Von Ruggell aus ins Weltall

Die Oehri Electronic in Ruggell ist seit bald 40 Jahren in Anlagebau sowie Elektronikfertigung tätig. Das Unternehmen lieferte auch schon Komponenten, die in der internationalen Raumstation ISS zum Einsatz kamen. Geführt wird der Betrieb vom 28-jährigen Christof Ritter.
 
Erster Verkaufsschlager des Start-ups waren Nebelmaschinen, die an Feuerwehren und Discotheken verkauft wurden. Die Maschinen basierten nicht auf Trockeneis, um den Nebel zu erzeugen, sondern wurden auf Glykolbasis gebaut und hatten meist einen neutralen Duft. Vertrieben wurden die Maschinen durch das Feuerwehrtechnikunternehmen Growag aus der Zentralschweiz. «Vermutlich sind viele dieser Maschinen auch heute noch im Einsatz», sagt Manfred Laim, der seit der Gründung bei Oehri Electronic arbeitet. 
Neben der Nebelmaschine wurden auch Discobeleuchtungen bis zum professionellen Lasersimulator entwickelt. 
 
PCs und Internetprovider
 
1985 stieg Oehri Electronic ins Geschäft mit Computern ein. PCs waren damals noch teuer, die Margen waren höher als heute und man konnte mit Verkauf und EDV-Support als Kleinunternehmen Geld verdienen. 1995 stieg man auch ins Internet-Geschäft ein. Mit der Marke Supranet wurde der erste Internetprovider Liechtensteins geschaffen. Zwei Jahre später wurde Supranet ausgegliedert, 2006 geschah dasselbe mit der PC-Sparte. 1986 beschaffte sich das junge Unternehmen seine erste SMD-Lötmaschine, dank welcher man in die Oberflächenmontage einsteigen konnte. Vorher wurden alle Bauteile von Hand gelötet.  
 
Ein weiterer Meilenstein war der Beginn der Zusammenarbeit mit Presta. Oehri Electronic erfuhr, dass die heutige Thyssen-Krupp-Tochter Bedarf an neuen Gelenkwellenprüfgeräten hatte, um die Qualitätssicherung zu verbessern. Zusammen mit dem Unternehmen Nutt Gerätebau AG aus Mauren entwickelte man Qualitätsprüfungsmaschinen, welche in der Folge in Ruggell gebaut und in Eschen bei Presta in Betrieb genommen wurden. Bis heute wurden 35 solcher Maschinen produziert. Ein Teil davon steht noch in Eschen, andere wurden in Werke der Thyssen-Krupp nach Frankreich, Mexiko, USA, Brasilien und China verlagert. 
 
Steuerung für Skilift in der Region 
 
Im Elektronikbereich arbeitet die Oehri Electronic an diversen Projekten. So werden zum Beispiel Sicherheitsüberwachungen für Seilbahnen und Skilifte hergestellt. Damit wird auch ein Skilift in den Flumserbergen überwacht. Aber auch an für uns exotischeren Orten kommen Steuerungsmodule aus Ruggell zum Einsatz. So wird eine Seilbahn in Nepal auf 4000 Metern Höhe mit Technik von Oehri Electronic betrieben. «Die Seilbahn wird von tausend Leuten pro Tag genutzt, welche die Strecke zuvor jeweils zu Fuss bewältigen mussten», sagt Christof Ritter. 
 
Auch Handwerkern wird das Leben durch ein Gerät der Oehri Electronic erleichtert. Das Unternehmen hat 2006 das Lichthärtegerät Twinlux für Invicon Chemical Solutions entwickelt, bei dem mittels lichthärtender Paste und speziellen blauen LED-Lampen Dellen oder Risse in Marmor repariert werden können. Die Idee dafür stammt aus der Zahntechnik. 
Eine wichtige Entwicklung für das Unternehmen waren diverse Produkte aus dem Vakuumbereich, welche im Auftrag für die Inficon AG in Balzers hergestellt werden. Später hat Inficon diese Sparte an die VAT Vakuumventile AG in Haag verkauft. So wird unter anderem Elektronik für ein Regelventil produziert, mit welchem in feinster Abstufung Gasfluss im Hochvakuumbereich reguliert werden kann, sogar bis zu Atmosphärendruck. Ein Teil derElektronik wurde sogar im CERN in Genf und auf der internationalenRaumstation ISS eingesetzt. Somit hat es die Oehri Electronic von Ruggell aus ins Weltall geschafft. 
 
Dass Christof Ritter Geschäftsführer wird, war so nicht von langer Hand geplant. Der Unterländer aus Mauren absolvierte von 2006 bis 2009 eine kaufmännische Lehre bei der Liechtensteinischen Landesbank (LLB). Nach dem Abschluss war im Betrieb seines Vaters Medard Not am Mann und er half in der Produktion aus. Geplant war eigentlich ein Einsatz zur Überbrückung und bis angestaute Arbeit abgebaut werden konnte. Doch es kam anders. Als bekannt wurde, dass Mitbegründer Othmar Oehri aus dem Unternehmen aussteigen wollte, übernahm Ritters Vater die Geschäftsleitung. Sohn Christof übernahm wegen seines kaufmännischen Hintergrundes den Bereich Finanzen und Administration von Othmar Oehri, Vater Medard leitete die Geschicke des Unternehmens und die Produktionsabteilung. 
Doch 2013 verstarb Christofs Vater unerwartet, worauf sich das Unternehmen neu organisieren musste. Manfred Laim übernahm darauf die Geschäftsleitung, Christof übernahm neben Aufgaben im administrativen Bereich zunehmend Aufgaben im Bereich Einkauf, Beschaffung und Kundenkontakt und Manuela Hoop übernahm die Produktionsleitung. 
 
Im Sinne der langfristigen Nachfolgeregelung übernahm vor einem Jahr der 28-Jährige die Geschäftsführung. Er ist mit Abstand der Jüngste im Unternehmen. «Das funktioniert, weil wir ein sehr familiärer Betrieb sind», sagt Ritter. «Jeder weiss, was er zu tun hat und wie er zum Ziel kommt.» Zudem werde er bei strategischen Entscheidungen vom Verwaltungsrat, der teilweise aus Gründern besteht, beraten. 
Trotzdem gelte es manchmal, Entscheidungen zu treffen, die nicht immer einfach seien. Ritters Ziel ist es, die Klumpenrisiken abzubauen und das Unternehmen breiter aufzustellen. Es gelte, in der umkämpften Branche die entscheidenden Nischen zu finden. Bislang sei das gut gelungen. 
Als Vorbild dient Christof sein Vater, der über ein Vierteljahrhundert sein Herzblut in das Unternehmen steckte und trotzdem noch Zeit für die Familie fand. (jeb)
14. Jun 2019 / 18:54
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