• Zerwas Lohnarbeit Mauren 03
    Simon, Elmar und Erwin Zerwas sowie Anton Meier genossen den «Tag der offenen Tür».  (Rudi Schachenhofer)

27-Jähriger betreibt digitalen Stall

Der 27-jährige Simon Zerwas nahm dieses Jahr einen automatisierten und digitalisierten Mastviehstall in Schaanwald in Betrieb.

Landwirte haben lange Arbeitstage. Für sie ist das jedoch eine Selbstverständlichkeit. Wohl deshalb tut Simon Zerwas zu Beginn des Gesprächs seinen Arbeitseifer mit einer lässigen Handbewegung ab: «Wissen Sie, wenn alles automatisiert ist, darf man sich am Wochenende erlauben, mit Freunden auszugehen und spät heimzukommen». Also alles halb so wild, scheint es. Doch nach dem obligatorischen Smalltalk entpuppt sich der 27-jährige selbstständige Landwirt im weiteren Gesprächsverlauf als Arbeitstier. Denn dieses Jahr, als der Bauernhof in Schaanwald instand gesetzt wurde, kämpfte sich Zerwas durch 20 Stunden dauernde Arbeitstage. Dies ist dem massiven Neubau in Beton geschuldet, welche die übliche Arbeit auf dem Feld begleitete. Letzteres nimmt nur durch die voranschreitende Arbeitszeit ab, und der Bauer darf sich nun auf eine wohlverdiente Regenerationszeit freuen.

Tag der offenen Tür war ein Erfolgserlebnis

Vergangenen Samstag und Sonntag feierte Zerwas den neuen Mastviehstall, der im Mai in Betrieb genommen wurde, mit einem «Tag der offenen Tür». Es erschienen rund 4000 Personen, darunter die Umweltministerin Dominique Hasler. Dies sei für ihn eine besondere Freude gewesen. Gerechnet habe er hingegen mit 2000 Personen. «Aber ehrlich gesagt, hatte ich gegrübelt, ob überhaupt 1000 kommen werden», sagt Zerwas schmunzelnd. Der Grund für das rege Interesse liegt in der Automatisierung und Digitalisierung des Stalls, die zum Teil bei Milchbetrieben schon Anwendung geniessen, doch für Mastviehställe rela­tives Neuland und rar gesät sei. Nicht ohne Grund fanden sich Landwirte aus den Räumen Zürich und Bern in Schaanwald ein. Mit drei Freunden stand Zerwas bereit, den Gästen Rede und Antwort zu stehen. Unter einem offenen Dach zeigten sie, wie die Stallwände per Bedienung des Tablets und Handys hochgefahren werden konnten. Somit herrsche im Sommer im Vergleich zu konventionellen Holzställen eine für die Sinne angenehme Atmosphäre. Das eigentliche Augenmerk lag jedoch auf den vollautomatisierten Fütterungsprozess: «Vom Silo gelangt das Futter per Förderband in den Roboter ‹Lely Vector›, welcher die Rinder im 40-Minuten-Takt beliefert und auch verstreute Nahrung zuschiebt. Das Vieh wird 24 Stunden gefüttert.» Acht verschiedene Rezepte werden dem Vieh verabreicht, denn Munis benötigen anderes Futter als Rinder, welche bei der gleichen Nahrungszufuhr zu viel Energie erhielten und somit verfetten würden. «Bucht für Bucht, in denen sich die Rinder eine Auszeit vom Fressen nehmen, wird vollautomatisiert Stroh heruntergelassen, damit das Vieh stets über einen trockenen Schlafplatz verfügt», so Zerwas. Eine App wertet aus, wo Stroh oder Futter fehlt, und bestimmt daraufhin die benötigte Menge oder Mischung für die Rinder und Munis. Zerwas fungiert dabei als Kontrolleur. Eingerichtet hat das System sein Bruder, der Softwareentwickler ist.

Die für den Bauer klassische Beziehung zum Tier sei somit nicht ganz gegeben, obwohl der junge Bauer auch seine Lieblinge habe, denen er auch Namen gebe. Mit der Automatisierung und Digitalisierung stehe das Tierwohl im Mittelpunkt, das Zerwas sehr am Herzen liegt. Eine Bindung zum Tier hat der Landwirt somit sehr wohl, doch hätte er sich bewusst für einen Mastviehstall und gegen eine Milchwirtschaft entschieden. Zerwas wusste von Beginn an, wie seine Zukunft aussehen sollte, somit stand für den 27-Jährigen der Berufswunsch als Bauer früh fest.

Den Familienbetrieb auf Vordermann gebracht

Zerwas hatte die Idee für seinen vollautomatisierten Mastbetrieb vor vier Jahren. Zweifel aufgekommen seien beim jungen Unternehmer nie: «Man lässt es ja wirtschaftlich prüfen, ob sich ein Betrieb lohnen wird.» Den Bauernhof übernahm er von seinem Grossvater, der nächstes Jahr seinen 100. Geburtstag feiern wird. Simon Zerwas führte auch die Tradition des Gemüseanbaus von seinem Grossvater weiter. Weil Zerwas’ Vater kein Bauer war und somit eine Generation beim Bauern ausgelassen wurde, musste der Betrieb auf Vordermann gebracht werden. Einen Landwirtschaftsbetrieb neu aufzubauen, hat seine Vor- und Nachteile. Zum einen könne man seinen Wünschen entsprechend handeln, zum anderen sei mit der Wunscher­füllung ein Kostenfaktor verbunden. «Die Investition wird sich aber rentieren», sagt Zerwas. In diesem Monat werden die ersten 70 Rinder zum Schlachthof geführt. (dab)

15. Nov 2019 / 06:00
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