• Gölä
    Gölä  (Daniel Schwendener)

«Ich bin eigentlich ein schüchterner Typ»

Er eckt an, er nimmt kein Blatt vor den Mund und bringt seine Fans heute noch zum Toben: Gölä alias Marco Pfeuti – der «Büezer» aus Opplingen, der im Jahr 1998 mit der Herausgabe seines ersten Albums «Uf u dervo» auf einen Schlag zum Schweizer Superstar aufstieg. Heute ist zwar etwas Ruhe in sein Leben gekehrt – doch von Langeweile kann keine Rede sein. «lifestyle» traf das Original im Balik-Musikstudio in Ebersol – und musste sich erst einmal gedulden.
Vaduz. 

 

Hallo Gölä.

Sorry fürs Warten lassen. Das ist eigentlich nicht meine Art. Ich hasse es selbst, wenn die Leute zu spät kommen – nur weil sie denken, sie seien etwas Besonderes. Aber wir hatten gerade eine unglaublich gute Jam-Session. Da konnte ich unmöglich unterbrechen ... Man hört ja schliesslich auch nicht vor dem Höhepunkt auf. Das wäre doch ein «Seich». (lacht laut)

Dafürhaben wir vollstes Verständnis. Ihr übt gerade für das Konzert im August, bei dem ihr mit der Urgestein-Band Gotthard auf der Bühne steht. Wirst du dort in Mundart singen? Oder auch auf Englisch?

Nur in Mundart. Meine Fans schätzen es nicht, wenn ich beide Sprachen mische.

Und du beugst dich als Künstler immer den Wünschen deiner Fans?

Ich bin kein Künstler – ich hasse den Begriff Künstler. Das sind alles so komplizierte Typen in meinen Augen. Ich finde, die Leute zahlen für ein Konzert. Dann sollen sie auch das hören, was

sie sich wünschen – ein paar rockige Songs, bei denen sie mitsingen und abgehen können. Ich versuche immer, meine Konzerte auf die Zuhörer abzustimmen und nicht einfach mein Ding durchzuziehen, das ich gerade im Kopf habe und das eigentlich niemanden interessiert.

Ärgert es dich manchmal, dass deine Fans immer den «alten Mundartrocker» auf der Bühne hören wollen und deine englischen Songs nicht an den Erfolg der deutschsprachigen anknüpfen können?

Überhaupt nicht. Ich schätze es ja, dass überhaupt jemand irgendwas gern hört, was ich mache. Natürlich finde es ein bisschen schade, weil ich denke, dass wir einige super Songs auf Englisch produziert haben. Im Januar war ich ja auch auf Konzerttour mit den Bellamy Brothers. Aber ich begreife es. Ich will ja auch nicht die Eagles auf Französisch hören. Wenn meine Fans mich auf Mundart wollen, dann sollen sie mich auf Mundart haben.

Mit was für Erwartungen blickst du so einem Konzert entgegen? Freut man sich da bereits lange im Vorfeld?

Das mit der Freude ist ein bisschen kompliziert bei mir. Im Prinzip gehe ich nicht gerne raus auf eine Bühne, um vor vielen Leuten zu spielen. Ich bin ein schüchterner Typ.

Ach ja?

So ist es, auch wenn es die meisten nicht glauben. Schon als Schüler habe ich es gehasst, wenn ich an die Wandtafel vor musste. Ich bin nie gerne im Mittelpunkt gestanden. Natürlich freut es mich, wenn ich sehe, wie meine Fans an den Konzerten abgehen. Das ändert aber nichts daran, dass ich mir vor dem Auftritt jedesmal fast in die Hosen mache. Ich habe echt Lampenfieber. Und im Nachhinein bin ich einfach nur froh, wenn ich nicht zu viele Fehler gespielt habe.

Worauf bist du besonders stolz, wenn du auf deine Karriere zurückblickst? 

Dass ich zwischendurch auch mit meiner Musik helfen konnte. Zum Beispiel, wenn ich etwas Kohle für krebskranke Kinder zusammenbrachte. Solche Aktionen mache ich in der Regel ohne Medienpräsenz, sofern nicht gerade eine spezielle Zusammenarbeit besteht. Ich finde, wenn man es ehrlich meint, muss man damit nicht an die Öffentlichkeit gehen. Dann macht man es einfach. Darauf bin ich stolz. Der Rest wurde mir ja geschenkt.

Gölä

Gölä

Gibt es eine musikalische Entscheidung, die du heute bereust?

Nein. Ich kann gut über meine Fehler und mich selbst lachen.

Damals, im Jahr 1998, veränderte der bombastische Erfolg deiner ersten CD «Uf u dervo» dein Leben. Aus dem einfachen «Büezer» wurde mit einem Schlag ein Schweizer Superstar. Wie hast du das erlebt?

Rückblickend gesehen war es eine beschissene Zeit. Ich ging damals immer gerne auf ein Feierabendbier mit meinen Kollegen. Und dann – nach Herausgabe des Albums – war plötzlich alles anders. Mit einem Mal stach ich aus den Gästen heraus, was mir gar nicht gefiel. Jeder meinte, mir auf die Schulter klopfen zu müssen. Es ärgerte mich, wenn irgendwelche Leute mich grüssten und gleichzeitig meinen Kollegen nebenan ignorierten. So ging ich halt irgendwann gar nicht mehr in die Beiz.

Hast du noch Freunde von damals?
Ein paar wenige. Die Leute haben das Gefühl, dass sich eine Person verändert, wenn sie Erfolg hat. Ich habe allerdings mehr den Eindruck, dass sich mein Umfeld verändert hat. Deshalb wurde in meinem Freundeskreis schon ein bisschen gesiebt.

Hast du eigentlich neben deiner Musik immer weiter auf dem Bau gearbeitet?

Ich habe immer gearbeitet, weil ich es immer gern gemacht habe. Mittlerweile arbeite ich schon fast lieber, als dass ich Musik mache. Das glaubt mir zwar niemand, aber so ist es. Bei der Arbeit sehe ich am Abend, was ich zustande gebracht habe. Bei der Musik weiss ich nicht mal, wie die Griffe heissen, welche ich an der Gitarre drücke.

Solange du die richtigen drückst ...

Zum Glück höre ich, ob es richtig oder falsch klingt. (grinst)

Die wachsende Popularität schafft einen enormen Druck – vor allem, weil man ständig in den Medien präsent ist. Braucht man eine dicke Haut? 

Es ist schon belastend, wenn Dinge geschrieben werden, die einfach nicht stimmen. Man kann sich nicht wehren. Wenn es einmal schwarz auf weiss steht, reden die Leute darüber – egal, ob man im Nachhinein Stellung nimmt oder nicht. Ich bin damals ab und zu mit meinem Camper in die Berge entflohen, um Zeit für mich zu haben und neue Energie zu tanken.

Heute geht es in deinem Leben etwas ruhiger zu und her – zumindest, was die Medienpräsenz betrifft. Sehnst du dich manchmal zurück an die Zeit deines grossen Erfolgs?

Der Rummel fehlt mir überhaupt nicht. Ich geniesse mein einfaches Leben mit meiner Familie und den Leuten, die ich mag. In unserem Dorf ist jeder mit jedem per Du. Bei diesen Menschen bin ich nichts Besonderes – und das schätze ich. (ne)

Was für ein Vater Gölä ist, welche Werte er seinen Kindern vermitteln will und warum es ihn immer wieder aufs Meer zieht, lesen Sie im «lifestyle»-Magazin.

09. Jun 2015 / 06:00
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