• Imbiss Anatolia in Eschen
    Der neue Vorsteher Tino Quaderer ist an einem langfristigen Erhalt des «Anatolia»-Containers in Eschen interessiert  (Daniel Schwendener)

«Anatolia»–Container könnte bleiben

Eine Verlängerung der Ausnahmebewilligung für den «Anatolia» ist möglich, sofern der Gemeinderat einem neuen Antrag zustimmt.

Vergangenen Freitag wurde im Eschner Dorfkern das Richtfest vom «Haus Sozialfonds Kreuz» zelebriert. Für jenes Gebäude, in dem unter anderem das «St. Martin Pub am Platz» (PAP) einzieht, ist der «Anatolia»-Imbiss auf die Dr. Albert-Schädler-Strasse ausgewichen. Wie der ehemalige Vorsteher Günther Kranz dem «Volksblatt» im April 2018 mitteilte, sei nicht jeder im Gemeinderat über die temporäre Lösung glücklich gewesen. Da die Dönerbude durchaus gut besucht sei, habe man dem Antrag letztlich zähneknirschend zugestimmt und sich gesagt: «Komm, in drei Jahren ist der Container wieder weg.» 

In der Zwischenzeit sind die Gemeinderatswahlen ins Land gezogen und glaubt man Tino Quaderer, dem neuen Vorsteher, muss die aktuelle Situation nicht zwingend eine Übergangslösung bleiben. «Unter Einhaltung baugesetzlicher Vorgaben ist die Gemeinde sehr an einem langfristigen Verbleib interessiert», lautet seine Position. Inhaber Ayhan Gündogdu und seine Familie könnten der verzwickten Situation demzufolge noch entkommen. Fasst man die Auskünfte aller involvierten Parteien zusammen, ist die Meinung des Gemeinderats das entscheidende Zünglein an der Waage. 

Wie es überhaupt zur «temporären Lösung» kam
Vorläufig ist der Pachtvertrag mit Grundstückeigentümer Donat Matt bis zum 31. Juli 2021 befristet. Zuerst war eine Option auf Verlängerung vorgesehen, doch die Gemeinde war dagegen. Ihr Mitspracherecht ist darauf zurückzuführen, dass sich die betroffene Parzelle in der Wohnzone – im Gegensatz zum nahgelegenen Konkurrenten «Pisa» knapp 50 Meter ausserhalb des Nutzungsbereichs für Gewerbe – befindet. Dementsprechend hatte sie über eine Ausnahmebewilligung zu entscheiden, welche die Familie Gündogdu einreichte. Infolge des Abrisses der alten Lokalfläche im Hinterdorf 1 und dem Versprechen der Gemeinde an die ehemalige Besitzerin, Hedi Batliner-Hagen, beim Kauf der Liegenschaft, dass eine Lösung für den «Anatolia» gefunden werde müsse, stimmte der ehemalige Gemeinderat dem Antrag zähneknirschend zu, nachdem andere Möglichkeiten gescheitert sind. Am 20. August 2018 eröffnete die Familie Gündogdu den Imbiss am aktuellen Standort. 

«Anatolia» kam nach Eschen, um zu bleiben
Geht es nach Inhaber Ayhan Gündogdu, kommt alles andere als ein Verbleib an der Dr. Albert-Schädler-Strasse nicht in Frage. Immerhin habe er rund 200 000 Franken in den Container investiert, was sich innerhalb von drei Jahren kaum amortisieren lasse. Der «Anatolia»-Container könnte zwar ab- und an einer neuen Stelle wieder aufgebaut werden. Damit wären allerdings weitere Kosten verbunden und der Unternehmer ist zufrieden mit dem zentralen Standort in Eschen. Seit dem Umzug habe das Geschäft «deutlich zugenommen», berichtet er.

«Wir sind seit 17 Jahren hier und wollen bleiben», erklärt seine Tochter Sevgi Gündogdu. Wie sie betont, habe man damals, als ein neuer Standort gesucht wurde, auch Angebote aus anderen Gemeinden erhalten. Doch das türkische Familienunternehmen gehöre laut ihr zu Eschen, wie früher etwa das traditionelle Gasthaus Hirschen. «Wenn die Leute an Eschen denken, kommt vielen als erstes der Anatolia in den Sinn.» Umgekehrt sei die Gemeinde für den Imbiss attraktiv, weil sie mit dem Schulzentrum und der umliegenden Industrie als «Zentrum vom Unterland» fungiert. 

Noch sei es zu früh dafür, doch die Familie Gündogdu hat einen Plan: Voraussichtlich ein Jahr vor Ablauf der Frist möchte sie eine Verlängerung der Bewilligung beantragen. Obwohl ihr Vater dem ehemaligen Vorsteher Günther Kranz vor Gericht zusichern musste, dass es eine solche nicht geben wird, ist sie zuversichtlich in dem Vorhaben. «Wir halten die gesetzlichen Rahmenbedingungen ein und bislang sind keine Reklamationen von den Anwohnern eingegangen», argumentiert Sevgi Gündogdu für einen positiven Entscheid. 

Vonseiten der Behörden gibt es grünes Licht
Dass die Inhaber bleiben möchten, liegt wohl auf der Hand. Wie sehen das aber die Entscheidungsträger? Die Gemeinde Eschen könne «aufgrund gesetzlicher Einschränkungen» keine Details zum laufenden Sachverhalt bekannt geben. Vorsteher Tino Quaderer betont, dass der Gemeinderat das Baugesuch der Familie Gündogdu unter Anwendung des rechtlichen Handlungsspielraumes «im Sinne einer einvernehmlichen Lösung» genehmigt habe. «Grundsätzlich ist es Sache des Betreibers, darüber zu entscheiden, wo und wie er seinen Betrieb führen möchte», meint Quaderer. Genauso wie bei anderen Unternehmen wäre die Gemeinde über die Wirtschaftsservicestelle dazu bereit, Hilfe anzubieten respektive Räumlichkeiten zu vermitteln. Zuletzt hätten im Sommer dieses Jahres Gespräche mit dem Betreiber stattgefunden. Über die Inhalte könne der Vorsteher keine Auskunft geben. Gemäss der Familie Gündogdu wurde dabei auch eine Verlängerung der Bewilligung behandelt. 

Grundstückbesitzer Donat Matt wollte auf eine Anfrage des «Vaterlands» keine Stellungnahme abgeben, sondern verwies diesbezüglich auf die Gemeinde Eschen. Angesichts der Tatsache, dass er ursprünglich einer Option auf Verlängerung zustimmte und mit der Pacht eine sichere Einnahmequelle hat, dürfte er einem solchen Antrag gegenüber wohl nicht abgeneigt sein. Auch Sevgi Gündogdu geht von seiner Zustimmung aus.
Bleibt nur noch das Amt für Bau und Infrastruktur (ABI). Wie Amtsleiter Romano Kunz wissen lässt, steht dem Wunsch der Familie Gündogdu vonseiten der Behörde nichts im Weg: «Eine Verlängerung wäre theoretisch möglich, wenn in einem neuen Verfahren alle einbezogenen Stellen dem zustimmen würden und die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind.» Eine solche Ausnahme von der jeweiligen Bauordnung kann jedoch nur die entsprechende Gemeinde ausstellen, womit der Ball im Endeffekt beim Gemeinderat liegt. Ob dieser wohlwollender dem «Anatolia» respektive einem Döner in Reichweite gestimmt ist, dürfte sich dann in einem Jahr zeigen. (gk)

27. Sep 2019 / 10:06
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