• Hilmar Schädler in Nendeln
    Kartbahn-Betreiber Hilmar Schädler.  (Daniel Schwendener)

«So ein Geschäft funktioniert nicht sofort»

Seit fünf Jahren kann in Nendeln mit Elektro-Gokarts um die beste Rundenzeit gefahren werden. Leiter Hilmar Schädler blickt zurück.
Eschen. 

Im April 2014 haben Sie die erste Kartbahn in Liechtenstein eröffnet. Wie sind Sie auf die Idee gekommen?

Hilmar Schädler: Ich bin acht Jahre lang Sportprototypen gefahren, war dadurch ab und zu auch auf Kartbahnen unterwegs. Die Vorstellung, dass man bei uns in Liechtenstein eine Kartbahn machen könnte, hat mich als Autofreak immer beschäftigt.

Warum haben Sie einen Standort in der Nendler Industrie gewählt?
2003 habe ich dort für mein anderes Unternehmen eine Halle gebaut, die 100 Meter lang ist und zur Hälfte mir gehört. Im dritten Stock hatten wir eine Produktion, die man für den Kunden verlagert hat. Anschliessend ist sie zwei Jahre lang leer gestanden. Zuerst habe ich versucht, sie zu vermieten. Da habe ich mir gedacht: Warum nicht einmal etwas anderes probieren? 

Die Strecke bietet Platz für fünf Gokarts gleichzeitig.
Mit zehn Elektro-Gokarts ist es keine grosse Kartbahn, die wir in Nendeln haben. Fünf sind immer gleichzeitig im Einsatz, während die anderen aufladen. An anderen Orten fahren bis zu 15 Personen auf einmal. Mit einer möglichen Maximalgeschwindigkeit von 58 Kilometern pro Stunde gehören wir aber zu den schnellsten Bahnen der Schweiz. 

Haben Sie von Anfang an auf Elektro-Gokarts gesetzt?
Es gibt noch Mitbewerber mit der Vorstellung, dass ein richtiger Gokart stinken und rauchen muss. Hat man Benziner. Braucht man allerdings eine Lüftung und gerade im Winter, wenn viel gefahren wird, bleiben die Abgase am Boden. Wenn einigen nach einem Ausflug zur Kartbahn schlecht wird, hat das nichts mit dem Bier nach der Fahrt zu tun. Das liegt am Kohlenstoffmonoxid. Deshalb kamen für mich nur Elektro-Gokarts in Frage. 

Sicherheit spielt eine grosse Rolle bei Ihnen.
Es sind immer zwei Personen auf der Kartbahn, eine Barfrau und ein Operator. Letzterer wird ausgebildet, bis er wirklich allein arbeiten kann. Er muss die Leute instruieren, wie richtig gefahren wird und ihnen die vier verschiedenen Tempo-Stufen erklären. Erst nach der Einführung schaltet er diese frei. Der Operator gibt auch die Zeichen fürs Überholen und sperrt die Kartbahn falls notwendig. 

Mit «Tütschäutile» ist also nichts?
Auf anderen Bahnen setzt man dich einfach in den Gokart und lässt dich fahren. Ich kenne Strecken, wo es pro Monat zwei bis drei Verletzte gibt. Dadurch kannst du zwar kassieren, aber die Leute sind nicht begeistert. Wir denken da in eine andere Richtung. Vor Kurzem haben wir einige Buggys angeschafft für die Kleinen, die noch nicht mit den Gokarts fahren dürfen. Diese kommen bei den Leuten gut an. Wir hatten davor Tesla-Modelle für Kinder, aber diese waren zu anfällig. 

Sie sind nicht nur Leiter der Kartbahn, sondern auch Geschäftsführer eines Industriezulieferes für die Automobilbranche. 
Ich habe diese beiden Geschäftsfelder ein Stück weit miteinander kombiniert. Die Automobilbranche ist im Umbruch ist. Heute fahre ich einen Tesla – das hängt auch wieder mit der elektrischen Kartbahn zusammen. Auf diesem Gebiet kann mir also niemand etwas erzählen, da kenne ich mich aus. Viele glauben, du baust eine Batterie und einen Elektromotor in das Auto und damit hat sich die Sache erledigt. Aber es ist bei Weitem nicht so einfach, wie man es sich vorstellt.

