• Arnold Matt in Mauren
    Noldi Matt betreut seine Kunden weiterhin als Geschäftsführer in Mauren, gedruckt wird in Schaan.  (Daniel Schwendener)

Das letzte Blatt aus Mauren

Arnold Matt hat seine Druckerei in Mauren nach 32 Jahren verkauft. Eine Zeit voller Höhen, aber auch Tiefen.

Arnold Matt hat seinen Betrieb unlängst an die Gutenberg Druckerei in Schaan verkauft. Er bleibt vorerst Geschäftsführer, bereitet sich aber langsam auf den Ruhestand vor, den er spätestens in fünf Jahren antreten will. Im Frühjahr wird der gelernte Schriftsetzer 63 Jahre alt. Investitionen in Millionenhöhe wären angestanden, um den Maschinenpark seiner Druckerei in Mauren zu erneuern. «Damit sich diese Investitionen rechnen, müsste ich weitere 20 Jahre lang arbeiten», sagt Matt und lacht. In Mauren läuft der Umzug auf Hochtouren, die erste Maschine wurde bereits nach Schaan transportiert und ab 2020 sollen dann auch seine Mitarbeiter übersiedeln. Ein logischer Schritt angesichts der Nachfolgefrage und der Herausforderungen, welche die Branche beschäftigen.

«Viele Unternehmer sind hochemotional»

Die Digitalisierung ging auch an seinem Betrieb nicht spurlos vorbei, den er vor über 32 Jahren gegründet hat. Er musste Prozesse automatisieren, um mit den wachsenden Internet-Angeboten Schritt halten zu können. «Vor der Krise im Jahr 2007 haben wir 14 Mitarbeiter beschäftigt, heute sind es nur noch sieben». Zwar gehen jährlich noch immer 1600 Druckaufträge bei ihm ein, die immer gereicht haben, um – nach Abzug der Lohnkosten – ein Plus zu erwirtschaften. Der Preisdruck durch eine Vielfalt von Internetangeboten ist aber so hoch, dass sich die Zahl der Druckereien in der Schweiz sogar innerhalb weniger Jahre halbiert hat. Dabei hat Noldi Matt, wie ihn die meisten in Liechtenstein nennen, auch schon einfachere Zeiten erlebt. Nach der Gründung der Druckerei im Jahr 1987 ging es schnell und steil bergauf.

Die Bank gewährte einen Kredit, um seine erste Druckmaschine für knapp 70 000 Franken anzuschaffen. Möglich war das nur, weil er Boden als Sicherheit für den Kredit besass. Einen eigenen Maschinenpark zu finanzieren, das war sein grösster Wunsch damals. Nach einem halben Jahr konnte er den ersten Mitarbeiter einstellen und weitere Investitionen aus dem laufenden Cashflow tätigen. Heute müsste er zwei bis drei Millionen Franken in die Hand nehmen, um seine Druckerei mit den gleichen Maschinen und derselben Technik ausstatten zu können. Inzwischen ist er Drucker, Buchhalter und Kundenberater in Personalunion. Im gleichen Jahr damals, also 1987, gründete er nicht nur seine Firma, sondern auch eine Familie. Die älteste Tochter kam zur Welt. Sie absolvierte eine Ausbildung zur Drucktechnologin, arbeitete über Jahre hinweg in seinem Betrieb, doch übernehmen wollte sie ihn nicht. So entschied er sich zu verkaufen. «Viele Unternehmer sind bei der Nachfolgeregelung hochemotional und können sich bei einem Verkauf gar nicht erst einigen», sagt Matt.

Sie überschätzten den Wert des Unternehmens vielfach, weil ihr ganzes Leben damit verbunden ist und ihr Herz daran hängt. Noldi Matt hatte diesbezüglich keine Trennungsängste. In den 70er-Jahren hat er schon einmal für die Gutenberg Druckerei gearbeitet, bevor er sich in die Selbständigkeit wagte. Eigentlich wollte Arnold «Noldi» Matt Motorradmechaniker werden, doch das haben seine Eltern verhindert.

17 Jahre als Präsident der Wirtschaftskammer

Matt hat nicht nur über 32 Jahre lang seine Druckerei geführt, sondern war auch vier Jahre im Gemeinderat Mauren, 26 Jahre bei der Guggamusik und über 17 Jahre lang Präsident der Wirtschaftskammer. Darauf ist der Unternehmer besonders stolz. Gerade als Präsident der Wirtschaftskammer gab es auch schwierige Zeiten, zuletzt als die Initiative zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu 80 Prozent der Stimmbürger und damit überaus deutlich abgelehnt wurde. Überraschend kam das für Noldi Matt nicht, er habe schon geahnt, dass es ein schwieriges Terrain ist. Das Schwierigste für ihn während all der Zeit war die Aufhebung der Pflichtmitgliedschaften im Jahr 2007, als die die gesamtarbeitsrechtliche Situation auf den Kopf gestellt wurde.

Die Funktion bei der Wirtschaftskammer hat er zwar seit einigen Jahren abgegeben, doch noch immer ärgern ihn bestimmte wirtschaftspolitische Themen. «Warum dürfen allen anderen Nachbarländer der Schweiz die Quellensteuer zurückbehalten nur Liechtenstein nicht?», fragt sich der Unternehmer. Liechtensteiner Arbeitnehmer in der Schweiz zahlen diese Steuer an die Schweiz. Auch das Geschehen rund um das Landesspital lässt ihn nicht kalt. Er ist überzeugt, dass es eine von der Schweiz unabhängige Versorgung in Liechtenstein braucht – auch wenn das Spital wahrscheinlich nicht rentabel ist. Nicht alles sei eine Frage der Wirtschaftlichkeit. Matt ärgert es, dass viele Liechtensteiner immer wieder das Spital Grabs finanziell unterstützt haben anstatt das Landesspital. Sein «Ja» in dieser Abstimmung ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Ein Blatt vor den Mund genommen, das habe er ohnehin noch nie. (dal)

14. Nov 2019 / 20:03
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