• Bruno Fluder in Balzers
    Bruno Fluder freut sich schon darauf, mit seinem Team nach der Krise wieder voll durchzustarten und aktuelle Themen wie beispielsweise die Corona-Pandemie in den kommenden Monaten auch im Haus Gutenberg zu thematisieren.  (Daniel Schwendener)

Ein neuer Leiter mit vielen Visionen

Mit Bruno Fluder hat das Haus Gutenberg einen neuen Leiter gefunden, der gut vernetzt ist und das Profil des Hauses weiter schärfen will.

Seit vergangenem Oktober hat das Haus Gutenberg mit Bruno Fluder einen neuen Leiter. Für den gebürtigen St. Galler und studierten Theologen ist die Anstellung beim Bildungs- und Seminarhaus eine besonders interessante Aufgabe. «In der Schweiz müssen immer mehr Bildungshäuser aufgrund wirtschaftlicher Probleme schliessen. Dass ein gut aufgestelltes Haus einen neuen Leiter sucht, kommt nicht oft vor. Für mich ist das eine tolle Chance», weiss Fluder. Und die Stelle scheint wie für ihn gemacht: Nach seinem Studium in Österreich und Frankreich war er in den letzten 16 Jahren in Luzern als Jugendarbeiter und Jugendseelsorger, in der Bethlehem Mission Immensee im Personalwesen und Bildungsbereich und zuletzt in der ökumenischen Seelsorge tätig. Eine Weiterbildung im Bereich des Nonprofit Managements und der Organisationsentwicklung eröffnete ihm neue Handlungsfelder. «Das interessante dabei ist die Ausrichtung des Managements nach inhaltlichen Zielen, und nicht nach finanziellen. Diese Ausrichtung von Leadership fand ich immer schon viel interessanter.» 

Ein guter Netzwerker mit Verbindungen nach Balzers
Durch die verschiedenen Stationen konnte sich Fluder ein breites Netzwerk an Kontakten und Freunden aufbauen, was ihm nicht zuletzt bei seiner Bewerbung für die Stelle als Leiter des Hauses Gutenberg zugutekam. «Ich bin ein Netzwerker, das war ich schon immer. So bin ich vor Jahren schon in Kontakt mit Ludwig Zink gekommen und wir pflegen eine gute Freundschaft.» Über Pater Ludwig Zink, den ehemaligen Bildungsleiter vom Haus Gutenberg, kam Fluder auch dazu, in Balzers Kurse zu geben. Das Haus war für ihn also nicht fremd. Und als er von der Stellenausschreibung gehört hat, «musste ich mich einfach melden». 

Seit Oktober wohnt Bruno Fluder nun in Sargans. Die Strecke nach Balzers legt er entweder mit dem Bus oder dem E-Bike zurück. «Ich bin bewusst ohne Auto mobil. Meine Hauptmotivation ist die Ökologie. Aber diese Entscheidung hat auch einen schönen Nebeneffekt: es entschleunigt meinen Alltag.» Die Busverbindungen oder die Fahrzeit mit dem Velo bestimmen seinen Terminplan. Seit fünf Jahren funktioniert das sehr gut, erklärt er. Und wenn er mal nicht mit dem Fahrrad unterwegs ist, spaziert Fluder gerne, wandert in den Bergen und geht im Winter skifahren. «Für meine Hobbys habe ich hier die richtige Region gefunden. Diese Bergwelt ist äusserst vielfältig und es gibt vieles zu entdecken.»

Zurück in seinem Heimatkanton kann Bruno Fluder Beziehungen wieder auffrischen, die in den vergangenen 16 Jahren vielleicht etwas zu kurz gekommen sind. Das macht er im Moment über Onlinejassrunden, Videocalls mit Bekannten oder mit seiner grossen Leidenschaft, dem Bibliodrama. Hierbei übernehmen die Teilnehmer Rollen aus biblischen Texten und improvisieren Handlungen und Situationen. «Ich habe gerade vor Kurzem auch zum ersten Mal an einem ‹Video-Drama› mit Freundinnen aus ganz Europa teilgenommen. Auch das funktioniert.»

Auf aktuelle Situation zugeschnittene Kurse
Wenn die momentane Situation Bruno Fluder etwas verdeutlicht hat, dann dass die Arbeit in seinem Leben eine wichtige Rolle spielt. «Ich definiere mich stark über meine Arbeit und merke, wie mir die Kurzarbeit im Moment zu schaffen macht.» Still steht das Haus Gutenberg jedoch ganz und gar nicht. «Unser Programm im Haus Gutenberg steht bis Ende Jahr eigentlich schon. Wir warten nur darauf, wieder starten zu können.» Mit Kursen zur Reflexion über die Corona-Zeit und zum Umgang mit dem Klima will das Bildungszentrum in den kommenden Monaten die aktuelle Situation aufgreifen und bearbeiten. «Wir haben beispielsweise auch über Erasmus+ ein Projekt entwickelt und bei der EU eingereicht, dass sich mit dem Thema ‹Umgang mit Geld› für sozial und wirtschaftlich Benachteiligte beschäftigt. Eine Zielgruppe, die ich nicht aus den Augen verlieren möchte.» 

Eine Herausforderung für die Erwachsenenbildung
Bevor Bruno Fluder in seinen Heimatkanton St. Gallen zurückgezogen ist, war ihm das Angebot an kulturellen Möglichkeiten in der Region grösstenteils unbekannt. «Ich bin ­jedoch begeistert, wie viel das Land und die Region zu bieten haben, besonders im Bereich von Theater und Literatur mit dem TAK und dem Literaturhaus. Und auch das grosse Bewusstsein für Geschichte finde ich äusserst spannend.» Ähnlich sieht die Situation im Bereich der Erwachsenenbildung aus. Auch hier kann Fluder ein breites Angebot ausmachen. «In Liechtenstein herrscht ein hohes Bildungsniveau und das Bildungsbürgertum macht einen beachtlichen Teil der Bevölkerung aus. Deshalb spielen aktuelle ethische und politische Themen auch im Angebot vom Haus Gutenberg eine wichtige Rolle.» 

Neben neuen Programminhalten möchte Bruno Fluder das Profil des Haus Gutenberg weiter schärfen und setzt besonders auf eine werteorientierte Bildung. Und auch ausserhalb des Bildungsprogramms hat er Visionen für das Haus. Durch den absehbaren Wegzug der letzten Salettiner-Patres in den kommenden Jahren werden Räume frei, die mit einem ­neuen Geschäftszweig bespielt werden können. Zusammen mit dem Stiftungsrat ist er im Austausch mit mehreren Interessengruppen. «Ich spiele gerne mit verschiedenen Ideen. Mit Blick auf neue Angebote im Haus tüftle ich beispielsweise daran, ob sich im Haus Gutenberg nicht eine Schlossschenke realisieren lässt. Wir haben ausreichend Platz und auch die Infrastruktur ist bereits vorhanden.» Die Ideen gehen Bruno Fluder trotz vorübergehender Schliessung nicht so schnell aus. (lat)

26. Apr 2020 / 21:14
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