• Heliport Balzers
    Der Heliport ist die Arbeitsstelle von 85 Personen.  (Tatjana Schnalzger)

3000 Starts und Landungen in Balzers

Sieben Helikopterunternehmen sind bei der einzigen Luftanstalt Liechtensteins, dem Heliport Balzers, stationiert. Besitzer und Betreiber David Vogt gibt Einblick in ein Arbeitsfeld zwischen Himmel und Erde.

Schifflände 2, morgens um neun.  Ein Fluglehrer startet mit seinem Schüler, der Notarzt der AP3 Luftrettung checkt die Ausrüstung seiner Maschine, im Hangar sind speziell ausgebildete Mechaniker mit der Wartung diverser Helikopter beschäftigt. Es wir gescherzt, und doch ist Ruhe und Professionalität zu spüren. Am Balzner Ortsrand taucht man ein in eine andere Welt. Mittendrin David Vogt. Er gründete 1979 die Rhein-Helicopter AG, heute Heliport Balzers. Sein Fundus an Wissen und Erfahrung rund um die Helikopter und den Flugbetrieb ist schier unerschöpflich. Das Flugbrevet hat Liechtensteins Helikopterpionier zwar abgegeben, sein Idealismus und die Leidenschaft im Dienst der Sache sind jedoch ungebrochen. Als Besitzer und Betreiber der einzigenLuftfahrteinrichtung Liechtensteins vereint er bei der Basis vier Helikopterunternehmen, zwei Helikopter-Unterhaltsbetriebe sowie eine Flugschule.

Daumen hoch oder runter vom Flugfeldleiter

40 Jahre lang war der 71-jährige Balzner Flugfeldleiter, in Kürze wird sein Schwiegersohn Renzo Aldovini diese Aufgabe übernehmen. Hierfür muss eine entsprechende Prüfung abgelegt werden  und auch aviatische Kenntnisse sind erforderlich. Der «chef-lieu» ist verantwortlich für die Betreuung der Liegenschaft,  das Handling und den Flugverkehr. «Dieser wird zu 97 Prozent durch die betriebseigenen Helikopterfirmen, die hier im Haus sind, bewerkstelligt, die restlichen 3 Prozent sind Externe. Wir sind zwar ein öffentlicher Heliport, ein Auswärtiger wie z. B. ein Privatpilot muss jedoch beim Flugplatzleiter eine Landebewilligung einholen. Der Platz ist eng. Wir sind ja nicht Zürich-Kloten», scherzt David Vogt.

Heliport Balzers

Der neue Flugfeldleiter Renzo Aldovini.

Effizienz auch bei den drei «Neuen»

Rotex Helicopter AG, Valair Helicopter Services, Swiss Helicopter, Swiss Helicopter Maintenance, AP3 Luftrettung, AAA (Alpine Air Ambulance) heissen die sieben beim Heliport Balzers eingemieteten Firmen. 12 bis 15 Helikopter sind dort ständig stationiert. 2018 konnten insgesamt 3000 Starts und Landungen verzeichnet werden. «Seit 2017 beheimaten wir auch eine Flugschule aus der Schweiz. Eine sehr gefragte Sparte, die boomt, was mich sehr freut», so Vogt. «Früher oder später werden den Eidgenossen mit ihren circa 25 Helikopterunternemen die Hubschrauberpiloten ausgehen. Die Zahl ist stark rückläufig, Jung­piloten sind gefragt.»

Vor einem Jahr stiess Valair mit neun Mitarbeitern zum Balzner Luftfahrtunternehmen, am 19. Dezember 2018 die AP3 Luftrettung, deren Operator die Schweizer AAA/Lions Air ist, integriert in einem deutschen Verbund. Bisher konnten bereits über 200 Einsätze geflogen werden. «Eine solche Maschine zu deponieren, kostet rund zwei Millionen Franken pro Jahr – Löhne, Maschine, Standplatz, Versicherung etc. Rund um die Uhr sind ein Notarzt, ein Paramedic und der Pilot hier vor Ort», weiss David Vogt. Ein Rettungseinsatz beläuft sich durchschnittlich auf 5000 Franken. Ein weiterer Vorteil für die regionale Bevölkerung in Sachen Notfallversorgung wird mit der Gründung der AP3 Luftrettung Liechtenstein AG mit Sitz in Balzers am 3. Juni 2019 generiert. Auch hieran ist die Heliport Balzers AG beteiligt.

Heliport Balzers

Paramedic Sämi Ernst, David Vogt, Notarzt Nico Rebling (v.l.).

Arbeitsstätte von 85 Mitarbeitenden

Nicht wenig Opposition formierte sich damals gegen David Vogt bzw. seinen Plan, eine Luftanstalt zu gründen. «Sinn und Zweck wurden nicht erkannt. Diesen haben wir im Laufe der Jahre bewiesen. Der Heliport hat sich etabliert, gehört heute zu Balzers wie Schloss Gutenberg.» Würde David Vogt heute ein solches Vorhaben nochmals wagen? «Ja. Wobei vor 40 Jahren die gesetzlichen Grundlagen andere waren. Auch konnte man mit geringeren finanziellen Mitteln starten. Würde heute jemand mit der Idee kommen, einen Heliport zu eröffnen, müsste er erst mal eine halbe Million Franken in die Hand nehmen …» Er ist jedoch überzeugt, dass auch ohne seine Initiative heute irgendwo in Liechtenstein ein Heliport existieren würde. «Eine neue Generation ist im Kommen, grosses Interesse vorhanden.» Dass die Balzner Luftanstalt, zwischenzeitlich Arbeitsstätte von 85 Mitarbeitenden, zu Liechtensteins Autonomie beiträgt, steht für ihn ausser Frage. «Mit einer Maschine wird geschult, mit den weiteren führen wir nützliche Arbeitsflüge durch, und zwar den ganzen Tag – neu dabei die AP3 Luftrettung mit ebenso nützlichen Ambulanzflügen», veranschaulicht David Vogt das Metier. Dass die Firmen nicht von Liechtenstein leben können, leuchtet ein. Das Arbeitsgebiet der Grossmaschinen ist die Schweiz, Österreich und Deutschland, die Rotex Helicopter AG deckt auch den EU-Raum ab, fliegt bis nach England oder Schottland. «Direkt und indirekt profitiert aber auch Liechtenstein. Wir haben Verträge mit der Rheinkorrektion, diversen Feuerwehren, bewerkstelligen Transporte in die Alpen. Der Helikopter ist auch hierzulande nicht mehr wegzudenken.» (ge)

12. Apr 2019 / 10:14
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