• Die Kindertanzgruppen Gamprin und Triesenberg beim gemeinsamen Auftritt an der LIHGA-Messe 2018 im Zelt der Vereinigung Bäuerlicher Organisationen (VBO).  (zvg)

Eine echte Tradition

Alle finden sie herzig, aber nur die wenigsten schicken ihre Kinder hin: Die Kindertrachtentanzgruppe in Gamprin braucht dringend Verstärkung, damit sie mit ihren Auftritten das kulturelle Leben bereichern kann.
Volkstanz. 

Als Waltraud Wohlwend leider keine Zeit mehr hatte, war es erst mal vorbei mit der Kindertrachtentanzgruppe in Gamprin: Die damalige Leiterin musste die Gruppe schweren Herzens auflösen. Für einige Jahre gab es in Vaduz eine neue Gruppe von Kindern, doch als auch diese infolge Zeitmangel aufgelöst werden musste, rief die damalige Präsidentin der Trachtenvereinigung, Emerita Büchel, bei Sandra Näscher an. Näscher ist seit 15 Jahren Präsidentin des Trachtenvereins Gamprin. «Ich hatte vom Trachtentanz noch nicht viel Ahnung, sagte aber spontan zu», erinnert sie sich. Sie hat kurzerhand Kurse besucht, war bei anderen Tanzgruppen zu Besuch, hat reingeschnuppert und sich das Wissen angeeignet. Schliesslich fehlte noch ein Probelokal, wobei die Gemeinde Gamprin unkompliziert Unterstützung anbot. «In den ersten Proben war ich praktisch alleine mit meinen eigenen Kindern», sagt Sandra Näscher. Dann kamen weitere Kinder aus Ruggell, und es konnte losgehen. «Mindestens acht Kinder sollten wir sein – im Idealfall wären es ­natürlich vier Buben und vier Mädchen.»

Alle tragen Dirndl, aber keine Trachten
«Es ist schon merkwürdig: Seit Jahren sind Dirndl in Mode, aber zur Tracht ist eine Hemmschwelle da», sagt Sandra Näscher. Die Einstellung der Kinder hänge eben sehr eng mit jener der Eltern zusammen: Wenn die Eltern keinen Bezug haben, wird es schwierig. Im Kindergarten sind die Kinder noch am besten zu gewinnen. «Ab der ersten Klasse hören wir öfters: Die Kinder sind ausgebucht», sagt Sandra Näscher.

Auftritt am Staatsfeiertag
Derzeit hat die Kindertanzgruppe zu wenig Kinder. In der Not spannt man mit der Triesenberger Kindertrachtentanzgruppe zusammen. Hier hat es noch ­genügend Nachwuchs. Warum klappt es in Triesenberg besser? «Ich denke, in Triesenberg erfährt die Volkskultur noch mehr Wertschätzung, das Interesse der Eltern ist vielleicht grösser. Aber auch in Triesenberg ist es kein Selbstläufer mehr», sagt Sandra Näscher. Die Gruppen in Gamprin und Triesenberg proben die gleichen Tänze auf die gleiche Art, deshalb sind gemeinsame Auftritte kein Problem.

Der Aufwand ist überschaubar: Die Kinder in Gamprin proben alle zwei Wochen eine Stunde, vor einem Auftritt auch etwas mehr. Pro Jahr sind es drei bis vier Auftritte. Ein Höhepunkt ist immer der Auftritt am Rebelzmorga des Trachtenvereins Gamprin, und auch Auftritte am Staatsfeiertag im Rosengarten von Schloss Vaduz sind geplant. Selbstverständlich sind Kinder aus allen Gemeinden des Landes willkommen, weshalb einige Auftritte auch unter dem Namen «Kindertrachtentanzgruppe Liechtenstein» stattfinden. (db)

Nachgefragt
«Wir sind nicht allein»

Sandra Näscher, Präsidentin des Trachtenvereins Gamprin, erklärt, warum der Trachtentanz auch pädagogisch wertvoll ist.

Wieso ist es schwieriger, Nachwuchs für den Verein zu finden?
Früher blieb man in der Gemeinde. Eltern hatten gar keine Möglichkeit, ihre Kinder ständig von A nach B zu chauffieren, damit diese ihren Hobbys nachgehen konnten. Deshalb wurden die Vereine im Dorf berücksichtigt, und es war eine starke Dorfkultur vorhanden. Heute gibt es viel mehr Möglichkeiten, und gegenüber anderen Hobbys gilt Trachtentanz oftmals als uncool.

Ist es denn uncool?
Überhaupt nicht. Das sieht man besonders an den Trachtenfesten in der Schweiz und Österreich, an die wir oft gehen. Dort wird einem bewusst, wie viele junge Leute Tracht tragen. Das sollten wir in Liechtenstein wieder viel mehr pflegen. An Kindertanzfesten merkt man: Wir sind nicht allein. An regionalen Tanzfesten wirken über 100 Kinder mit. 

Was bringt es den Kindern?
Nebst dem Spass ist das Tanzen mit musikalischer Begleitung auch eine Herausforderung: Die  Koordination zwischen Händen und Beinen, das Rhythmusgefühl wird geschult – sozusagen eine musikalische Früherziehung.

Nächster Auftritt: Kindertrachtentanzgruppe Liechtenstein
Samstag, 30. März 2019, ab 18.30 Uhr, SAL Schaan: Passivkonzert des Jodelclubs Edelweiss, Schaan

26. Mär 2019 / 23:09
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Andreas Bourani
Zu gewinnen 7 Gutscheine für alle Bars im Nightlife-Special dieser Ausgabe
06.06.2019
Facebook
Top