• Freddy Kaiser, Mauren
    «Um dem Beizensterben entgegenzuwirken, sollte man auch mehr einkehren», so Vorsteher Freddy Kaiser.  (Tatjana Schnalzger)

«Wir sind kein seltsames Völklein»

Vor Kurzem hat Freddy Kaiser verkündet, für eine fünfte Amtszeit als Vorsteher in Mauren zu kandidieren. Welches seine grössten Erfolge, die häufigsten Streitthemen und die als Nächstes geplanten Projekte sind, verrät Freddy Kaiser im Interview.
Mauren. 

Das Motto von Mauren lautete lange Zeit «Sun Fun Mura». Gilt das heute noch?
Freddy Kaiser: Sicher, in Mauren herrscht ja viel Sonnenschein. (lacht) Vor allem bei Merchandise-Artikeln wie den Sonnenschirmen wird das Motto nach wie vor verwendet. Für den Lihga-Gastgemeinde-Auftritt hingegen haben wir das Motto «Natürlig Mura» gewählt, weil wir den Auftritt möglichst nachhaltig und mit wenig Abfall gestalten wollten.

Konnten auch alle Holzscheite an den Mann gebracht werden?
Das Holz muss erst noch gelagert werden,daesjafrischgeschlagen wurde. Dies hat dem Lihga-Zelt auch diesen wohltuenden Duft gegeben. Das Holz stammt vom Sturm Burglind, deshalb hatten wir auch so viel auf Vorrat. Ein Grossteil kann erst in einem Jahr verwertet werden.

Sie sind bald 16 Jahre im Amt. Welche Ereignisse sind Ihnen speziell in Erinnerung?
Es hat mich sehr gefreut, dass ich noch als Gemeinderat bei der Neugestaltung des Sportparks mitentscheiden konnte und dann als Vorsteher die Eröffnung vornehmen durfte. Glücklich bin ich auch darüber, dass wir nach jahrzehntelanger Planung den internationalen Radweg mit dem Egelsee eröffnen konnten. Und dass er heute ein Bijou ist und gut angenommen wird. An Wochenenden sieht man dort richtige Völkerwanderungen.

Und kulturell?
Stolz bin ich besonders auf die gelungene Umnutzung des ehemaligen Gasthauses Rössle in ein Kulturhaus wie auch auf unser Museu m Mura mit seinen vielen kulturhistorischen Schätzen. Erst kürzlich haben wir zudem die alte Gemeindesäge in Schaanwald hergerichtet und wieder in Betrieb genommen. Auch das Zollhäuschen in Mauren wurde renoviert. Durch den Erhalt unseres Kulturguts weiss man auch, woher man kommt.

Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit als Vorsteher wichtig?
Der regelmässige Kontakt mit der Bevölkerung und den Vereinen. Deshalb gehe ichauch oft an Veranstaltungen, sodass ich die Bedürfnisse und Anliegen direkt mitbekomme. Das ist zwar zeitintensiv, ich mache es jedoch gerne. Solche Begegnungen geben einem persönlich viel zurück, denn man bekommt im Gespräch auch positive Feedbacks. Und man merkt, dass es doch nicht nur die Neidgesellschaft gibt, sondern auch eine, die gute Leistungen für die Gemeinde ästimiert.

In so einer langen Amtsdauer ist sicher nicht immer alles «Friede, Freude, Eierkuchen». Was waren die grössten Streitthemen in den letzten Jahren?
Die meisten Diskussionen löste die damalige Revision des Zonenplans aus. Dabei habe ich die Geschichte bzw. Entwicklung der Gemeinde noch besser kennengelernt. Der neue Zonenplan war naturgemäss auch deshalb ein schwieriges und emotionales Thema, weil es um Grund und Bo- den und damit um Vermögen geht. Da kann man es nicht allen recht machen.

Eines der grossen Probleme im Unterland ist der Verkehr. Was macht die Gemeinde konkret dagegen?
Wir sind am AgglomerationsprogrammWerdenberg-Liechtenstein beteiligt, mit dem dieVerkehrsproblematik grenzüberschreitend mit verschiedensten Massnahmen angegangen wird. Dann arbeiten wir am EntwicklungskonzeptLiechtensteiner Unterland und Schaan mit, das kürzlich der Bevölkerung vorgestellt wurde. Ziel dieser gemeinsamen Plattform ist die Erarbeitung eines Masterplans, der die langfristig angestrebte räumliche und verkehrliche Entwicklung aufzeigen soll. Dabei geht es auch um die Bedürfnisse wie Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Erholung.

Welche Rolle spielt dabei die S-Bahn?
Diverse diskutierte Massnahmen sind auf die S-Bahn abgestimmt, die ich schon immer befürwortet habe. Derzeit sind wieder Gespräche bezüglich des Projekts und derKosten i m Gange. Ich bin gespannt, welcher neue Verteilschlüssel vorgeschlagen wird. Die S-Bahn ist ein wichtiges Rückgrat für den internationalen Bahnverkehr. Wenn sie über unsere Schienen rollt, gibt es automatisch auch weniger Güterverkehr.

In Schaanwald war ja schon vor über zehn Jahren eine Zentrumsumfahrung angedacht. Hat sich da etwas am Plan geändert?
Zur Zentrumsplanung Schaanwald bzw. zur Verlegung der Vorarlberger Strasse bei der Zuschg gab es einen Vorstoss im Landtag, zu dem noch Abklärungen laufen. Nächstes Jahr sollten wir aber auf Basis eines Vorprojekts eine klare Antwort bekommen.

