• Dorflada Margrith Öhri, Gamprin Bendern
    Der Dorfladen in Bendern ist eines der Wahrzeichen der Gemeinde.  (Tatjana Schnalzger)

Dorfladen in Bendern schliesst Ende Jahr

Seit mehr als 60 Jahren besteht der Dorfladen in Bendern, eine Institution in der Gemeinde. An Weihnachten öffnet Margrith Öhri zum letzten Mal ihre Ladentür und damit geht für viele Stammgäste ein Treffpunkt verloren.

Der Dorfladen an der Eschner Strasse in Bendern ist einer der letzten kleinen Lebensmittelläden, die es in Liechtenstein noch gibt. Seit 1952 konnten sich die Kunden dort mit allem Notwendigem eindecken, fanden ein offenes Ohr bei Problemen und verbrachten hier ihre Znüni-Pausen. Ende dieses Jahres ist damit aber leider Schluss. Margrith Öhri schliesst ihren Laden. Die Gründe dafür sind simpel: Zum einen ist durch die starke Konkurrenz in der Region der Absatz zurückgegangen, zum anderen möchte Margrith Öhri ihren Ruhestand in vollen Zügen geniessen. Ausserdem würden in der kommenden Zeit Investitionen notwendig und das wäre nicht rentabel.
Was zurückbleibt sind traurige Gesichter. «Ich komme seit über 25 Jahren beinahe jeden Tag hier in den Dorfladen», erzählt ein Stammgast. «Ich mache mir zu Hause nicht einmal mehr einen Kaffee, weil ich weiss, hier bekomme ich einen.» Aber Fakt ist, die Umsätze decken die Unkosten kaum mehr. «Für die Nahversorgung ist unser Laden heute nicht mehr notwendig», erzählt Margriths Ehemann Wilfried Öhri. «Die Menschen können einfach über die Brücke nach Haag fahren oder nach Eschen oder Ruggell.» 

Viel Arbeit und wenig Freizeit
Ausserdem ist die Belastung für Margrith gross. Seit sie 1998 den Laden von ihrer Mutter Bernadette übernommen hat, steht sie an sechs Tagen in der Woche von 5.30 bis 18.30 Uhr hinter der Theke, schenkt Kaffee aus, verkauft Fleischkäsbrötle und bedient die Kundschaft. Ferien hatte sie dabei früher gar keine. Seit einigen Jahren schliesst sie den Laden für drei Wochen während der Sommerferien und für zwei Wochen über Weihnachten. In dieser Zeit hat sie viele Kunden bei sich gehabt und bis heute hat der Laden etliche Stammkunden. «Ich habe den Laden immer gerne geführt, es hat wirklich Spass gemacht. Aber jetzt bin ich in einem Alter, in dem ich mir für meine Familie Zeit nehmen will, besonders für meine drei Enkelkinder», erklärt die Chefin. Der Standort an der Eschner Strasse war für den Laden ideal. Neben dem eingefleischten Kundenkreis fanden auch viele Besucher den Weg in den Laden. Und das nicht nur unter tags. «Es gab Zeiten, da hatten wir bis 22 Uhr Gäste bei uns im Laden, es wurde gefeiert und gelacht», erinnert sich Margrith mit einem Lächeln. Das gilt nicht nur für Gampriner, Menschen aus dem ganzen Land zählen zur Stammkundschaft von Margriths Laden. Und einige sagen noch automatisch «Bernadette» zur Chefin, nur aus Gewohnheit. Denn Margriths Mutter führte den Laden davor Jahrzehnte lang.
Die Stammkunden haben Verständnis für die Entscheidung. «Einige Gäste sind geschockt, wenn wir ihnen von unserer Entscheidung erzählen. Aber schliesslich können es alle verstehen. Wir sind ja auch beide bereits über 70 Jahre alt und haben uns den Ruhestand verdient», erklärt Margrith. Sie wird den Dorfladen mit einem lachenden und einem weinenden Auge zuschliessen.

«Es wird in Zukunft ruhiger werden»
Mit dem Dorfladen verschwindet Ende Jahr ein Ort, wo man sein Feierabendbier geniessen kann. Margrith und ihr Mann Wilfried freuen sich aber auf die kommende Zeit. «Das Familienleben kam in den letzten Jahren oft zu kurz. Jetzt können wir gemeinsam alles nachholen.» Etwas Respekt hat Margrith dennoch vor der Zukunft, schliesslich stand sie über 50 Jahre im Laden. Eine Umstellung wird es auf jeden Fall. Denn auch wenn beispielsweise die Enkelkinder zu Besuch bei «Lada-Nana und Lada-Neni» sind, können sie sich dann nicht mehr einfach ein Fleischkäsbrötle oder einen Joghurt holen, wenn ihnen danach ist. Und auch Margrith und Wilfried selbst müssen von da an mit dem Auto irgendwohin einkaufen fahren und können nicht einfach die wenigen Stufen hinunter in den Laden laufen und die Sachen aus dem Regal nehmen. Es wird also für alle eine Umstellung. Ein Gast formuliert es schliesslich treffend: «Wenn der Dorfladen schliesst, muss ich einfach auch in Pension gehen. Denn ohne Margriths Laden geht es einfach nicht.» (lat)

25. Jun 2018 / 07:00
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