Bringt diese Kombination einen Vorteil? 
Ein Profit für das andere Unternehmen ergibt sich, indem wir Werbeveranstaltungen auf der Kartbahn durchführen. Dadurch habe ich in den letzten drei Jahren einen grossen Kunden aus dem Rheintal gewonnen, was allein schon etwas ihr Dasein berechtigt.

Ist der Markt im Land nicht zu klein für eine Kartbahn?
Nur mit Liechtenstein könntest du die Kartbahn gleich schliessen, da muss sehr viel Herzblut dabei sein. Das Problem ist, dass wir uns in einer ländlichen Region befinden. Wenn du eine solche Bahn in einem Ballungsgebiet wie Zürich hättest, könntest du sie dreimal so gross machen und sie wäre sieben Tage in der Woche ausgelastet. Durch Mundwerbung und gezieltes Marketing haben wir inzwischen jedoch ein relativ grosses Einzugsgebiet erreicht, das von Zürich bis ins Bündnerland reicht.

Zuerst war die Kartbahn sechs Tage in der Woche geöffnet. Heute beschränken sich die Öffnungszeiten auf das Wochenende. Warum?
Nach zwei Jahren haben wir festgestellt, dass Montag bis Donnerstag kaum etwas läuft. Am Mittwoch ist vielleicht eine Mutter mit zwei Kindern gekommen. Was du am Wochenende zusätzlich einnimmst, zahlst du so unter der Woche doppelt drauf. Seither sind wir von Freitag bis Sonntag, sonst nur auf Anfrage geöffnet. Dann hat man die Bahn exklusiv für sich, aber dafür muss sie mindestens eine Stunde gebucht werden.
Was für Zielgruppen erreicht die Kartbahn?
Am Wochenende haben wir vor allem Familienbetrieb. Unter der Woche buchen gerade jetzt im Herbst viele Firmen und Vereine die Kartbahn für ihre Veranstaltungen.

Zur Kartbahn gehört auch ein Bistro. Hätte es nicht das Potenzial für eine Nendler Stammkneipe?
Früher war die Kartbahn donnerstags von 17 bis 22 Uhr geöffnet und man konnte auch einfach nur etwas trinken. Der Betrieb war überschaubar, da müssen wir ehrlich sein. Bei uns im Land wird es immer schwieriger für Beizer. Im Vergleich zu Vorarlberg sind die Leute viel weniger unterwegs. 

Was gefällt Ihnen an der Aufgabe als Kartbahn-Betreiber?
Beim ersten Anblick belächeln viele das «Elektrokärrile» noch. Wenn die Leute aber erst einmal drinsitzen und merken, dass man bis zu sechs Mal schneller als mit einem Benzin-Gokart fährt, gehen sie mit einem Grinsen raus. 

Dieses Jahr feiert die Kartbahn ein Jubiläum. Welche Wünsche haben Sie für die nächsten fünf Jahre?
Die ersten drei Jahre sind extrem zäh gewesen. Die Kartbahn ist ein anderes Geschäft, als ich mir gewohnt gewesen bin. Grundsätzlich würde ich mir wünschen, dass es so weiterläuft wie in den vergangenen zwei Jahren. Dann sind mein Team und ich recht zufrieden. 

Sie haben also eine Einstiegszeit gebraucht?
Ich musste das neue Geschäft tatsächlich erst einmal kennenlernen. Eine Kartbahn machst du nicht einfach von heute auf morgen und dann funktioniert sie sofort. Man muss sich intensiv damit auseinandersetzen und die Abläufe optimieren. Ich wäre der Erste, welcher eine grössere bauen würde. Doch die Auslastung muss stimmen, denn irgendwie musst du sie auch finanzieren können. Wir haben aus dem hier Vorhandenen das Beste gemacht. (gk)

23. Sep 2019 / 22:34
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