• Nudelmanufaktur Pasta Fiorelli Margrit Vogt
    Nudelmanufaktur Pasta Fiorelli von Margrit Vogt.  (Daniel Ospelt)

«Mit Liebe und Leidenschaft geht alles»

Margrit Vogt stellt in Balzers seit sechs Jahren nach ihren Rezepten Pasta her. Da sie ihr Geschäft alleine führt, fordert sie der neue Auftrag: 500 Kilogramm Nudeln.
Die Nudelmaschine brummt in der Maisonettewohnung in Balzers. Im Sekundentakt landen Farfalle in einem darunter stehenden Behälter. Margrit Vogt streicht mit der Hand über den Nudelhügel, der sich gebildet hat. Die frischen Trottole fühlen sich wie Knetmasse an. Dann zieht die Balznerin den Korb weg und stellt einen leeren darunter. Die weissen geringelten Nudeln rieseln weiter in den Behälter. 
 
«Pasta Fiorelli» als Hommage an ihre Mama
Vogt ist gelernte Gärtnerin und Floristin, arbeitet aber mittlerweile seit 25 Jahren in der optischen Industrie, Vollzeit – von morgens um fünf bis nachmittags um zwei Uhr. Dann geht sie nach Hause, macht ein Nickerchen und später kann sie endlich ihrer Leidenschaft nachgehen: der Nudelproduktion. Zu diesem «normalen Tag» im Leben der Balznerin meint sie: «Mit Liebe und Leidenschaft geht alles.» Der Name «Pasta Fiorelli», wie sie ihre Nudelmanufaktur nennt, sei eine Hommage an ihre Mama. Die leitete ihr Leben lang das Blumengeschäft Vogt in Balzers. «Fiore ist  ein italienisches Wort und bedeutet übersetzt Blume. Ich dachte, Fiorelli heisst Blümchen – das stimmt aber nicht», erklärt sie. Damit meint sie, dass Fiorelli nicht wirklich «Blümchen» bedeutet. Das wurde aber erst aufgelöst, als der Name für die Manufaktur schon bestimmt war, und so behielt sie ihn.   
Seit sechs Jahren ist ihre Wohnung gleichzeitig auch eine Nudelmanufaktur, die den Hygienestandards entsprechend umgebaut wurde. Die ehemalige Stube ist voll mit Maschinen – Fleischwolf, Entsafter, Nudelmaschine.  Ein weiteres Zimmer ist für das Abpacken und Abwägen der Teigwaren eingerichtet. Und im dritten , klimatisierten Raum wird das Mehl sowie auch diverses Zubehör gelagert. Einzig die Küche ist «verschont» geblieben. Sogar im Gang stehen Nudel-Tüten  mit der rot-grünen Aufschrift «Pasta Fiorelli». Die Balznerin schläft im Gästezimmer, das ein Stockwerk unter der Maisonettewohnung liegt. 
 
Pasta-Maschinen für knapp 30 000 Franken
Produziert Margrit Vogt von morgens bis abends Nudeln, schaffe sie 110 bis 120 Kilogramm, sagt sie. Das geht aber nur an Wochenenden, wenn sie nicht in ihrem Hauptberuf tätig ist. Momentan ist die Balznerin, die ihr Geschäft alleine führt, mit einem Grossauftrag beschäftigt: 500 Kilogramm Nudeln. Trotz der Belastung habe sie noch nicht an einen zweiten Mitarbeiter gedacht. «Den Grossauftrag erledige ich in der Freizeit», erklärt sie. Daneben beliefert sie auch eine namhafte Köchin aus der Schweiz sowie zahlreiche Detaillisten. Die Leidenschaft für die Nudelproduktion hegt Margrit Vogt schon lange. Eine Woche lang konnte Vogt in einer Manufaktur in Bern mithelfen. Nun ist sie selbst professionelle Nudelherstellerin. Ein Trockner fehlt ihr noch, dann ist sie zu 100 Prozent zufrieden mit ihrer Werkstatt. «Dann kann ich alles das machen, was auch italienische Hausfrauen können», sagt sie. 
 
Margrit Vogt kann 30 Pasta-Sorten herstellen
In der Stube, dem Herzen der Nudelmanufaktur, kleiden hölzerne Regale zwei Wände. Die kleinen Fächer sind mit einem roten Schild und dem Pasta-Namen verziert. Über 30 Nudelsorten kann Vogt mit ihrer Ausrüstung herstellen. Darunter sind spezielle Exemplare wie zum Beispiel Nudeln aus Hanf. Sogar Biosuisse- zertifiziert sind die Produkte. Die Maschinen hat sie alle teuer eingekauft. Zwei Nudelmaschinen für knapp 30 000 Franken waren die teuersten Investitionen. «Ich war bereits zwei Mal auf der Bank; die schöne Null sehe ich noch lange nicht», sagt sie. Die passionierte Teigwarenherstellerin hat neben den Rezepten aber auch die Konstruktion für das Trocknen der Lasagneblätter selbst ausgetüftelt: Auf zwei Tischen reiht sich Blech an Blech, in die Löcher gestanzt wurden. «Die Kunst war es, dass die Lasagneblätter beim Trocknen nicht reissen.» Der Baumarkt Jumbo war deshalb für vier Wochen Vogts neues Zuhause, erzählt sie amüsiert. 
 
Zukunftstraum: Besuch einer italienischen Pastaschule 
Die Balznerin hebt die Stange mit den Spaghetti aus der Vorrichtung. Sie wurden darübergehängt, um zu trocknen. Währenddessen erklärt sie, dass sie bald pensioniert wird. Aber warum gründet man so kurz vor der Pension ein Geschäft? «Nach der Pensionierung kommt die sinnvolle Beschäftigung», erklärt sie. «Vertladet» sei ihr die Nudelproduktion noch nie. Ihr Plan ist es, das Geschäft so auszubauen, bis man davon leben könne. Und dann möchte sie es an jemanden weitergeben, der dieselbe Begeisterung für die Nudelproduktion teile wie sie. «Vielleicht mache ich noch die Wirteprüfung, damit ich auch Saucen herstellen kann. Aber das ist noch nicht fix», erklärt sie. Ein Zukunftstraum der Balznerin wäre der Besuch einer Pastaschule in Italien.  (sq)
23. Apr 2018 / 23:29
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