• Ernst Wohlwend
    Ernst Wohlwend arbeitet fast täglich an der Drechselbank in seiner kleinen Werkstatt.  (Daniel Schwendener)

Pfeffermühlen, «handmade» in Nendeln

Sie sind Kunstwerke aus Holz - und doch nicht nur zum Herumstehen gemacht: Die Pfeffermühlen des Nendlers Ernst Wohlwend.

Ernst Wohlwend öffnet zwei Holzköfferchen mit Glasscheiben, in denen fein säuberlich Pfeffer-, Salz-, und Muskatnussmühlen verstaut sind. Ein Kunstwerk nach dem anderen kommt zum Vorschein: Mühlen in verschiedenen Formen, Farben und Grössen stellt er auf den Küchentisch – nicht ohne Stolz. Zurecht, denn jede Mühle ist ein Unikat und fasziniert mit ihrer Holzstruktur und Muster. Oft verwendet der Nendler nicht nur eine Holzart sondern mehrere und leimt die verschiedenen Holzelemente zusammen. «Damit alles passt, ist Millimeterarbeit gefragt», sagt er. Millimeterarbeit, die er auch mit seinen 92 Jahren noch mit viel Freude ausführt. 

Technik in den letzten 30 Jahren ständig verbessert

Sein Hobby betreibt Ernst Wohlwend seit bald 30 Jahren. Fast täglich steht er in seiner kleinen Werkstatt an der Drechselbank, die er von seiner Familie zum 65. Geburtstag bekommen hat. «Mir war schnell klar, dass ich damit etwas herstellen will, das einen Nutzen hat und nicht nur als Dekoration herumsteht.» Sein erstes Werk war eine Schale aus Buchenholz für seine Frau. Die Grösse der Schale war eine Herausforderung: «Heute würde ich mich als Anfänger nicht mehr an so etwas wagen», meint er. Der Senior hat viel in seiner Werkstatt gepröbelt und sich an allem versucht, was eine runde Form hat. Bis er seine ersten drei Pfeffermühlen hergestellt hatte. «Ich habe alle drei verschenkt und sie stiessen auf Begeisterung.» So tüftelte er weiter an seiner Technik, die er ständig verbesserte und machte sich auf die Suche nach einem gutem Mahlwerk – und wurde im Appenzell fündig. «Die Qualität der Mahlwerke ist sehr hoch. Bis jetzt ist noch keine meiner Pfeffermühlen kaputtgegangen.»

Ernst Wohlwend

Ernst Wohlwend mit einer Auswahl seiner Werke.

Das Arbeiten mit Holz liegt in der Familie

Vor seiner Pensionierung war Ernst Wohlwend in der Metallbranche tätig. Das Arbeiten mit dem Naturprodukt an der Drechselbank brachte er sich schliesslich selbst bei. Einen Kurs hat er nie besucht. «Man muss sein Hirn einschalten», antwortet er auf die Frage, wie er es denn ohne Anleitung geschafft hat, Pfeffermühlen herzustellen. Er habe gewusst, wie eine Pfeffermühle funktioniert, und man müsse Vorstellungsvermögen haben. «Wie die Musterung der Mühle schliesslich aussieht, sieht man erst, wenn sie fertig ist.»  Das Arbeiten mit Holz liegt in der Familie Wohlwend, die auch unter «D’ Schriiners» bekannt ist. Grossvater, Vater und ein Bruder von Ernst waren Schreiner. Ein weiterer Bruder, der ebenfalls in der Metallbranche tätig war, hat das Arbeiten mit Holz auch zu seinem Hobby gemacht. Vor allem seine Vogelhäuser sind weitherum bekannt. «Uns liegt das Handwerken mit Holz einfach», lacht Ernst Wohlwend. Er selbst durfte seine Mühlen-Kunstwerke in den Pfrundbauten in Eschen ausstellen.

Der Nendler arbeitet mit verschiedensten Holzarten. Am häufigsten jedoch mit einheimischem Holz, wie beispielsweise Buche, Esche oder Nussbaum. Aber auch exotische Stücke wie die Wurzel eines Olivenbaums oder Kauri-Holz aus Neuseeland kamen schon zum Einsatz. Jedes Holz ist anders in der Verarbeitung und im Aussehen. Einige Pfeffermühlen sind aus dem Holz eines Goldregen-Baums hergestellt. «Bei diesem Baum ist das Kernholz beispielsweise dunkel und der Splint aussenherum hell.»  Dabei muss das Holz nicht immer von der schönsten Sorte sein. «Um so grausiger das ursprüngliche Holz ist, umso besser gehen die Mühlen weg, habe ich manchmal das Gefühl», schmunzelt der 92-Jährige. Denn gerade Holz, das ursprünglich für das Auge weniger schön aussieht, kann spezielle Musterungen ergeben. Dass das so ist, habe er allerdings durch Zufall entdeckt, als er ein Stück Holz, welches eigentlich zu entsorgen war, bearbeitete. 

Von da an verwendet er alles an Holz, was er bekam und geht, wenn möglich, auch auf Wünsche ein: «Einmal kam jemand mit einem Quittenbaum auf einem Anhänger vorbei und fragte, ob ich den Baum gebrauchen könne.» Als Gegenleistung wollte der Baumbesitzer eine Pfeffermühle aus dem Holz – und zwar innerhalb eines halben Jahres. «Eigentlich unmöglich», sagt Ernst Wohlwend. Normalerweise muss das Holz mindestens zwei Jahre trocknen, bevor es verarbeitet werden kann, da es sich noch zu fest verändert. «Doch ich pröbelte und versuchte eine Technik. Und er bekam seine Pfeffermühle rechtzeitig.»

Das Label «EW» ist über die Grenzen hinaus bekannt

Die Mühlen von Ernst Wohlwend verkaufen sich gut. Das Label «EW» ist auch über Liechtensteins Grenzen hinaus bekannt. Beispielsweise wollte ein Zürcher Koch unbedingt so eine Pfeffermühle – so gross wie möglich, damit er nicht immer nachfüllen muss. Der Nendler konnte den Wunsch erfüllen. Aber auch in Russland, Amerika, Afrika oder Luxemburg gibt es EW-Mühlen, die oft auch als Geschenk mitgenommen werden.  Ernst Wohlwend räumt seine Kunstwerke wieder sorgfältig ein. Jede Mühle ist, wenn möglich, mit seinem Logo graviert. Auf einer Etikette steht von Hand geschrieben, aus welchem Holz das schöne Stück gemacht ist – alles «handmade» in Nendeln. (manu)

26. Sep 2019 / 17:09
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