• Donat Thoma, Mauren
    Oft bis spät in die Nacht hinein arbeitet der Uhrmacher Donat Thoma in seiner Werkstatt.  (Tatjana Schnalzger)

Der Mann mit zwei Armbanduhren

Im Liechtensteiner Unterland ist Donat Thoma ein Name. Der Uhrmacher in Mauren führt den Handwerksberuf mit viel Leidenschaft und Präzision aus – oft nach Ladenschluss, wenn er genügend Zeit hat.
Mauren. 

Es ist 18.30 Uhr: Der Uhrmacher und diplomierter Optiker Donat Thoma schliesst sein Geschäft in Mauren und nimmt sich Zeit für ein Interview. Auch wenn seine Arbeit eigentlich noch nicht getan ist und hinten in der Werkstatt noch etliche Uhren darauf warten repariert zu werden. «Die Arbeit geht mir nicht aus», sagt er und rückt die Werkzeuge zurecht. Klein und fein sind sie und man sieht, was ein Uhrmacher mitbringen sollte: Feinmotorik mit ruhiger Hand und auch Geduld. Donat Thoma bringt diese Fähigkeiten mit. «Ich schraube gerne und die Mechanik der Uhren hat mich immer schon fasziniert.»  

Die Fähigkeit hat der 57-Jährige sozusagen in die Wiege gelegt bekommen. Sein Vater reparierte schon Uhren repariert und handelte mit ihnen. «Ich bin mit Uhren aufgewachsen», erzählt er. Deshalb war für Donat Thoma klar, dass er die vierjährige Lehre als Uhrmacher absolvieren möchte. Eigentlich wollte er die Lehre als Uhrmacher/Optiker abschliessen, doch das System änderte während seiner Lehrzeit und eine Kombination war nicht mehr möglich. «Deshalb musste ich für den Optiker nochmals vier Lehrjahre anhängen.» Danach bildete er isch berufsbegleitend weitere sieben Jahre zum Augenoptikermeister weiter. Auch wenn sein Herz schon immer für Uhren schlug, wollte er sich ein zweites Standbein sichern. Denn in den 80er-Jahren waren die Zeiten für die Uhrmacher nicht sehr aussichtsreich. Damals kamen die Quarzuhren mit Batteriebetrieb auf. Die erste Swatch kam auf den Markt. Deshalb war auch der Beruf nicht sehr gefragt: Zehn Lehrlinge gab es in der ganzen Deutschschweiz. «Wie die Lehrlingssituation heute ist, kann ich nicht sagen. Aber Mechanikuhren sind seit Ender der 80er-Jahre wieder gefragt.»

Die Uhrenmechanik fasziniert heute noch

1987 übernahm Donat Thoma das Geschäft von seinem Vater. Dieser hatte es als Nebenerwerb geführt, Thoma machte es zu seinem Vollerwerb und zog in das Geschäftslokal an der Peter-Kaiser-Strasse in Mauren, wo er heute noch ist. Er habe den Standort nicht bewusst gewählt, es habe sich so ergeben. «Aber ich bin zufrieden hier. Die Kunden kennen mich und ich kenne sie, das macht das Ganze persönlich», sagt er. Der Uhrmacher ist sich bewusst, dass sein Geschäft eine Nische ist, doch das macht es auch aus. Neben den Uhren verkauft er ausserdem noch Schmuck – von Schutzengel-Anhäger zur Taufe bis zum Ehereing –  und Brillen, Feldstecker, Lupen und macht Sehtests mit Refraktion zur Brillenbestimmung und Kontaktlinsenanpassung. 
Trotz dem digitalen Zeitalter sind Mechanikuhren wieder ganz vorne auf dem Markt. «Ich denke, es ist die Faszination der Mechanik.» Mechanische Uhren enthalten kein einziges elektronisches Bauteil und bestehen vollständig aus kleinen Zahnrädern, Hebeln, Federn und anderen Teilen aus Stahl, Messing und Rubin. Damit die Uhr laufen kann besitzt sie häufig einen Mechanismus, der die Feder der Uhr durch die Bewegung des Handgelenks und des Armes des Trägers aufzieht. Die Uhr läuft also durch das Tragen immer weiter und weiter.

Uhren aus Familienbesitz, statt Konzernuhren

Donat Thoma verkauft nur Uhren von ausgewählten Firmen. «Mir ist wichtig, dass meine Verkaufsuhren von Firmen kommen, die noch in Familienbesitz sind, eigene Werke oder Komplikationen entwickeln und prodzieren und nicht im Besitz der grossen Konzerne sind» Dies sind beispielsweisen Uhren vo Eberhard, Mühle-Glashütte, Revue—Thommen oder Eterna.
Der Uhrmacher selbst hat eine Eberhard am linken Arm. «Eine Eberhard war es schon immer», sagt er und zeigt sie stolz. Und auch am rechten Handgelenk hat er eine Uhr an. Er müsse ja schliesslich testen, was er verkaufe. 

Die Uhrenmechanik in Übergrösse erlebt

Neben den Armbanduhren repariert er auch Wanduhren. Oft sei es so, dass die Wanduhren über Generationen weitergeben werden. An der Wand tickt beispielsweise eine 150 Jahre alte Uhr, die zur Reparatur beim Maurer Uhrmacher ist. «Die überleben uns alle», sagt er lachend. Die Mechanik ist nicht so leicht totzukriegen. Gibt es irgendwelche Bestandteile nicht mehr, kann er sie selbst nachbauen. 
Nach all den Jahren ist seine Faszination für Uhren geblieben. Eine Arbeit hat Donat Thoma besonders in Erinnerung behalten: «In meiner Lehrzeit durfte ich eine Kirchenuhr komplett revidieren.» Dafür benötigte er allerdings nicht die feinen Werkzeuge – hier konnte er die Mechanik in Übergrösse erleben. (manu)

 

26. Okt 2018 / 15:54
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