• Automatic car get catch in the traffic jam
    Für autonomes Fahren ist die Weiterentwicklung mobiler Kommunikation im herkömmlichen Sinn eine zwingende Voraussetzung.  (iStock)

«Verzicht bedeutet langfristig Ausstieg»

Liechtenstein als 5G-freie Zone wäre zwar nicht das Ende aller mobiler Kommunikation, zöge aber weitreichende Konsequenzen nach sich.

Der neue Mobilfunkstandard 5G erhitzt die Gemüter in der Schweiz unentwegt. Mitte Oktober starteten Gegner der Technologie die Unterschriftensammlung für ihre Volksinitiative «Für einen gesundheitsverträglichen und stromsparenden Mobilfunk». Mittels eines Verbots für die Erhöhung der Grenzwerte für nichtionisierende Strahlung hoffen sie, 5G einen Riegel vorschieben zu können. Zudem möchten sie die Mobilfunknutzung dadurch einschränken, dass die Strahlung von Mobilfunkantennen und lokaler Drahtlos-Netzwerke so herabgesetzt wird, dass sie nicht mehr ins Gebäudeinnere dringen kann. Stattdessen sollen Daten dort via Glasfaser und Koaxialkabel transportiert werden, sprich, ohne die Zuhilfenahme elektromagnetischer Wellen.

5G als Nährboden für Innovationen
Es sind vor allem die befürchteten negativen Auswirkungen auf die Gesundheit, welche die Opponenten dort mobilisieren. Aber ebenso in Liechtenstein. Erinnert sei etwa an die Petition für ein Moratorium für den Bau von Mobilfunkantennen, welche der Landtag im Oktober behandelte. Bezüglich der gesundheitlichen Risiken seien noch zu viele Fragen offen, um die Einführung der Technologie forcieren zu können, betonten die Petitionäre damals. Doch was wäre, wenn sich das Fürstentum einem Wechsel von 4G auf 5G tatsächlich verschlösse? Welche Konsequenzen gingen damit einher?
5G bedeutet, ganz grundsätzlich betrachtet, eine «Weiterentwicklung von mobiler Kommunikation», wie Aldo Frick, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Telecom Liechtenstein, festhält. «Es werden höhere Geschwindigkeiten, mehr Kapazitäten und schnellere Reaktionszeiten angestrebt.» Vor allem die avisierte deutliche Reduktion der Latenzzeit – jene Zeit, die vergeht, bis ein Datenpaket vom Sender beim Empfänger angelangt ist – ist dabei von grosser Bedeutung. «Dadurch sollen reaktionsschnelle Anwendungen, die auf drahtloser Kommunikation basieren, ermöglicht werden», so Frick. Anwendungen, bei denen Daten in Echtzeit übertragen werden. Grosse Themen wie die Industrie 4.0 oder 
autonomes Fahren, so die Hoffnung, werden dadurch von einer befruchtenden Dynamik erfasst, die wichtige Neuerungen hervorbringt.

Alte Technologien bestehen nicht ewig fort
Im Umkehrschluss ist eine Absage an die neue Mobilfunktechnologie auch eine Absage an derartige Potenziale. «Ein Verzicht auf 5G», sagt Frick, «bedeutet einen Verzicht auf diese Innovationen». Und «langfristig einen Ausstieg», wie er anfügt. Dies nur schon, weil Produzenten und Softwareentwickler ältere Mobilfunktechnologien nicht ewig miteinbeziehen werden. Laut dem Telecom-CTO sei es aber auch unwahrscheinlich, dass alte Technologien in Europa langfristig überhaupt fortbeständen. «Das führt dann dazu, dass in Liechtenstein selbst die bestehende Mobilfunkinfrastruktur in einigen Jahren abgeschaltet wird.»
Gänzlich abgeschnitten wäre Liechtenstein von mobiler Kommunikation damit freilich nicht. Was bliebe, wäre ein Ausweichen auf satellitenunterstützte Kommunikation. Diese werde global massiv ausgebaut, so Frick. Auch der Rückgriff auf andere verfügbare drahtlose Kommunikationstechnologien könnte in seinen Augen eine Option sein. In Summe wären die damit einhergehenden Einschränkungen aber gross. «Für den Kunden wird mobile Kommunikation deutlich komplizierter, lückenhaft, und der 
Zugang zu vielen Innovationen entfällt.» Eine Abkopplung Liechtensteins von der weiteren Entwicklung mobiler Kommunikation im herkömmlichen Sinn stellt für Frick unter dem Strich daher «einen Nachteil für die lokale Wirtschaft und auch für den Nutzer» dar.
Zu einem ähnlichen Schluss kommt Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch. «Aus Sicht des Wirtschaftsstandortes ist der gänzliche Verzicht auf eine neue Technologie nicht wünschenswert», betont er. Die Regierung gehe davon aus, dass dieser durch die Lancierung von 5G in besonderer Weise gestärkt, dessen Attraktivität weiter erhöht und die Digitalisierung vorangetrieben werden könne. Eine Einführung von 5G sei der wichtige und logische nächste Schritt in der digitalen Agenda des Landes Liechtenstein und ein wichtiger Treiber von Innovationen für Industrie und Gewerbe.

5G vom Nachbarn ist weder zulässig noch funktional
Ferner gibt Risch in Richtung der Gegner zu bedenken, dass ein Verzicht auf 5G nicht automatisch sämtliche Spuren der neuen Technologie vom Fürstentum fernhalten würde. «Allein schon von den topografischen Gegebenheiten her wird es wohl nicht möglich sein, Liechtenstein von einer gewissen Art von Strahlung freizuhalten.» Das wiederum heisst jedoch nicht, dass 5G über den Umweg Schweiz/Österreich im Endeffekt doch Einzug in Liechtenstein halten würde. Die internationalen Vereinbarungen der Regulierungsbehörden, betont Aldo Frick, liessen einen solchen Betrieb erst gar nicht zu. Und selbst wenn sich diesbezüglich etwas änderte, «wäre eine gute Versorgung immer noch auszuschliessen.» (bo)

 

29. Okt 2019 / 06:30
Geteilt: x
KOMMENTARE

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

KOMMENTAR HINZUFÜGEN

Überschrift (max. 70 Zeichen)
Meine Meinung (Noch  Zeichen verfügbar)
Lesertrend
Meistgelesen
09. Dezember 2019 / 22:46
09. Dezember 2019 / 14:56
09. Dezember 2019 / 22:15
09. Dezember 2019 / 10:14
Meistkommentiert
29. November 2019 / 13:35
27. November 2019 / 21:19
Aktuell
10. Dezember 2019 / 03:37
10. Dezember 2019 / 03:05
10. Dezember 2019 / 01:44
10. Dezember 2019 / 01:34
UMFRAGE DER WOCHE
Lade TED
Ted wird geladen, bitte warten...

Wettbewerb
Fussball Testspiel FC Vaduz - FC Kriens
Zu gewinnen 3 x 2 Karten für den Match gegen SC Kriens
02.10.2019
Facebook
Top