• Hubert Gstöhl, Eschen
    Hubert Gstöhl in seinem Weingut am Eschnerberg  (Tatjana Schnalzger)

Liechtensteiner Winzer spüren Klimawandel

Das Jahr 2018 war für den Winzer Hubert Gstöhl vom Weingut Castellum am Eschnerberg endlich wieder einmal ein gutes Jahr. Bei allen seinen 15 Traubensorten konnte er aus dem Vollen schöpfen.

Bereits die Römer wussten die südliche Hanglage am Eschnerberg für den Rebbau zu nutzen. Als einige Jahre folgten, die mit Pilzbefällen, die man zuvor nicht kannte, und der Reblaus schlechte Ernten mit sich brachten, geriet der dortige Weinbau in eine Krise. Hinzu kam gemäss Hubert Gstöhl die Erschliessung der Arlbergbahn, die den Import von günstigem Tiroler Wein erleichterte. So wurde der Rebbau in Eschen eingestellt, bis er in den 60er-Jahren wieder aufkam.

Heute weist das Liechtensteiner Unterland rund 19 verschiedene Traubensorten für die Weinproduktion auf. Einer der Winzer befindet sich mit seinem Weingut Castellum auf dem Eschnerberg: Hubert Gstöhl. Er bewirtschaftet dort 15 Traubensorten, aus denen er 12 verschiedene Weine herstellt: weisse, rote, Barrique, Sekt und je nachdem auch einen Süsswein. «Von der Pflege der Reben bis zur Kelterung in Schaan machen wir alles selbst – auch den Verkauf in Eschen auf dem Weingut», erzählt der Winzer. Der Eschner Weinbau hebt sich von anderen Weingütern vor allem mit seiner südlichen Hanglage ab. «Diese sorgt für eine optimale Qualität und ein breites Sortiment», so Hubert Gstöhl weiter. «Vom leichten bis zum schweren Weisswein, wie auch beim Roten bis hin zum südländischen Wein können wir hier alles anbieten.» Früher seien die Sorten Blauburgunder und Riesling Silvaner im Vordergrund gestanden – heute sehe es anders aus. «Der Konsument ist wählerischer geworden und möchte eine hohe Qualität haben. Massenwein und Fusel liegen nicht mehr drin», erläutert der Eschner. Gerade der Liechtensteiner Konsument sei breit positioniert und weltoffen, was den Wein anbelange. «In den vergangenen Jahren haben wir es geschafft, dass  der Liechtensteiner Wein wieder vermehrt geschätzt und wahrgenommen wird.» Den Wandel begünstigten auch die südländischen Traubensorten, die nun hier angebaut werden können und das regionale Angebot mit den Weinen aus Kalifornien, Südafrika und Australien mithalten kann. «Im Unterschied zu denen leben und produzieren wir hier», betont Hubert Gstöhl. Als er mit dem Winzern angefangen hat, war die Wertschätzung für den heimischen Wein kaum  vorhanden.

Seit acht Jahren wieder einmal ein gutes Jahr

Er bewirtschaftet eine Fläche von 4,1 Hektare. In guten Jahren erntet er zwischen 24 und 30 Tonnen Trauben. «Das sind ungefähr 19 000 bis 20 000 Liter Wein», erläutert Hubert Gstöhl. Das war bei ihm in den vergangenen acht Jahren selten der Fall. «Wir hatten sehr viele Ausfälle – von 30 bis 60 Prozent – wegen verschiedenen Faktoren wie der Kirschessigfliege und diversen Umwelteinflüssen», meint er. Das Jahr 2018 brachte ihm endlich wieder einmal einen Ertrag, der sich sehen lassen kann. «Wir nahmen um die 30 Tonnen ein», freut er sich.

Nicht nur mit der Menge, auch mit der Qualität ist der Winzer zufrieden. Obwohl 2003 ein sehr trockenes Jahr war, wies die Qualität der Trauben damals Mängel auf. Sie seien zu schnell gereift. «Ihnen fehlte irgendetwas.» Daraus haben die Winzer gelernt und fingen schon früh an, Trauben herauszuschneiden, um die Qualität aufrechtzuerhalten. «Wir spürten, dass sie früh dran waren und hatten die Gnade, 30 bis 50 Prozent der Trauben herauszuschneiden, um den Reifeprozess zu verlängern.» Denn die Frucht benötige mindestens 100 Tage, um die richtige Qualität zu entwickeln. Die kühleren Nächte im September kamen dem Winzer sehr entgegen, denn diese brauchten die Trauben.

Klimaveränderung beeinflusst den Rebbau

Die Klimaveränderung ist für Hubert Gstöhl ein relevantes Thema. «Sorten wie Merlot und Cabernet Sauvignon, die früher hier nie gereift sind, fühlen sich plötzlich wohl und gedeihen prächtig.» Auch die langen Trockenperioden sowie lang anhaltende Regenfälle seien für ihn Indikatoren. Schädlinge aus dem Osten würden sich in ganz Europa ausbreiten. «All das kannte man früher nicht.» Bis aus neuen Sorten ein qualitativ hochstehender Wein entsteht, vergehen um die zehn Jahre. «Fünf Jahre, bis erstmals ein Ertrag zu verbuchen ist und dann etwa nochmals weitere fünf Jahre, erläutert Hubert Gstöhl. (ms)

27. Nov 2018 / 15:10
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