Technik hat sich selbstverständlich auch gewandelt. Heute haben wir Bildschirme, auf denen jede Minute angezeigt wird, die wir in Verzug sind.» Dieses «Auf-Zeit-Fahren» sei durchaus stressig. Denn die Fahrpläne sind knapp berechnet und die Fahrgäste haben oft nur wenig Geduld, weil sie ebenfalls unter Zeitdruck stehen. «Auf einer Nebenlinie wie der von Schaan nach Planken ist die Situation aber zum Glück etwas entspannter. Ich habe auch mehr Reserve», so der Plankner. Was jedoch auch hier auffällig sei, sind die Autofahrer, die «riskante Überholmanöver durchführen, nur um vor dem Bus ins Tal zu kommen.» Markus Jehle stehen beim Zuschauen dieser gefährlichen Aktionen manchmal die Haare zu Berg. «Ich weiss, dass der Bus für viele Autofahrer ein Hindernis ist. Aber in einer Kurve zu überholen ist unverantwortlich», meint er. (jka)

14. Sep 2018 / 21:02
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