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Coming-out und Diskriminierung

Bislang wurde die Zahl homo-, bi- und transidentischer Menschen lediglich geschätzt. Ergebnisse einer Studie des deutschen Umfrage-Start-ups Dalia zeigen nun repräsentative Zahlen. 7,4% der Deutschen rechnen sich der LGBTI-Community zu.
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Ein Beitrag des Vereins Flay zum Coming-out Day

Obwohl Liechtenstein bei dieser Studie nicht miteinbezogen wurde, kann ein ähnlich grosser Anteil an der Gesamtbevölkerung angenommen werden. Bei einer Bevölkerungszahl von rund 38 000 Einwohnerinnen und Einwohner Liechtensteins wären dies immerhin rund 2800 Personen.

Junge Menschen werden sich ihrer transgeschlechtlichen Zugehörigkeit häufig bereits in der Kindheit bewusst. Eine nicht-heterosexuelle Orientierung bemerken viele Menschen erst mit Einsetzen der Pubertät. Dieser Prozess zusammen mit dem persönlichen Zugeständnis an sich selbst wird als inneres Coming-out bezeichnet. Vor allem zu Beginn des inneren Coming-outs erleben viele Jugendliche ihre sexuelle oder geschlechtliche Identität als unpassend. Einige betroffene Jugendliche ziehen sich in dieser Zeit zurück, um sich vorherrschenden Verhaltensnormen zu entziehen, andere wiederum versuchen, eine Rolle zu spielen, um aus ihren Peer-Gruppen nicht als unpassend herauszustechen. Beide Verhaltensweisen führen demnach oft zu Belastungen und Entbehrungen, da wahre Gefühle über längere Zeiträume unterdrückt werden.

Transgeschlechtliche oder nicht heterosexuelle Jugendliche sind bis zu fünfmal mehr suizidgefährdet als ihre cisgeschlechtlichen und heterosexuellen Kolleginnen und Kolle - gen. Dies hängt nicht nur mit den psychischen Belastungen aufgrund des inneren Comingouts zusammen, sondern ist auch auf befürchtete Schwierigkeiten aufgrund des äusseren Coming-outs, also des Öffentlich-Machens, zurückzuführen. Das Echo im Bildungsund Arbeitskontext ist bis heute nicht immer positiv, indem Betroffene mit verletzenden Bemerkungen oder Blicken konfrontiert werden. Die grösste Befürchtung vieler Jugendlicher sind negative Reaktionen aus dem Freundesund Familienkreis, da diese den Kern des sozialen Umfelds bilden. Hier finden die Jugendlichen meist ihre ersten Ansprechpersonen für ihr Coming-out, deren Reaktionen demnach den weiteren Verlauf dieses Prozesses massgeblich beeinflussen.

Auch wenn es in Liechtenstein glücklicherweise kein grundsätzliches Tabu mehr ist, lesbisch, schwul, bisexuell oder trans* zu sein, bleibt der Umgang mit psychischen Belastungen, Diskriminierung und verringerten Partizipa - tionschancen für solche Menschen Teil ihres Alltags. Deshalb ist es notwendig, gesellschaftliche, institutionelle und rechtliche Bedingungen weiter zu verändern. Dazu gehören insbesondere die Gleichstellung von gleichgeschlechtlichen Paaren durch die «Ehe für alle» und die Schaffung von rechtlichen Grundlagen für Transpersonen. Darüber hinaus leistet eine umfassende Aufklärung über sexuelle und geschlechtliche Vielfalt einen massgeblichenen Beitrag gegen die gesellschaftliche Ausgrenzung von nicht-heterosexuellen und transgeschlechtlichen Personen.

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