• Der Grosse Ehrenpreis wie auch der Weinberg-Lauch finden am Burghügel perfekte Bedingungen.  (Picasa)

Ein Burghügel mit einzigartigen Pflanzen

Der Burghügel Gutenberg ist mit seiner Flora und Fauna ein «besonders schützenswerter Lebensraum». Teilweise ist er jedoch bedroht.

Im flachen Zentrum der Gemeinde Balzers zieht eine Felserhebung die Blicke auf sich: Der Burghügel Gutenberg. «Ein freistehender Inselberg aus hartem Kieselkalk», erklärt Josef Biedermann, Präsident der Botanisch Zoologischen Gesellschaft Liechtenstein-Sarganserland-Werdenberg (BZG). Für die pflanzengeografisch überregionale Bedeutung des Hügels sind laut Biedermann die Rebterassen mit den Trockenmauern, die Gebüsche, die Bewaldung, die Magerwiese auf der Hügelkuppe sowie das Gewässer im Junkerriet verantwortlich. Dieser Balzner Ort beherbergt insgesamt 280 verschiedene Pflanzenarten. Eine einzigartige Situation. So ist der Hügel nicht nur von Weitem, sondern vor allem auch bei näherer Betrachtung eine Augenweide.

Mehrere vom Aussterben bedrohte Arten

Biologin Cornelia Mayer weiss, dass dort Pflanzen blühen, die sonst nirgendwo in Liechtenstein wachsen. So zum Beispiel der Zwerg-Schneckenklee, ein Schmetterlingsblütler mit kleinen gelben Blüten. Josef Bie-dermann ergänzt: «Auf dem Burghügel gibt es mehrere vom Aussterben bedrohte Arten.» Botanisch artenreich, sagt Mayer, seien besonders die Magerwiese auf der Hügelkuppe und die Steppenvegetation auf den sonnigen Felsen am Fuss der Burgmauern. Letzterer Bereich sei besonders trocken und dem Föhn ausgesetzt, weshalb die Vegetation entsprechend niedrig und lückig sei. «Es ist der Lebensraum zahlreicher ‹Überlebenskünstler›, so Mayer. Dieser Lebensraum muss nicht bewirtschaftet werden. Anders sieht es jedoch bei der Magerwiese aus: «Sie benötigt zur Erhaltung ihrer Artenvielfalt eine jährliche Mahd», erklärt Mayer. Denn Magerwiesen sind ähnlich wie Rebberge ein von Menschen geschaffenes «Kulturgut». «Leider ist dieses Kulturgut bedroht», sagt sie. Seit 1945 sind nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Liechtenstein rund 90 Prozent der Magerwiesen durch Nutzungsintensivierung, Überbauung, Aufforstung oder Bewirtschaftungsaufgabe verschwunden. Sie sind gemäss Mayer aber ein unersetzbarer Lebensraum für so manche Pflanzen und Tiere. Fast die Hälfte der Schmetterlingsarten ist in Magerwiesen zu Hause. Zudem leben auf Gutenberg einzelne seltene Heuschrecken. Und auch bei Reptilien, Vögeln wie der Dohle sowie Fledermäusen sei der Burghügel sehr beliebt.

Seit Jahren im Einsatz für einen besseren Schutz

«Seit Jahren», sagt Mayer, «setzt sich die BZG für einen besseren Schutz des Lebensraums Burghügel ein.» Vor allem jener der Magerwiese und Steppenvegetation forderte eine «konsequentere Umsetzung der vorhandenen Rechtsgrundlagen». Leider sei vor einiger Zeit auf der Magerwiesenkuppe ein Kunstwerk errichtet worden, das mit den Bestimmungen des Naturschutzgesetzes nicht vereinbar sei.

Dominik Frick, langjähriges Vorstandsmitglied der BZG, hat nun einen Vorschlag zur Aufwertung und Pflege des Burghügels gemacht. «Von der BZG aus wollen wir den Verantwortlichen der Gemeinde Balzers ein diesbezügliches Projekt vorlegen», so Josef Biedermann. Dies zum Schutz des besonderen und einzigartigen Lebensraums. Der Schutz sei laut Biedermann eine kommunale wie auch nationale Aufgabe. Gerade jetzt, wo immer mehr Natur verloren geht und die Biodiversität stark bedroht ist.

«Wissen noch längst nicht alles über die Natur»

«Die Flora wurde durch den sehr geschätzten Balzner Botaniker Wilfried Kaufmann (1935–2016) schon in den 1970er-Jahren in Zusammenarbeit mit seinem botanischen Lehrer Heinrich Seitter, Edith Waldburger und Mario Broggi erforscht», blickt Josef Biedermann zurück. Seither werden die Vegetation und Veränderungen beobachtet. Da die Natur allerdings einem steten Wandel unterworfen ist, wandern Arten ein oder verschwinden wieder. Die klimatisch bedingte Erwärmung kann laut Mayer ebenfalls zu Veränderungen in der Zusammensetzung der Flora führen. «Trotz jahrzehntelanger Beobachtungen wissen wir noch längst nicht alles über die Natur am Burghügel», sagt sie. (qus)

27. Apr 2020 / 20:23
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
puzzle ravensburger
Zu gewinnen 1 Ravensburger Puzzle Schloss Vaduz
23.04.2020
Facebook
Top