Da war aber längere Zeit Stillstand.
Mit den Sparmassnahmen zur Sanierung des Staatshaushalts wurde der Plan vom Land offensichtlich für einige Zeit schubladisiert. Etabliert hat sich hingegen der Zuschg-Saal als beliebter Veranstaltungsort.

Ist mit dem Umbau des Maurer Gemeindesaals etwas Ähnliches geplant?
Die zwei Säle sollten sich nicht konkurrieren. Der Saal in Mauren wird neu 400 Sitzplätze aufweisen, derjenige in Schaanwald hat 150 Plätze. Beide werden bislang gut genutzt. Nach dem Umbau bekommt das Foyer in Mauren die Grösse des Zuschg-Saals, sodass es dann auch für andere Veranstaltungen nutzbar wird.

Seit einiger Zeit hat der «Alte Zoll» in Schaanwald geschlossen. Ist das Beizensterben auch in Mauren ein Thema?
Das Beizensterben ist allgemein ein Thema. Wenn man dem entgegenwirken möchte, sollte man selbst auch wieder mehr einkehren.

Gibt es schon Neuigkeiten bezüglich eines neuen Pächters des «Alten Zolls»?
Wir haben bereits mehrere Interessenten. Nach einer kleineren Sanierung von Innenräumen sollte das Gasthaus noch dieses Jahr wiedereröffnet werden.

Mit dem neuen Pflegeheim und der verbreiterten Zufahrt hat sich auch das Ortsbild von Mauren etwas verändert. Sind weitere Schritte für die Zentrumsentwicklung geplant?
Wir haben den Postparkplatz anders gestaltet und die Zufahrtsstrasse den Bedürfnissen angepasst. Mit dem Lachen-Areal verfügen wir im Zentrum von Mauren über einen idealen Standort für das neue LAK-Haus St. Peter und Paul. In der Zukunft ist geplant, am selben Ort zusätzlich Alterswohnungen zu erstellen.

Wie sieht die zukünftige Auslastung des ersten LAKHauses in Mauren aus?
Das Haus verfügt über vier Stationen und bietet 60 Bewohnern Platz. Anfang November wird die erste Station mit 16 Zimmern in Betrieb genommen. Bei Bedarf folgen dann weitere Stationen.

Kommen wir vom Alter zur Jugend. Bald soll es in Mauren einen Zentralkindergarten geben. Wie kam diese Idee bei der Bevölkerung an?
Auf dieses Schuljahr hin wurde eine 5. Kindergartenklasse in Mauren eingeführt. Es kommt immer wieder zu Diskussionen, wer welchem Kindergarten zu- geteilt wird. Bei einem Standort an zentraler Lage haben alle Kinder fast den gleichen Schulweg. Das klare Ja mit 70 Prozent zum Kredit für den Neubau spricht auch für die Zustimmung zur Projektidee.

Wird es dort sonstige Neuerungen geben?
Der zentrale Kindergarten- und Schulstandort ist darauf ausgelegt, dass wir Synergien optimal nutzen und sehr flexibel auf neue Bildungsformen und Bedürfnisse reagieren können. Wir bauen somit eine moderne Schule für die Zukunft. Nachdem das altersdurchmischte Lernen in Schaanwald sehr gut angenommen wurde, soll auch in Mauren der Fokus stärker auf diese Unterrichtsform gerichtet werden.

Direkt neben dem Schulareal hat Mauren seit vier Jahren ein Kulturhaus. Wie zufrieden ist man damit?
Das Kulturhaus Rössle hat sich sehr gut etabliert und wird von unterschiedlichen Kulturschaffenden aus der Gemeinde und von auswärts gerne genutzt. Zum Teil halten Vereine dort ihre Versammlungen ab. Oder Primarschul- oder Kindergartenkinder füllen es durch eigene Ausstellungen mit Leben. Das Kulturhaus ist heute nicht mehr aus der Gemeinde wegzudenken.

Kommen wir zur Nahversorgung: Mauren hat als eine der grösseren Gemeinden im Unterland nur wenige, kleinere Lebensmittelläden. Besteht kein Bedarf für einen grösseren Laden?
Dies ist ein Thema, das sich aus der Bevölkerungsumfrage herauskristallisiert hat und dem ich mich in meiner nächsten Mandatsperiode annehmen würde, sofern ich auch wiedergewählt werde. Wir sind diesbezüglich bereits in Gesprächen, doch es gibt noch nichts Konkretes.

Der Umbau des Gemeindesaals und die Erweiterung des Bildungsstandorts sind aktuelle grössere Projekte. Sind weitere geplant?
Diese Projekte binden erhebliche Finanzmittel und beschäftigen uns noch die nächsten drei Jahre, bis sie bezugsbereit sind. Auch sind Verbesserungen in der Strasseninfrastruktur geplant. Beim Vogelparadies Birka wird der Kinderspielplatz erneuert. In Kürze beginnen die Bauarbeiten, die bis zur 300-Jahr-Feier abgeschlossen werden sollten, sodass der neue Spielplatz dann gleichzeitig mit dem Liechtenstein-Weg eröffnet werden kann.

Zum Schluss kommen wir zu den Eigenheiten: Was macht einen Maurer aus?
Es wird gelegentlich gesagt, wir seien ein etwas seltsames Völklein. Aber alle, die hierher ziehen, lernen uns rasch als sehr aufgeschlossene, offenherzige und gesellige Gemeinschaft kennen.

23. Okt 2018 / 15:37
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