•  (Daniel Ospelt)

"In meiner Feenwelt geht alles"

Seit rund fünf Jahren erfreut sich Bea Lippuner am Dekorieren von Torten. Von anderen dafür bewundert, ist ihre Leidenschaft für sie nichts Besonderes. «Das kann jeder lernen», ist sie sicher.

Anpacken, werken, mit den Händen etwas schaffen – das mochte sie schon immer gern, wie Bea Lippuner erzählt. «Ich habe als Kind viel Zeit in der Werkstatt meines Vaters verbracht.» Ein Beruf in einem Büro mit langweiligem Papierkram wäre für sie daher nie infrage gekommen. In der Töpferei Schwendener absolvierte sie damals eine Lehre als Keramikmalerin. Weder den Beruf noch die Töpferei gibt es noch. Der Zufall hat die kreative Frau später in die Gastronomie geführt. «Ich bin eigentlich immer wie die Jungfrau zum Kind an meine Jobs gekommen», meint sie und lacht. Aus einem Aushilfsjob in der Mensa des Gymnasiums wurden 25 Jahre, 15 davon arbeitete sie im Altersheim. «Das war eine sehr schöne Zeit. Ich habe es geliebt, den Geschichten der Bewohner zu lauschen.» Heute ist die lebenslustige Frau aus Balzers als Kurierfahrerin für das Labor Risch unterwegs – «als Blutschubse», wie sie sich gern selbst spasselshalber bezeichnet. 

Kreativ ist die 47-Jährige immer geblieben. In ihrer Freizeit löste ein Hobby das nächste ab. «Ich habe schon alles Mögliche gemacht: Glas geritzt, Holz gebrannt, Schals gestrickt – alles was mir vor die Füsse fällt», überlegt sie und ist überzeugt: «Wenn man will, kann man alles lernen.» Sprüche wie zum Beispiel «du bist zu klein» oder «du kannst das nicht» habe sie schon als Kind trotzig als Herausforderung betrachtet. 

Allerdings sei sie ein typischer 3-Monats-Typ, wie sei gesteht. Ein paar Wochen lang könne sie sich ganz intensiv mit ihrem neuen Hobby beschäftigen und dabei werken, malen und schaffen, was das Zeug hält. Doch so schnell wie die Begeisterung sie übermanne, sei sie auch schon wieder verflogen – ausser bei den Torten. Die haben es ihr angetan.

Bescheidene Künstlerin
Kann Bea Lippuner ihrer Kreativität freien Lauf lassen, ist sie ganz in ihrem Element. «Wenn jemand eine Torte bei mir bestellt, habe ich sofort Hunderte Bilder im Kopf», sagt sie. Einschränken lasse sie sich dabei nicht gern. «Manchmal kommen die Leute schon mit genauen Vorstellungen oder Fotos zu mir und wollen, dass ich das genau so umsetze. Das setzt mich dann sehr unter Druck», erklärt die Tortenkünstlerin. Widersprechen diese Ideen zudem der Realität, habe sie besonders Mühe. «Aber in meiner Feenwelt geht alles», sagt sie und zuckt mit den Schultern. 
Es sei die Abwechslung, die sie bei der Arbeit mit den Torten begeistere. «Jede ist anders und es gibt so viele Materialien und Möglichkeiten, eine Torte zu dekorieren», schwärmt sie. Ist sie in ihrem Element, kann der Tag viele Stunden haben. Bis spät in die Nacht steht sie dann in ihrer Werkstatt und modelliert, malt und verziert. «Es gibt aber auch Tage, da geht nichts. Dann könnte ich den Fondant an die Wand klatschen – was anfangs schon hin und wieder passiert ist», sagt sie. 

Angefangen habe sie mit dem Tortendekorieren vor etwa fünf Jahren. Damit ihr Hobby auch Hand und Fuss hat, hat sie ein Gewerbe angemeldet und die Wirteprüfung gemacht. Ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen, darüber habe sie schon nachgedacht. Aber nur noch Torten zu machen, das wäre ihr doch zu viel. «Ich bewundere jene, die alles auf eine Karte setzen. Ich will aber die Freude an der Arbeit nicht verlieren.» Manchmal seien ihr all die süssen Zutaten auch zu viel. «Gerade im Sommer, wenn ich fast jedes Wochenende eine Hochzeitstorte mache, freue ich mich darauf, nach dem Ausliefern mit meinem Mann etwas Deftiges zu essen», verrät sie und lacht. «Das ist mittlerweile schon fast zu einer Tradition geworden.»

So stolz Bea Lippuner auf ihre süssen Werke ist, so bescheiden ist sie zugleich. Wenn die Tortenkünstlerin auf der Strasse von begeisterten Facebook-Fans angesprochen wird, ist sie schnell peinlich berührt. «Ich könnte mich nie hinstellen und behaupten, ich hätte die besten Torten. Will ich auch gar nicht. Es gibt einige in der Region, die tolle Torten machen und jede hat ihren ganz eigenen Stil.» 

Das Leben nicht mit Fürchten verbringen
Den Mut, Neues auszuprobieren, hat die Balznerin. So hat sie auch ihre  Höhenangst bezwingen können. «Ich hatte dieses Bild im Kopf: Ich in New York, wie ich von unten die Häuserschluchten hinaufschaue und vom Wolkenkratzer hinab.» Diesen Traum hat sie sich erfüllt. «Manchmal muss man sich seinen Ängsten stellen. Immerhin hat man nur ein Leben und das will man doch nicht mit Fürchten verbringen.» Von der amerikanischen Grossstadt ist sie besonders fasziniert. Den Trubel der Städte geniesse sie. Das fehle ihr zu Hause manchmal – hinauszugehen und spontan auf der Strasse neue zu Leute zu treffen. «Das ist übrigens auch ein Grund, warum ich das Tortendekorieren liebe: Man lernt dabei viele neue Menschen kennen.» (sms)

14. Apr 2019 / 00:00
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