• Helmuth Büchel, Balzers
    Helmuth Büchels Herz hängt sehr an der Burg Gutenberg in Balzers.  (Tatjana Schnalzger)

«Probleme sind da, um gelöst zu werden»

Nach dem plötzlichen Tod des Präsidenten Wilfried Kaufmann wählte der Verein Kultur-Treff Burg Gutenberg 2016 einen neuen Vorstand. Helmuth Büchel wurde einstimmig zum Präsidenten ernannt. Im Interview blickt er auf seinen turbulenten Start zurück.

Herr Büchel, vor knapp zwei Jahren haben Sie sich als Präsident des Vereins Kultur-Treff Burg Gutenberg zur Verfügung gestellt. Wie kam es zu diesem Entscheid? 
Helmuth Büchel: Da muss ich etwas ausholen. Von 2003 bis 2011 war ich im Gemeinderat in Balzers und betreute dort das Resort Kultur. In Balzers haben die Musik und der Gesang eine grosse Bedeutung. Die Burg Gutenberg kenne ich seit meiner Kindheit und sie faszinierte mich schon immer. Von 2009 bis 2016 beschäftigte mich das Thema «Burg Gutenberg» als Stellvertrender Landtagsabgeordneter, da die Burg im Hochbautenbericht immer wieder ein Thema war. 2016 war für mich klar, dass ich nicht mehr für den Landtag kandidieren werde. Im Juni 2016 erhielt ich die Anfrage des ehemaligen Präsidenten Wilfried Kaufmann, ob ich sein Nachfolger werden möchte. Kaufmann verstarb kurz danach, Mitte Juli 2016, und gleichzeitig sprang der Hauptsponsor des Vereins kurzerhand ab. Als Treuhänder nahm ich die Finanzen unter die Lupe und stellte schnell fest: Wir brauchen neue Lösungswege im Zusammenhang mit dem Sponsoring. Ich habe mich der Herausforderung gestellt und tatkräftig neue Sponsoren gefunden. Heute haben wir nicht einen Hauptsponsor, sondern verschiedene Partner, die uns finanziell unterstützen.

Aber es war ein turbulenter Start für Sie als neuer Vereinspräsident? 
Es war einfach anders als geplant. Man kann es vielleicht mit dem Meer vergleichen: Ich hätte eigentlich über den Wellen gleiten wollen, aber es wurde stürmisch, sodass ich gegen die Wellen anschwimmen musste. 

Würden Sie sagen, dass es eine Charaktereigenschaft von Ihnen ist, als Kapitän in schwierigen Zeiten das Ruder zu übernehmen?
Ich sage immer: Probleme sind da, um gelöst zu werden und nicht, um daran zu scheitern. Nachdem man eine Lösung gefunden hat, hat man eine viel grössere Motivation und Freude an der Sache selbst. 

Wie sieht Ihr Alltag als Vereinspräsident aus? Welche Aufgaben nehmen Sie wahr?
In erster Linie habe ich den Auftrag, den Verein nach aussen zu repräsentieren. Die intensive Phase beginnt immer nach der Jahresversammlung und dauert von Oktober bis März. Die Jahresplanung für den Kultursommer auf der Burg Gutenberg ist dann in vollem Gang. Zusammen mit unserem Vizepräsidenten Anton Bürzle stehen wir in Kontakt mit den Künstlern. Dabei geht es dann um finanzielle Verhandlungen, Terminabstimmungen etc. Ebenso muss das vielfältige Programm abgestimmt und druckreif gemacht werden. Zudem müssen die Reservationsgesuche für die Burg und auch für die Aula der Primarschule Iramali gestellt werden, da bei schlechtem Wetter die Konzerte in der Aula stattfinden.

Vom Politiker zum Vereinspräsidenten – wie hat sich Ihr Alltag verändert? 
Ich habe wiederum mehr Lebensqualität. Die Politik ist ein äusserst spannendes, aber ein zeitintensives Thema. Ich arbeite 100 Prozent als Treuhänder und die Abende waren der politischen Arbeit gewidmet. Für die Vorbereitung der Landstagssitzungen musste ich zudem viele Wochenenden opfern. Es hat alles seine Zeit. Meine politische Tätigkeit hatte ein Ablaufdatum und jetzt bin ich glücklich, wieder im kulturellen Bereich arbeiten zu dürfen.

Mit welchen Herausforderungen hat der Verein zu kämpfen? 
Mein Ziel als Präsident für die Zukunft ist, dass wir als Verein sagen können: Wir von Balzers, wir pflegen unser Kulturgut, unsere Burg Gutenberg, die in den Herzen uns Balznern und Mälsnern gehört. Die beschränkte Anzahl von max. 180 Sitzplätzen ist deshalb eine Herausforderung, da wir gewillt sind, die Tickets zu moderaten Preisen anzubieten. Es soll möglich sein, dass Jung und Alt die wunderbare Atmosphäre auf der Burg geniessen können. Dies ist aber nur aufgrund der tatkräftigen Unterstützung von vielen Sponsoren und natürlich von Gemeinde und Land möglich.

Sie haben es bereits angesprochen: Auch die Wetterlage während eines Anlasses auf der Burg ist eine grosse Challenge.
Das birgt immer Nervenkitzel. Bereits eine Woche im Voraus «klebe» ich an meinen Wetter-Apps auf dem Smartphone und beobachte die Wetterentwicklung. Das intensivste Wetter-Beispiel hatten wir vergangenes Jahr. Am Durchführungstag eines Konzerts hatten wir um 11.30 Uhr strahlenden Sonnenschein in Balzers, aber auf meiner Wetter-App zeichnete sich ein Gewitter ab. Ich habe dann eine Wetterstation in Zürich angerufen, um mich abzusichern. Die Dame am Telefon erklärte mir freundlich: «Herr Büchel, wenn ich Ihnen einen Tipp geben darf – blasen Sie die Veranstaltung auf der Burg ab und verlegen Sie diese ins Trockene. Es wird ab 20 Uhr in Strömen regnen.» Und genau so war es. Ich war dankbar für diesen Ratschlag. 

Dann sitzen Sie jeweils am Tag der Veranstaltung wie auf Nadeln?
Die Veranstaltungen finden jeweils am Abend statt und deswegen müssen wir spätestens um 15 Uhr eine Entscheidung treffen, wo der Event durchgeführt wird. Dann kommt noch hinzu, dass unsere Künstler nicht zu den abgesprochenen Zeiten in Balzers eintreffen. Auch da muss man ruhig bleiben. Künstler ticken einfach ein bisschen anders. Aus dem Moment heraus versuche ich dann, die beste Entscheidung zu treffen. (nb)

25. Apr 2018 / 16:03
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